70 Jahre CYMOT – Kameradschaftlich zum Erfolg

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Cymot Tal Street

Erinnerungen an die ersten Jahre von CYMOT? Claus Theissen, der Gründer des namibischen Familienunternehmens, runzelt die Stirn. „Teamgeist, gute Führung und Innovation, das war unser Erfolgsrezept.“ Wir sitzen in zwangloser Runde beim Frühstück, der inzwischen 78-Jährige und zwei Weggefährten, die jahrzehntelang bei CYMOT tätig waren. Plötzlich fangen die Erinnerungen an zu sprudeln, allerdings weniger an die Arbeit, sondern vielmehr an die praktische Anwendung der CYMOT-Produktpalette beim Angeln und Campen.

Enger Zusammenhalt der CYMOT-Mitarbeiter

Kameradschaft wird groß geschrieben. Gern erinnern sich die Freunde an die regelmäßigen Campingtouren mit der ganzen Familie. „Geradezu berühmt-berüchtigt waren in den Achtziger- und Neunzigerjahren die ‚CYMOT Tigers‘, der engste Mitarbeiterkern. Wer darin aufgenommen wurde, musste beim jährlichen Angelausflug eine saftige Taufe über sich ergehen lassen.“

Freitags traf man sich nach der Arbeit mit allen Angestellten in den Geschäftsräumen von CYMOT zum Tischtennis und begoss die Woche. Wenn Autofahren nicht mehr möglich war, blieb man halt einfach das Wochenende bei der ‚Arbeit‘. Oft kamen die Familien dazu, die Kinder tobten in der Campingabteilung, probierten Dreiräder aus. Eines Montags morgens roch es seltsam aus einem Dreifußtopf. Eines der Kinder musste mal „Müssen“ und hatte kurzerhand den Topf als Toilettenersatz erkoren. Deckel drauf, gut war‘s!

Die frühen Jahre von Cymot in Namibia

Den meisten Namibiern ist CYMOT vertraut, solange sie zurückdenken können. 70 Jahre ist es her, seit sich der Reisende Helmut Brass 1948 als erster CYMOT-Vertreter in Südwestafrika niederließ. Sein größtes Geschäft machte er mit Auto-Batterien, die er zunächst Zuhause lagerte. Der südafrikanische Großhandel war Anfang des 20. Jahrhundert in Kapstadt gegründet worden und expandierte im Laufe der Jahre in andere Länder des südlichen Afrikas. Dass der Firmenname CYMOT auf ‚Cycle‘ (Fahrrad) und ‚Motor‘ zurückgeführt wird, weiß heute kaum noch jemand.

Cymot car

Bereits 1967 bezieht CYMOT in Windhoek seine Geschäftsräume in der Mandume Ndemufayo Avenue (damals Talstraße). 1969 wird Claus Theissen in die Windhoeker Niederlassung versetzt. Nach einer Import-Export-Ausbildung ging der gebürtige Hamburger nach Südafrika, um dort zu arbeiten. Als er bei CYMOT in Kapstadt beschäftigt ist, lernt er seine Frau Carola kennen, eine gebürtige Namibierin. Gemeinsam nehmen sie in der Windhoeker Filiale die Zügel in die Hand und gestalten den Großhandel profitabler. Claus Theissen setzt die Schließung der Waffen- und Munitionsabteilung durch und führt den Vertrieb von Berufs-Schutzkleidung ein. Während bei der Muttergesellschaft in Südafrika die Anteilsmehrheit zweimal in neue Hände übergeht, kann er sich 50 Prozent der Anteile in Namibia und das Recht auf den Namen CYMOT sichern.

CYMOT gründet Zweigstellen im ganzen Land

Claus Theissen

In den Achtzigerjahren baut er Zweigstellen in Swakopmund, Tsumeb, Walvis Bay, Rundu und Oshakati auf. Der Großhandel floriert, exzellente Kundenbetreuung wird groß geschrieben, er führt die ‚Autotique‘  mit Autozubehör ein. Der hohe Norden Namibias, das Ovamboland, wird ebenfalls als Absatzmarkt erschlossen. Gut 60 Prozent des Fahrräder-Umsatzes wird dort getätigt. „Die Arbeit dort war nicht immer einfach. Für unsere Verkäufe mussten wir zunächst die Erlaubnis der ‚Eerste Nasionale Ontwikkelings Kooperasie‘ ENOK einholen“, erinnert sich Claus Theissen. „Außerdem passierte es schon mal, dass Verkäufer von CYMOT dort wegen angeblicher Swapo-Zugehörigkeit verhaftet wurden und wir sie aus dem Gefängnis holen mussten.“ Trotz allem, die Geschäfte laufen gut. Da kommt es schon mal vor, dass sich der Chef nach getaner Arbeit mit 40.000 Rand Bargeld in der Tasche von seinen Ovambo-Geschäftspartnern zum Wiskeytrinken eingeladen wird und danach mit dem Geld ins Bett geht.

CYMOT Namibia wird Familienbetrieb

1986 gelingt es Claus Theissen, die 50 Prozent der Anteile, die noch bei CYMOT Südafrika liegen, aufzukaufen. Damit wird das Unternehmen zum Familienbetrieb und zu 100 Prozent namibisch. Der öffentliche Verkauf wird eingeführt. Jedes Jahr wird von der Belegschaft für den Karneval ein Umzugswagen vorbereitet und darauf kräftig mitgefeiert. Einmal werden dem Elferrat zu Werbezwecken voll im Trend liegende Chopper-Fahrräder zur Verfügung gestellt, um die Umzugsstrecke zu radeln. „Denen tut heute noch der Hintern weh!“ Claus Theissen lacht. „Obwohl sich CYMOT immer um hochwertige Produkte bemüht, gibt es auch Reinfälle – wie zum Beispiel Humber-Fahrräder aus indischer Fertigung.“

Cycling

Der tolle Team-Spirit von CYMOT erweist sich als Erfolgsrezept, der auch in der Gesellschaft Akzente setzt. ‚Cycle for Fun‘ heißt eine Initiative, die Radfahrer Anfang der Neunzigerjahre am Wochenende zu Fun-Touren aufruft. Daraus geht der erste Radsportverein der Hauptstadt, Windhoek Pedal Power, hervor. Rückblickend markiert diese Initiative von Claus Theissen den Anfang des organisierten Radsports in Namibia.

Eine neue Ära beginnt

Nach und nach wird das Angebot bis auf die heutigen Marken erweitert: Midas (Autozubehör), Greensport (Camping, Angeln, Radfahren), Tooltech (Werkzeug und Werkstattzubehör), NamSafe (Schutzkleidung), Colour Perfect (Autofarben und –lacke), Mining & Industrial (Bergbau & Industrie). 1997 steigt Axel Theissen in das Unternehmen seines Vaters ein und übernimmt 2003 die Firmenleitung, Claus Theissen zieht sich nach und nach aus dem Tagesgeschäft zurück. Es weht ein neuer Wind mit infrastrukturellen Veränderungen und digitaler Technik sowie der Gründung weiterer Zweigstellen in Namibia und in Angola. Inzwischen hält Stimulus 31.5% Anteile an CYMOT.

Nach dem gemeinsamen Frühstück fahren wir in das neue Hauptquartier von CYMOT im nördlichen Industriegebiet, um in alten Akten zu kramen. „Hallo C.T.“, schallt es uns aus so ziemlich jedem Büro freundlich entgegen. „Der Kürzel für das Abzeichnen von Dokumenten ist geblieben“, sagt Claus Theissen, „und meine Frau ist nach wie vor CaT (Carola Theissen), trotz all der Neuerungen.“

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