Begegnung mit Namibiern auf der Fahrt von Swakopmund nach Epupa

0
5943
Hilga Lisa Gawises, Namibia
Hilga Lisa Gawises arbeitet am Ugab-Tor, einer Zufahrt zum Skelettküstenpark. (Foto: Ron Swilling)

Die Fahrt an der berühmten Skelettküste entlang – vom Gondwana Delight Hotel in Swakopmund nach Palmwag und weiter nach Norden zum Omarunga-Epupa Falls Camp – war gekennzeichnet von spektakulären Landschaften und faszinierenden Zwischenaufenthalten. Aber, und das ist besonders wichtig, sie bot auch die Möglichkeit zu Begegnungen mit Namibias wundervollen, vielschichtigen Menschen. Bisweilen fehlte uns eine gemeinsame Sprache und wir mussten mit Gesten und Zeichen kommunizieren, konnten uns aber dennoch verständigen. Es hat mich in der Überzeugung bestärkt, dass man unbezahlbare Einblicke gewinnt, wenn man auf die Menschen eines Landes zugeht. Solche Begegnungen bereichern jede Reise. Und ein Lächeln ist der beste Reisepass.

Hilga Lisa Gawises, Verwaltungsangestellte des Ministeriums für Umwelt und Tourismus, am Ugab-Tor in den Skelettküstenpark. Die Totenschädel und gekreuzten Knochen auf dem Tor vermitteln das aufregende Gefühl, dass man Neuland betritt und auf dem Weg ins Abenteuer ist. Für Hilga Gawises gehört das markante Emblem des Parks zum Arbeitsalltag. Hier befindet sich ihr Büro, wo sie Reisende mit einem strahlenden Lächeln begrüßt.

Willibard Ketjivandje, Namibia
Willibard Ketjivandje (Foto: Ron Swilling)

Willibard Ketjivandje, mit dem Straßenhobel auf der C39 vom Skelettküstentor bei Springbokwasser nach Khorixas. Er ist seit 1979 in der Straßeninstandhaltung tätig und hat in den vergangenen 30 Jahren Planierraupen, Gabelstapler und Straßenhobel gefahren. Seine Arbeit führte ihn von Otjiwarongo in die Owambo-Regionen und in die Kavango- und die Sambesi-Region. Instandhaltung ist schwere Arbeit, sagt Willibard Ketjivandje, und im Nordwesten des Landes kann es wegen freilaufender Löwen und Elefanten gefährlich werden. Doch auf seinem Planierfahrzeug fühlt er sich sicher. Er übernachtet in einem Bauwagen, dessen Sonnenkollektor eine Lampe und sein Mobiltelefon mit Strom versorgt. Normalerweise ist er mit einem Kollegen unterwegs.

Erwin Tamiseb, Namibia
Erwin Tamiseb (Foto: Ron Swilling)

Erwin Tamiseb bei Bergsigpos hat den Straßenstand seiner Familie mit Windmühlen und leeren Getränkedosen geschmückt, die im Wind schaukeln und scheppern. Erwin sagt, dass er oft Elefanten sieht, die aus dem nahegelegenen Farmdamm trinken.

Hans Gomeb, Namibia
Hans Gomeb Foto: Ron Swilling)

Hans Gomeb liebt seine Arbeit als Wachmann und Nachtwächter der Palmwag Lodge. Gäste, die in den weiter entfernten Zeltchalets übernachten, geleitet er abends zu ihrer Unterkunft. Die Lodge ist nicht eingezäunt und Hans Gomeb hält stets Ausschau nach dem ortsansässigen „Hauselefanten“ Jimbo, der nachts gern durch das Gelände streift, um sich an den Bäumen gütlich zu tun. Zudem ist er auf der Hut vor Hyänen, Leoparden und Löwen, die sich gelegentlich auf das Lodge-Gelände verirren. Er hat keine Angst vor den Tieren. Für ihn gehören sie ganz selbstverständlich zum Dasein – wie für die Bewohner der Hegegebiete, die im Einklang mit der frei lebenden Tierwelt existieren. „Atatata“, sagt Hans Gomeb, „ich kenne die Tiere und ihr Verhalten. Ich bin auf einer Farm im Distrikt Khorixas mit Tieren aufgewachsen.“ Mit Jimbo, dem Elefanten, spricht er wie mit einem Freund und sagt ihm, dass er Vortritt hat. Danach geht er mit den Gästen weiter. „Jimbo ist freundlich“, sagt er, „aber man darf ihm nicht zu nahe kommen. Schließlich ist und bleibt er ein wildes Tier.“

