Das Kreuz mit dem Kreuz

0
517
Säule von Cape Cross, Duplikat und Original
Am Kreuzkap in Namibia steht eine Nachbildung der Wappensäule (Foto links: Ron Swilling), die der portugiesische Seefahrer Diego Cão 1486 aufgestellt hatte. Das Original (Foto rechts: DHM, Thomas Bruns) befindet sich im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Gerade mal ein Jahr ist der Historiker Prof. Dr. Raphael Gross im Amt als Präsident des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin, da wird dort ein neuer Aufbruch spürbar. Eine neue Veranstaltungsreihe titelt „Historische Urteilskraft“ und startete am 7. Juni gleich mit einem hochrangig besetzten, von Kulturstaatsministerin Monika Grütters eröffneten und mit rd. 350 Teilnehmern sehr gut besuchten Symposium zum Thema „Die Säule von Cape Cross – koloniale Objekte und historische Gerechtigkeit“. Diese etwa 3,50 m hohe steinerne Wappensäule, portugiesisch Padrão, hatte 1486 der portugiesische Seefahrer Diego Cão am heutigen Kreuzkap in Namibia nördlich von Swakopmund errichtet als Zeichen des Herrschaftsanspruchs, aber auch als Orientierungsmarke für Navigation. Während der deutschen Kolonialzeit wurde 1893 das bereits verwitterte Original nach Deutschland gebracht, wo es heute eben im DHM steht. Am Originalort wurde noch in der Kolonialzeit eine Replik mit Verweis auf Kaiser Wilhelm II. aufgestellt, und eine weitere kam 1990 nach der Unabhängigkeit Namibias hinzu – beide Repliken stehen heute dort.

Seit 2017 liegt ein offizielles Gesuch der namibischen Regierung auf Rückgabe der originalen Säule vor. So stellt sich die Frage mit ihrem Umgang ganz aktuell, und es ist sicherlich verdienstvoll, dass eine anspruchsvolle Diskussion darüber jetzt öffentlich geführt werden konnte. Denn ganz generell stellen sich ja die Fragen nach dem Umgang mit den diversen Objekten, die aus früheren Kolonien in die Museen der damaligen Kolonialmächte gelangt sind: Wer ist heute der rechtmäßige Eigentümer, und wo sollen die Objekte am besten sein? Sollen sie von den Museen wieder zurück gegeben werden (und können hier nicht mehr als historisches und kulturelles Anschauungsmaterial dienen, wo die Defizite im Umgang mit der Kolonialgeschichte häufig beklagt werden), oder eben doch in den Ausstellungen und Archiven verbleiben? Der französische Präsident Macron hat kürzlich für sein Land eine deutliche Erklärung abgegeben, Restitutionen zu befördern.

Wissenschaftler und Museumsfachleute aus Europa und dem südlichen Afrika waren geladen zu dieser ganztägigen Debatte. So konnten diverse Aspekte beleuchtet werden. Juristisch fundiert legte Prof. Sophie Schönberger (Konstanz) dar, dass völkerrechtlich die Maßstäbe anzulegen sind, die zur jeweiligen Zeit galten, um eine evtl. Rechtswidrigkeit und daraus einen Rückführungsanspruch zu begründen, das sei hier bezogen auf 1893 nicht der Fall. Das ließe sich aber politisch durch eine neue Gesetzgebung auch juristisch formal regeln. Prof. Lukas Meyer (Graz) hob als Philosoph stärker den moralischen Aspekt vor dem Hintergrund der grausamen Niederschlagung des Herero- und Nama-Aufstands in der deutschen Kolonialzeit hervor und plädierte unbedingt für einen Rückgabeanspruch. Dass die Säule wieder zurück nach Namibia gehöre, überhaupt historische Objekte an ihren historischen Ort, wurde vom Direktor der namibischen Museumsvereinigung, dem Historiker Dr. Jeremy Silvester, und der vormaligen Leiterin des namibischen Nationalarchivs und heutigen Pro Vice Chancellor der University of Namibia, Dr. Ellen Ndeshi Namhila, dargestellt. Einen zusätzlichen Aspekt brachte der aus Namibia stammende Historiker Dr. Dag Henrichsen (Basel) ein. Im historischen Narrativ der lokalen Bevölkerung sei die Säule gar nicht bedeutsam, ganz anders verhalte es sich mit den Ahnenstäben der Herero, die in Dresden ausgestellt sind, denn diese haben auch heute noch eine eminent wichtige Bedeutung für die Herero als Bindeglied zu ihren Vorfahren.

Eine politische Komponente brachte der Sonderbeauftragte für die deutsch-namibische Vergangenheitsbewältigung, Ruprecht Polenz, mit einem Überblick zum Stand der Verhandlungen und den Vorschlägen für einen deutsch-namibischen Zukunftsfonds. Dabei solle es neben materiellen Leistungen auch um eine gemeinsame Aufarbeitung der Kolonialgeschichte gehen.

Abschließend führte Museumsdirektor Gross aus, dass man diese Debatte nun in den Gremien weiter behandele um zu einer Stellungnahme und Empfehlung bezüglich der Säule zu kommen.

Last but not least ist hier noch das außerordentliche Mäzenatentum des Ehepaares Dres. Christiane und Nicolaus Weickart zu würdigen, das in wesentlichem Maße nicht nur diese Veranstaltung, sondern die ganze weitere Veranstaltungsreihe fördert.

Klaus Hess

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here