Bergbau und Edelsteine fördern Geotourismus

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Kristalle Namibia
Halbedelsteine und Kristalle aus Namibia. (Foto: Megan Dreyer)

Namibia gilt nicht nur als touristisches Juwel, das darauf wartet von Reisenden aus aller Welt entdeckt zu werden, es birgt auch im wahrsten Sinne des Wortes viele verborgene mineralische Schätze.

Touristen lieben es, eine bleibende Erinnerung von ihrer Namibia-Reise in Form eines funkelnden Diamantrings oder eines Anhängers mit einem Diamanten aus der Namib-Wüste, der ältesten Wüste der Welt, nach Hause zu nehmen. Viele in Namibia gefundene Halbedelsteine – wie Amethyst, Topas, Kristalle, Turmaline und Rosenquarz – werden von einheimischen Goldschmieden wunderschön in Schmuck verwandelt. Der Edelstein- und Schmuckhandel ist ein kleiner, aber wichtiger Teil des wirtschaftlich bedeutenden Bergbausektors in Namibia, der über 400 Jahre zurückreicht.

Heute trägt der Bergbausektor rund 14 Prozent zur Wirtschaft Namibias bei und erzielte 2018 Einnahmen von N$33,5 Milliarden (etwa 2,08 Milliarden Euro) durch den Verkauf von Mineralien und Erzen, die vor Ort gewonnen werden. Die wichtigsten Mineralien sind Kupfer, Blei, Uran, Gold und Zink, während die Diamant- und Salzproduktion ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zum Bergbau leistet.

Bergmann Brandberg
Ein Bergmann im Brandberggebiet. (Foto: Ron Swilling)

Termitenhügel dienten als Kupferschmelze

Archäologen fanden in der Nähe der heutigen Matchless Mine südwestlich von Windhoek Spuren früheren Kupferabbaus durch die einheimische Bevölkerung. Die ersten europäischen Jäger und Reisenden trafen im frühen 19. Jahrhundert in Nordnamibia auf einheimische Frauen, die schwere Kupferarmbänder trugen, auch um die Knöchel. Die Owambo-sprechenden Bewohner verwendeten Kupfer aus den Otavi-Bergen und sollen das Kupfer in Termitenhügeln mit Holzkohle geschmolzen und selbst hergestellte Blasebalge benutzt haben. Die Termitenhügel wurden ausgehöhlt.
Um 1850 führten Nachrichten über Kupferentdeckungen zu einem Kupferrausch, der zur Gründung von Unternehmen wie Walvis Bay (Mining) und Namaqua Mining führte. Kupfererz aus der Matchless Mine wurde mit Ochsenkarren an die Küste transportiert und durch den Hafen von Walvis Bay exportiert.

Als Namibia 1884 eine deutsche Kolonie wurde, erfuhren die Kolonialherren bald von den Kupferlagerstätten zwischen Otavi und Tsumeb, die sie 1893 dann „entdeckten. Es wurde eine Eisenbahnlinie von Otavi nach Swakopmund von der Otavi Minen- & Eisenbahngesellschaft (Omeg) gebaut, die 1900 gegründet wurde. Die Entdeckung der Diamanten bei Lüderitzbucht im Jahr 1908 führte zu einem gewaltigen Diamantenrausch, der 1914 mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs abrupt endete.

Moderne Zeiten erschließen Bergbaupotential

Während der Bergbaugigant De Beers, im Besitz der Familie Oppenheimer, in den frühen 1920er Jahren die Diamantenproduktion im Sperrgebiet bis zur Unabhängigkeit Namibias 1990 übernahm, förderten andere internationale Unternehmen unter anderem Kupfer bei Tsumeb, Blei nahe Swakopmund und Flussspat in der Nähe von Otjiwarongo.
Interessant ist, dass in mehreren namibischen Bergwerken, insbesondere in Tsumeb, Halbedelsteine und Mineralien als Beiprodukte gefunden wurden, die großes Interesse bei internationalen Sammlern und geologischen Museen weckten. Im Laufe der Jahre wurden viele Bildbände veröffentlicht, die die Schönheit dieser Steine zeigen.
In den sechziger Jahren erregten Nachrichten über Uranvorkommen etwa 60 km östlich von Swakopmund in der Erongo-Region internationale Aufmerksamkeit. Der Bau eines Bergwerks in der Namib-Wüste dauerte mehrere Jahre, und der Tagebau von ‚Rössing Uranium‘ begann 1976. Inzwischen existieren zwei weitere Uranminen, Husab und Langer Heinrich.

Bergbaukammer ist 50 Jahre alt

Vor fünfzig Jahren wurde eine Bergbaukammer gegründet. Rössing Uranium war neben Consolidated Diamond Mines (CDM), die De Beers gehörten, und Tsumeb Corporation Limited (TCL) von Anfang an dabei. Sie gründeten am 9. Mai 1969 in einem Windhoeker Hotel die ‚Association for Mining Companies‘. Nach der Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 wurde der Name in Chamber of Mines (CoM) abgeändert. Das goldene Jubiläum des CoM fiel mit seiner jährlichen Bergbaukonferenz und Ausstellung am 8. und 9. Mai dieses Jahr zusammen.

