Altes Gefängnis in Swakopmund bei Touristen beliebtes Motiv

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Das Alte Gefängnis in Swakopmund. Foto: Olga Ernst

Unter den historischen Gebäuden in der Küstenstadt Swakopmund ist ein stattliches zweistöckiges und gut erhaltenes Gebäude bei Touristen als Fotomotiv sehr beliebt, einschließlich Selfies. In der Tat zeichnet sich das Gebäude durch ein rotes Sandsteinfundament und gelbe Wände, hellgrün gestrichenes Fachwerk, verschiedene Giebel und einen kleinen Turm aus, der aus dem Dach ragt. Praktisch jeder Online-Reiseführer erwähnt es.

„Vielleicht ist es die Villa einer reichen Person oder ein Landhotel“, raten Touristen oft, wenn sie die vielen Details dieses architektonischen Meisterwerks bewundern. Etwas versteckt an der linken Seite ist die Grenzmauer des Gebäudes mit der aufschlussreichen Beschriftung „Swakopmund-Gefängnis“.

„Wow, das ist sicherlich das schönste Gefängnis, das ich jemals auf meinen vielen Reisen in verschiedene Länder gesehen habe”, bemerkte ein erstaunter Tourist und machte dann schnell ein Selfie vor der Wand.

Altes Gefängnis, Swakopmund
Das Alte Gefängnis in Swakopmund weist interessante Details auf und ist ein beliebtes Fotomotiv für Touristen. Foto: Mapio.net

Erbaut im Jahr 1907 und noch in Gebrauch

Dieses Gebäude, das heute als „Altes Gefängnis“ bekannt ist, wird auch über hundert Jahre später noch für seinen ursprünglichen Zweck genutzt. Das kaiserliche Deutschland kolonisierte Namibia zwischen 1884 und 1915 und nannte es Deutsch-Südwestafrika. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Land ein britisches Mandat, das jedoch von Südafrika verwaltet wurde. Namibia wurde 1990 unabhängig.

Während der südafrikanischen Verwaltungszeit besuchte ein hochrangiger Regierungsvertreter aus Südafrika das Land und am Ende seiner Reise wurde er nach Swakopmund gebracht. Als die Delegation am Gefängnisgebäude vorbeifuhr, soll der VIP-Besucher (sehr wichtige Person) ausgerufen haben: „Was für ein schönes Gebäude, es würde mir nichts ausmachen, dort zu leben.“
Die Gesichter der Gastgeber sahen plötzlich verlegen aus. „Nun, Sir, das ist das örtliche Gefängnis …“ Der besuchende Würdenträger wechselte schnell das Thema.

Swakopmund Gefängnis Nordansicht
Ansicht von Norden. Foto: Art Nouveau

Jugendstil im Jahr 1909 beliebt

Swakopmund an der Küste am Rande der Namib-Wüste wurde 1892 gegründet, als dort die ersten Holzbaracken errichtet wurden. Die Einheimischen kannten das Gebiet, in dem der Swakop-Fluss den Atlantik erreicht, schon lange. Bereits 1895 wurde von Dr. Max Rhode ein Stadtplan entworfen und 1899 wurden die ersten Backsteingebäude errichtet. Ein Jahr später, 1900, nahm die erste Brauerei des Landes in Swakopmund ihren Betrieb auf, zur Freude der wenigen hundert Europäer und Schiffsbesatzungen, die an der Landungsbrücke und an der Mole anlegten.

Swakopmund entwickelte sich schnell und im Juli 1906 kam der Architekt und Regierungsbaumeister Otto Ertl aus Deutschland als Leiter der staatlichen Hafenbehörde in Swakopmund und Lüderitz. Es ist nicht klar, warum die Kolonialverwaltung ihn angewiesen hatte, die Häfen zu verwalten. Während seiner drei Jahre im Land hat Ertl seinen Beruf als Architekt jedenfalls nicht vernachlässigt und mehrere Backsteingebäude entworfen.

