Den Madenhackern auf der Spur

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Gelbschnabel-Madenhacker, Namibia
Gelbschnabel-Madenhacker sind in Namibia als stark gefährdet eingestuft. Die erwachsenen Vögel haben einen gelbroten Schnabel und orange Augen.

Wer den Nordwesten und den Nordosten des Landes besucht hat, kennt die braungrauen Vögel mit den roten oder gelbroten Schnäbeln, die auf Rindern oder Wildtieren sitzen und sich meist auf der Rückseite des Tieres verstecken, wenn man sie fotografieren will. Es sind Rotschnabel- und Gelbschnabel-Madenhacker, die sich hauptsächlich jedoch von Zecken und nicht von Maden ernähren.

In welchen Gegenden sich die Vögel aufhalten, wo sie nächtigen, ob sie immer wieder dieselben Tiere aufsuchen, ob sie Rinder und Wildtiere, sofern vorhanden, regelmäßig zur Nahrungssuche nutzen, ob sie nur in reinen Familienverbänden leben und welche Auswirkung Pestizide und andere Chemikalien auf die Vögel haben – das alles möchte Sinvula Michael Lukubwe herausfinden. Er ist Dozent für Wildlife Management und Ökotourismus am Campus der Universität von Namibia (UNAM) in Katima Mulilo.

Zusammen mit dem erfahrenen Beringer Mark Boorman aus Swakopmund hatte ich die Gelegenheit, Michael Lukubwe in der zweiten Mai-Hälfte 2019 dabei zu helfen, Madenhacker zu fangen, zu beringen und zu vermessen. Zudem wurden Kotproben genommen, bevor die Vögel wieder freigelassen wurden, und ein Kollege von Lukubwe, der Veterinärmediziner Dr. Simba Chinyoka, entnahm jedem Vogel eine Blutprobe für verschiedene Untersuchungen und Teste. Innerhalb von fünf Tagen konnten bei der Siedlung Izumba am Chobe, unweit des Chobe River Camps von Gondwana Collection Namibia, insgesamt 37 Madenhacker gefangen werden – zehn Gelbschnabel- und 27 Rotschnabel-Madenhacker.

Madenhacker Vermessung
Dr. Simba Chinyoka, Veterinärmediziner und Dozent an der UNAM, entnahm den gefangenen Vögeln eine kleine Blutprobe für verschiedene Untersuchungen. Jeder Vogel erhielt einen alphanumerischen Metallring und einen Farbring. Zudem wurden die Madenhacker gemessen und gewogen.

In der Vorbereitungsphase seines Forschungsprojektes hatte Lukubwe mit Hilfe von Einheimischen und Angestellten des Chobe River Camps fünf Schlafplätze in Baumhöhlen an verschiedenen Orten ausgemacht. Der Plan war, mit Hilfe von speziell angefertigten Netzen die Baumhöhlen zu verschließen, nachdem sich die Vögel bei Anbruch der Dunkelheit dort hineinbegeben haben. Am nächsten Morgen, wenn sie den Schlafplatz verließen, wollten wir sie fangen.

Bei den ersten Beobachtungen nach unserer Ankunft stellte sich heraus, dass die Madenhacker einen der Schlafplätze beim Chobe River Camp nicht mehr nutzten: Baumratten waren dort eingezogen. In einer weiteren Madenhacker-Baumhöhle in der Nähe verbrachten jetzt Halsband-Bartvögel die Nacht. Bei einem etwa drei Kilometer vom Chobe River Camp entfernten Schlafplatz bei einer Siedlung konnten wir am Abend beobachten, wie drei Eichhörnchen die Baumhöhle besetzten, aber Madenhacker waren nicht zu sehen.

Daraufhin entschieden wir uns für den Rinder-Kraal bei Izumba. Die Einwohner der Siedlung hatten uns mitgeteilt, dass sich vor allem morgens zahlreiche Madenhacker beider Arten einfinden würden. Wir stellten unsere Netze an der Südseite des Kraals auf und konnten am ersten Morgen kurz vor 7 Uhr die ersten sieben Madenhacker fangen – fünf Rotschnabel- und zwei Gelbschnabel-Madenhacker. Am folgenden Morgen gingen uns allerdings nur drei Rotschnabel-Madenhacker ins Netz. Wir beschlossen deshalb, von nun an nach dem Öffnen der Netze den 25×25 Meter großen Kraal zu unterteilen, um die Rinder so nah wie möglich an den Netzen zu haben. Mit zwei Seilen, an denen wir zahlreiche Blechdosen befestigten, unterteilten wir den Kraal jeden Morgen vor Ankunft der Madenhacker und drängten auf diese Weise die Rinder in die südliche Hälfte. Dadurch war es leichter, die Madenhacker in die außen neben dem Kraal aufgebauten Netze zu scheuchen.

Zebra mit Madenhackern, Chobe
Elf junge und erwachsene Rotschnabel-Madenhacker auf einem Burchells-Zebra am Ufer des Chobe in der Sambesi-Region im Nordosten Namibias. Madenhacker treten in Familienbänden auf und helfen gemeinsam bei der Aufzucht der Jungen.

Der erste Schritt zur Erforschung der Madenhacker in der östlichen Sambesi-Region ist somit getan. Jetzt werden dringend GPS-Peilsender benötigt, um festzustellen, wo sich die Vögel während des Tages und zur Nachtruhe aufhalten, wie groß das Gebiet ist, das sie nutzen, wo sie brüten und wie die beiden Arten miteinander auskommen. Dazu sind Peilsender mit relativ kurzer Antenne und einem Gewicht von zwei oder drei Gramm erforderlich. Forscher Michael Lukubwe hofft, die nötigen Finanzen für die Sender aufzubringen, um den Madenhackern intensiver auf der Spur bleiben zu können.

Manche Kommunalfarmer haben den Wert dieser spezialisierten Vögel erkannt, andere dulden sie, aber es gibt immer noch einige, die keine Madenhacker bei ihren Rindern sehen wollen. Der Gelbschnabel-Madenhacker ist in Namibia als stark gefährdet klassifiziert, derweil der Rotschnabel-Madenhacker als nicht gefährdet gilt.

Dirk Heinrich

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