Afrikas seltenster und größter Kranich

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Klunkerkraniche im Flug, Namibia
Zwei Klunkerkraniche setzen zu Landung an. Sie sind die größten und auch die seltensten Kraniche Afrikas.

Klunkerkraniche sind weder oft noch leicht zu entdecken: sie halten sich in den weitläufigen Schwemmebenen des Okavango und Chobe, auf den unzähligen Inseln im Kwando sowie im Sumpfgebiet des Linyanti auf. Wenn die Pfannen im ehemaligen Buschmannland gefüllt sind, können auch dort zahlreiche Klunkerkraniche angetroffen werden. Viele stammen vermutlich aus dem Okavango-Delta in Botswana, wo sich der Großteil der gesamten Population des südlichen Afrikas aufhält. Der dortige Bestand wird auf 1300 Individuen geschätzt. Auch am Oponono-See nördlich des Etosha-Nationalparks sind in guten Regenjahren Kraniche anzutreffen.

Klunkerkraniche
Aufmerksam beobachten die Klunkerkraniche ihre Umgebung. Diese auffälligen großen Vögel mit den beiden Hautlappen an den Wangen sind manchmal recht scheu.

Die teilweise scheuen Vögel sind die größten und seltensten Kraniche Afrikas. Sie werden etwa 1,5 m großen und durchschnittlich 8 kg schwer. In Namibia sind sie als gefährdet eingestuft. Der hiesige Bestand wird auf etwa 250 Vögel und nur zehn Brutpaare  geschätzt. Ende Juli 2014 entdeckten der Naturschutzbeamte Holger Kolberg, der in der Forschungsabteilung des Ministeriums für Umwelt und Tourismus tätig ist, und ich ein Nest mit zwei Eiern am Okavango im Bwabwata Nationalpark. Das unauffällige Nest aus Schilf und anderen Wasserpflanzen befand sich auf einer kaum erkennbaren Erhöhung mitten in einer Flussaue und war von Wasser mit dichtem Pflanzenwuchs umgeben.

An der Nyae Nyae Pfanne im Buschmannland wurden beim jährlichen internationalen Feuchtgebietzensus im April 1994 insgesamt 95 Klunkerkraniche gezählt, aber im April des darauffolgenden Jahres nur sieben. Im Januar 1992 konnten 84 verzeichnet werden, doch im Januar 1993 waren es nur zwei. Zehn Jahre später wurden dort 62 Klunkerkraniche gezählt und jüngst, im Februar 2018, insgesamt 13. In den Jahren dazwischen war die Pfanne meist trocken. Das Ministerium für Umwelt und Tourismus koordiniert die Feuchtgebietzählungen und arrangiert teilweise die Durchführung. Zahlreiche Privatpersonen und Organisationen beteiligen sich an den Zählungen, die jedes Jahr jeweils im Winter und im Sommer stattfindend.

Klunkerkranich-Gelege, Namibia
Ein aus einiger Entfernung nicht erkennbares Klunkerkranich-Nest mit zwei Eiern inmitten einer Flussaue am Okavango im Bwabwata-Nationalpark.

Am Oponono-See nördlich des Etosha Nationalparks konnten in den meisten Jahren, wenn dort Wasser vorhanden war, einige Klunkerkraniche gesichtet werden. Im Juli 1997 wurden 42 gezählt, drei Monate zuvor nur 23 und im Jahr darauf 13 Vögel. Zuletzt wurden im Februar 2017 zwei Klunkerkraniche am Oponono-See gesichtet.

Im Mahango-Kernschutzgebiet des Bwabwata-Nationalparks am Westufer des Okavango wurden seit August 1991 bis Mai dieses Jahres jährlich mehrere Klunkerkraniche gesehen. Die höchste Anzahl (28) wurde im Juli 2016 verzeichnet. Am 20. Mai dieses Jahres wurden an drei Stellen insgesamt zehn dieser Kraniche gesichtet.

Klunkerkraniche Namibia
Ein Klunkerkranich hebt von seinem Futterplatz mitten im Feuchtgebiet des Okavango ab, um einige hundert Meter weiter nach Nahrung zu suchen. Diese Kraniche ernähren sich hauptsächlich von pflanzlichem Material wie Knollen und Grassamen, aber auch von kleinen Schnecken, Fischen und Fröschen.

Klunkerkraniche werden Experten zufolge erst im Alter von acht bis neun Jahren geschlechtsreif und ziehen nur ein Junges groß. Sie haben die niedrigste Reproduktionsrate aller Kraniche weltweit. Zudem werden sie durch Habitatverlust und unzählige Störungen, hauptsächlich verursacht durch Menschen, bedroht. Wer Klunker-, Paradies- oder Kronenkraniche beobachtet, möchte dies bitte mit Orts- und Datumangabe (wenn möglich GPS-Koordinaten) Holger Kolberg vom Umweltministerium melden. Seine Anschrift ist holgerk(at)afol.com.na.

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