Begegnung mit den Riemvasmakers von Namibia

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Zuhause in Vrede
Maggie Vries bei ihrem Zuhause in Vrede. Foto: Ron Swilling

Von der Damara Mopane Lodge in der Nähe von Khorixas fahre ich weiter nach Palmwag. Unterwegs halte ich in Vrede an – einer winzigen Siedlung, die wie jede andere an dieser Route aussieht. Doch die Einwohner von Vrede haben eine faszinierende Geschichte.

Vrede besteht aus zwölf Haushalten. Alle, die dort leben, sind Riemvasmakers, eine Gruppe von Menschen, deren Familien aus Riemvasmaak in der südafrikanischen Provinz Nordkap stammen.

Ortsschild von Vrede
Das Ortsschild von Vrede. Foto: Ron Swilling

Zu den Riemvasmakers gehört auch die Managerin der Etosha Heights Safarihoek Lodge, Maggie Vries. Ich habe das Glück, sie an einem arbeitsfreien Tag zu Hause anzutreffen. Sie berichtet mir, wie es kam, dass ihre Nama-stämmigen Eltern 1974 aus Südafrika nach Namibia kamen: Die südafrikanische Regierung hatte Riemvasmaak als Standort für eine militärische Ausbildungsstätte vorgesehen, und die Einwohner wurden 1973/1974 kurzerhand umgesiedelt. Wer zur Volksgruppe der Xhosa gehörte wurde in die Transkei, das damalige Homeland der Xhosa, geschickt, und wer Nama-Vorfahren hatte, musste sich im Damaraland niederlassen. Diese Gruppe wurde auf De Riet, Vrede, Bergsig sowie Khorixas und Umgebung verteilt. Fern der Heimat passten sich die Riemvasmakers an ihre neue Umgebung an und versuchten, wie zuvor mit Kleinviehzucht ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Ihre Eltern fanden zunächst auf der Farm Otjihavera in der Nähe von Palmwag Unterkunft, erzählt Maggie Vries. „Von dort zogen sie nach De Riet, wo ich 1975 geboren wurde, und später nach Vrede. Ich bin eine gebürtige Namibierin und ich bin stolz darauf, ein Riemvasmaker zu sein.”

Vrede Gemüsegarten
Ein Gemüsegarten in Vrede. Foto: Ron Swilling

Sie erinnert sich an die Geschichten, die die ältere Generation über die Zeit von damals erzählte, und muss lachen, als sie an eine der bildhaften afrikaansen Ausdrucksweisen denkt. „Meine Großmutter wollte nicht umziehen“, berichtet sie. „Aber die anderen sagten zu ihr: ‘Ouma, al kom die Here van die berg af, trek sal jy trek‘ (Großmutter, auch wenn der Herrgott von diesem Berg herabsteigt, wirst du von hier wegziehen müssen).“

Nach den ersten demokratischen Wahlen in Südafrika (1994) wurde der Gemeinschaft der Riemvasmakers das Land um Riemvasmaak zuerkannt und sie hatten die Möglichkeit, zurückzukehren. „Achtzig Prozent gingen und zwanzig Prozent von uns blieben“, sagt Maggie Vries.

Ihre Eltern beschlossen in Namibia zu bleiben. Doch auch nach all den Jahren und über Grenzen hinweg sind die Riemvasmakers eine enge Gemeinschaft geblieben. Bei großen Familienereignissen besucht man einander.

Schule in Vrede
Von den Brüdern Andrew und Bonnie Basson ist einer in Südafrika geboren, der andere in Namibia. Die Jacob Basson Schule ist nach ihrem Großvater benannt. Er war einer der ersten „Riemvasmakers”, die nach Namibia zogen. Foto: Ron Swilling

Jedes Jahr im Oktober findet in De Riet ein Riemvasmaker-Festival statt. Die Gräber der Ältesten werden aufgesucht und die Geschichte der Gemeinschaft wird nacherzählt. Es ist Tradition, sich in drei Farben zu kleiden: Rot als das Symbol für Blut, Weiß als das Symbol für Frieden und Schwarz als Symbol für Tränen. Roosterbrood (Röstbrot) und magou (ein Getränk aus fermentiertem Maisbrei) sind eine weitere Festivaltradition. Mit einem Gottesdienst am Sonntagmorgen endet die Veranstaltung.

Jeder Tag sei ein Lernprozess, um die Kultur lebendig zu erhalten, meint Maggie Vries. „…denn letzten Endes sind wir es, die morgen den Ton angeben werden.“

Ron Swilling

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