Swakopmund Vogelperspektive
Der beliebte Ferienort Swakopmund aus der Luft. Foto: Olga Ernst

Sein erster Entwurf war für das Gefängnis, wie vom Gouverneur Friedrich von Lindequist (der 1907 den heutigen Etosha-Nationalpark zum Schutzgebiet erklärte) ordnungsgemäß angewiesen wurde.

Ertls kühner Entwurf des Swakopmund-Gefängnisses, den er der Verwaltung in Windhoek im Dezember desselben Jahres vorlegte, wurde angenommen. Die bekannte Baufirma Gebrüder Bause wurde beauftragt. Sie schloss die Bauarbeiten in nur elf Monaten ab und übergab die Schlüssel im Dezember 1907.

Experten zufolge spiegelten Ertls Entwürfe – darunter das Antonius-Krankenhaus und die Lutherische Kirche in Swakopmund – nicht nur den damaligen „en vogue“ Architekturstil in Berlin wider, sondern auch einen Hauch von Neobarock und Jugendstil. Das sieht man in den eher verspielten, abgerundeten Säulen, die die Stufen auf beiden Seiten des Gefängnisgebäudes markieren und den Dachgiebeln sowie am Fachwerk im Obergeschoss.

Altes Gefängnis Nahaufnahme
Das Gebäude aus einem anderen Blickwinkel. Foto: Mapio.net

Die verschiedenen Dachgiebel über den oberen Fenstern wirken für den Betrachter vielleicht etwas überladen, tragen aber definitiv zum Charme des Gebäudes bei.

Es ist ziemlich einzigartig, dass in dem Alten Gefängnis niemals Gefangene untergebracht waren – außer in einer Zelle für die U-Haft oder zum Ausnüchtern. Das Gebäude diente damals und heute zu Verwaltungszwecken. Im Erdgeschoss sind die Büros der Gefängniswärter und der Verwaltung. Im obersten Stockwerk waren ursprünglich während der deutschen Kolonialzeit die Wohnungen für das Gefängnispersonal. Diese Tradition wurde einige Jahrzehnte lang beibehalten. Die Gefangenen wurden schon immer in ganz normalen Zellen hinter dem Hauptgebäude im Hof in einem flachen Trakt untergebracht. Das ist auch heute noch so.

Altes Gefängnis Renovierungen
Das Gebäude wurde 1907 erbaut und in den 90er Jahren renoviert. Foto: Mapio.net

Gut erhalten für das nächste Jahrhundert

Die Alte Gefängnis wurde am 26. Oktober 1973 zum Denkmal erklärt – nicht weil es Gefangene beherbergt, sondern wegen des historischen und architektonischen Wertes. Namibia erlangte 1990 die Unabhängigkeit und ein Jahr später wurden am Gebäude innen und außen umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt. Das ehemals weiß gestrichene Gebäude erhielt seine gelbe und grüne Farbe. Weitere Gefängniszellen wurden im Hof hinzugefügt und eine hohe Mauer errichtet.

Die neuen namibischen Behörden respektierten den ursprünglichen Entwurf von Otto Ertl und bauten die Mauer nicht an der Vorderseite des Gebäudes, sondern versetzten sie nach hinten, um das Erscheinungsbild des historischen Baus nicht zu beeinträchtigen.

Seit 1907 ist Swakopmund enorm gewachsen und heute befindet sich das Alte Gefängnis nicht mehr außerhalb der Stadt, wie vor 113 Jahren, sondern mitten drin und an einer belebten Straße. Straßenverkäufer haben festgestellt, wie beliebt das Gebäude bei Touristen ist, und verkaufen jetzt ihr Kunsthandwerk ganz in der Nähe.

Brigitte Weidlich

Straßenmarkt vor Altem Gefängnis, Swakopmund
Heute liegt das Alte Gefängnis an einer verkehrsreichen Straße. Straßenhändler verkaufen in der Nähe ihre Waren. Foto: Stadtverwaltung Swakopmund

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