Nachhaltiger Edelsteinabbau unterstützt Kleinbergleute

Viele Touristen halten vor Usakos auf dem Weg nach Swakopmund bei der Abzweigung zum majestätischen Spitzkoppe-Gebirge an und kaufen dort Edelsteine bei den Kleinbergleuten, die in der Gegend leben. Die Kleinbergleute (Englisch: small miners) verbringen täglich viele Stunden harter Arbeit damit, mit Hammer und Meißel wunderschöne Halbedelsteine aus dem Gestein herauszuschlagen. Sie verkaufen die rohen Steine entlang der Straße. Ähnliche Aktivitäten werden in der Nähe des Brandbergs durchgeführt. Da diese informellen Kleinbergleute unter rauhen Bedingungen arbeiten und kaum Unterstützung haben, hat Namibias Regierung mit der deutschen Entwicklungsagentur GIZ eine Unterstützungsinitiative mit dem Namen „Mine Stones“ auf zwei Ebenen begonnen.

Spitzkoppe Verkauf
Die Kleinbergleute verkaufen ihre Funde an der Straße in der Erongo-Region. (Foto: Megan Dreyer)

Die Initiative wurde auf der jährlichen Bergbaukonferenz & Expo am 8. Mai vom Minister für Industrialisierung, Handel und Entwicklung für Kleinstbetriebe, Tjekero Tweya, vorgestellt. ‚Namibia Fair Gems‘ ist ein Pilotprojekt für nachhaltigen Edelsteinabbau und Schmuckherstellung, durch das interessierte Touristen verschiedenfarbige Edelsteine Namibias kennenlernen können. Die Steine werden gereinigt und zu Schmuck verarbeitet. Die Halbedelsteine bleiben oft unbearbeitet, um ihre natürliche Schönheit zu bewahren.

Edelsteine vor Millionen Jahren geformt

Die zweite Initiative heißt ‚Geopark Brandberg‘ und wird kleine Bergleute von der Siedlung Goboboseb in der Region Brandberg-West mit traditionellen Behörden und Hegegebieten in der Umgebung zusammenbringen, um Touristen abseits der ausgetretenen Pfade verschiedene Erlebnisse zu bieten. Das Touristikunternehmen Gondwana Collection ist mit seinen Lodges der erste Partner, der diesen Schmuck Touristen zum Kauf anbietet. Die Edelsteine wurden vor vielen Millionen Jahren geformt und sind für Besucher eine einzigartige Erinnerung an ihre Namibia-Reise. Darüber hinaus verdienen Kleinbergleute ein besseres Einkommen und können ihre Familien unterstützen.

Rolf Adrian ist Vorsitzender des Lenkungsausschusses für die „Namibian Jewellery Industry and Coloured Gemstone and Associated Value Chains“. Er besitzt Juweliergeschäfte und ist Mitglied der Jewellers Association of Namibia (Jassona), einer Vereinigung von Goldschmieden und Juwelieren. „Die Geopark-Brandberg-Initiative wird Touristen neue Erlebnisse bieten, darunter Bergbautouren vor Ort, geologische Informationen und Dorftouren“, sagt Adrian. „Touristen können auf diesen Ausflügen auch selbst versuchen, nach ihren eigenen Kristallen zu graben“, sagt Adrian.

Amethyste Namibia
Ein Amethyst von Goboboseb in der Nähe vom Brandberg (Foto links: Saxminerals) und ein großer Amethyst aus Namibia in der Kristall Gallerie in Swakopmund (Foto: Kristall Gallerie).

Gondwana hat kürzlich die bekannte Palmwag Lodge in der Kunene-Region westlich von Kamanjab erworben und besitzt auch die Damara Mopane Lodge in der Nähe des Brandbergs (mit dem berühmten Felsbild der Weißen Dame), Twyfelfontein, dem Versteinerten Wald und dem Verbrannten Berg. Goboboseb liegt in der Nähe.

Den Worten des Ministers für Industrialisierung, Handel und Entwicklung von SMEs, Tweya zufolge, ist der „Auftakt der beiden Initiativen ein Durchbruch für die kleinen Bergleute in diesen abgelegenen Gebieten“. Für dieses neue bahnbrechende Abenteuer im Geotourismus lobte Minister Tweya Gondwana als „echten Patrioten“. Das Unternehmen fördert die lokale Wertschöpfungskette für Schmuck auch durch Videoclips auf seinen verschiedenen Online-Plattformen.

Touristen können auch geologische Safaris in Namibia buchen, um die vielen faszinierenden Aspekte der geologischen Entwicklung zu entdecken, die das Land über Millionen Jahre mit Fundstellen vieler Halbedelsteine geprägt haben, die wir Menschen bestaunen können.

Brigitte Weidlich

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