Veriuondjozea Muharukua, Namibia
Veriuondjozea Muharukua (Foto: Ron Swilling)

Die Schülerin Veriuondjozea Muharukua stammt aus Orotjitombo. Sie liebt Gesang und Tanz. In Opuwo besucht sie die 10. Klasse der Sekundarschule und möchte Krankenschwester werden. Das Wochenende hat sie mit ihren Brüdern dreißig Kilometer südlich von Opuwo verbracht, hat für sie gekocht und in den Bergen Gras für das Vieh gesammelt. Die Familie hatte 100 Rinder, doch infolge der Dürre sind 30 bereits verendet. Veriuondjozea ist stolz darauf, eine Himba zu sein. Wenn sie nicht in der Schule ist, kleidet sie sich nach der traditionellen Art ihres Stammes.

Himba-Hirte, Namibia
Himba-Hirte (Foto: Ron Swilling)

Ein Himba-Hirte am Straßenrand im Huab-Tal. Auf der Suche nach Weideland sind einige Himba mit ihrem Vieh dorthin gezogen. Wir hatten keine gemeinsame Sprache, sondern nur Gesten, Zeichen und unser Lächeln zur Verständigung.

Himba, Namibia
Himba (Foto: Ron Swilling)

Eine Himba, die auf meinem Weg nach Epupa am Straßenrand stand und auf eine Mitfahrgelegenheit wartete. Wir mühten uns mit der Kommunikation ab, hatten Probleme mit Dingen wie Sicherheitsgurten und dem Öffnen und Schließen von Autotüren auf der staubigen Straße, und dann brachen wir beide in Gelächter aus, weil die Situation so absurd war, und genossen einfach nur die Fahrt.

Venomambo Kandimine, Namibia
Venomambo Kandimine (foto: Ron Swilling)

Venomambo Kandimine verkauft Andenken an den Epupa-Fällen. Ein Baobab ragt bei den Wasserfällen aus dem Fels. In dessen Stamm seien die Namen von Menschen eingraviert, die im Kunene umgekommen sind, erzählt Venomambo Kandimine. Unter ihnen seien Touristen, die in den Fluss gefallen sind, oder die trotz Warnungen zum Schwimmen hineinstiegen und von der Strömung mitgerissen oder von Krokodilen gefressen wurden.

Vemutanda Nguheiwe, Namibia
Vemutanda Nguheiwe (Foto: Ron Swilling)

Vemutanda Nguheiwe, ein Kaokoland-Guide, bekannt als Ruiter. Seit dem Jahr 2000 führt er Touristen. „Ich begann damit, Besuchern zu zeigen was ich kenne“, erklärt er. „Ich bin Himba und mit den Traditionen und der Kultur meines Stammes aufgewachsen.“ Ruiter ist einer der Guides, die Führungen in die Himba-Dörfer rund um Epupa anbieten. Umfassendes Wissen und eine respektvolle Haltung ist dazu unerlässlich. Seine Kenntnis der Himba-Kultur ergänzte Ruiter mit Kursen von Wilderness Safaris und der Namibian Nature Foundation, und er lernte die englischen Namen von Vögeln und Pflanzen sowie grundlegende Erste-Hilfe-Maßnahmen. Interessanterweise hat Ruiter Dorsland-Trekker-Blut in den Adern. Sein Großvater war Johannes Ruiter und sein oupa grootjie (Urgroßvater) war der bekannte Dorsland-Trekker Oom Tom.

Die Kaokoland Guides sind eine Gruppe aus acht freiberuflichen Guides, die ihre Dienste den Gästen der Lodges an den Epupa-Fällen anbieten, sie in die Himba-Dörfer bringen und auf geführten Wanderungen mit ihnen Vögel und Krokodile am Kunene beobachten. Ein Prozentsatz ihrer Einnahmen geht an einen Verband, der Guides ausbildet, und ein Teil wird dafür verwendet, Randgemeinschaften mit Lebensmitteln zu versorgen.

Ron Swilling

 

 

 

 

 

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here