Bootsfahrt im Winter auf dem Okavango

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Schwarzkehlchen Okavango Namibia
Ein Schwarzkehlchen-Männchen auf einem Riedstock am Ufer.

Die meisten Zugvögel sind vor unseren Wintermonaten (Mai bis August) schon lange nach Norden gezogen und Mitte Juli dauert es noch eine Weile bis sie wiederkommen. Trotzdem lohnen sich Vogelbeobachtungen auf und an den Flüssen im Nordosten Namibias. Die Hakusembe River Lodge am Ufer des Okavango in der Kavango-Ost Region ist ein idealer Ort für Vogelbeobachtungen, und außerdem sind hier selbst im Winter erstaunlich viele Reptilien zu entdecken.

Nilwaran Okavango Namibia
Nilwarane kommen überall am Okavango vor. Sie sind gute Schwimmer und gehen am Ufer auf Nahrungssuche. Mittags liegen sie gern in der Sonne. Sie können über zwei Meter lang werden.

Hoch oben auf einem Baum am Ufer sitzt ein junger Schreiseeadler, dem das markante braun, weiß und schwarze Gefieder – vor allem der weiße Kopf und Hals – eines Altvogels noch fehlt. Aufmerksam beobachtet er die Wasseroberfläche, um sich dann von seinem Aussichtspunkt herabzustürzen und mit seinen langen gebogenen Krallen einen ahnungslosen Fisch knapp unter der Wasseroberfläche zu greifen. Die Beute wird in einiger Entfernung genüsslich auf einem Baum verspeist.

Nachtreiher Okavango Namibia
In dichten grünen Bäumen, die über das Wasser ragen, verbringen Nachtreiher den Tag. Bei Einbruch der Dunkelheit verlassen sie ihr Versteck, um auf nächtliche Futtersuche zu gehen.

Über uns fliegt eine Schar Klaffschnäbel vorbei, eine auf Schnecken spezialisierte Storchenart, die sie im flachen Wasser sucht. Unser Guide Paulus Munango entdeckt auch jene gut getarnten Vertreter der Vogelwelt, die sich im dichten Ufergebüsch verbergen. Nachtreiher verstecken sich in dichten Bäumen und Büschen am Fluss. Auf der Suche nach einem einzelnen Weißrückenreiher im dichten Laubwerk weist Paulus auf eine grüne Schlange, die weniger als einen Meter vom Boot entfernt ist. Über eine Minute brauchen wir um die gut getarnte, beinahe einen Meter lange Schlange zu entdecken. Es handelt sich um eine harmlose Angola Grünschlange (Philothammus angolensis). Ein weiteres Exemplar dieser Art wird wenig später auf der anderen Uferseite etwas weiter flussaufwärts gesichtet. Ebenfalls gut getarnt liegt ein Nilwaran (Varanus niloticus) auf einem Ast. Er lässt sich nicht stören, andere verschwinden blitzschnell im Wasser oder im Uferdickicht. Diese Echsen können über zwei Meter lang werden. Auch ein junges Krokodil, das unter einem dichten Baum halb im Wasser und halb auf Zweigen ruht, bleibt Paulus nicht verborgen. In dem Baum verstecken sich zahlreiche junge und erwachsene Nachtreiher. Vermutlich wartet das Reptil darauf, dass ein unvorsichtiger Vogel nahe genug heran kommt.

Am Ufer saß auf einem Riedstock ein männliches Schwarzkehlchen, eine Rietscharbe trocknete auf einem Felsen die Flügel und auf einem ausgedörrten Baum hockten Grau- und Silberreiher. In und um Hakusembe beobachteten wir Mitte Juli dieses Jahres binnen zwei Tagen 78 Vogelarten und zählten auf dem Okavango während einer Bootstour 21 Wasser- und Sumpfvogelarten. Besondere Aufmerksamkeit bei Angestellten und Besuchern erregte das eindrucksvolle Geräusch, das männliche Afrikanische Bekassinen während des Fluges mit ihren Schwanzfedern erzeugen. Senegalbrillenvögel in leuchtendem Gelb waren in den Büschen um die Lodge herum nicht zu übersehen.

Dirk Heinrich

Grünschlange Okavango Namibia
Die harmlose Angola-Grünschlange ist im dichten grünen Laub sehr schwer auszumachen. Sie ernährt sich von Vögeln und Küken, Eidechsen, Chamäleons und Fröschen.

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