Der Heldenfriedhof – eine würdevolle Ruhestätte

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Heldenacker Windhoek
Der Heldenacker südlich von Windhoek. Foto: Memorials 2015-Blogspot

Bei der Anfahrt nach Windhoek mit dem Auto fällt schon von weitem ein imposanter, weißer Obelisk im Süden auf, der sich von den Auas-Bergen im Hintergrund abhebt. Der Obelisk ist weithin von allen Himmelsrichtungen sichtbar und ist Teil eines Heldenfriedhofs, der 2002 eingeweiht wurde. Der „Heroes Acre“ (Heldenacker) wurde von der nordkoreanischen Firma ‘Mansudae Overseas Projects‘ in nur 13 Monaten erbaut. Er ist das offizielle Kriegsdenkmal von Namibia und für Besucher offen. Es steht unter der Verwaltung des Nationalen Denkmalrates (National Heritage Council) und dient dazu, „den Patriotismus und das Nationalbewusstsein zu pflegen und das Erbe an zukünftige Generationen Namibias weiterzugeben“, lautet eine offizielle Beschreibung.

Die Entstehungsgeschichte

Der Bau des Heldenackers wurde von Namibias Gründungspräsident Sam Nujoma angeregt, nachdem er 1997 während eines Gipfeltreffens der Afrikanischen Union in Harare, Simbabwe, den damals neu erbauten Heldenfriedhof gesehen hatte.

Die staatliche nordkoreanische Firma ‘Mansudae Overseas‘ wurde mit den Bauarbeiten in Windhoek beauftragt, die auch einige andere Gebäude in Namibia baute, darunter das neue Präsidialamt, das Unabhängigkeitsmuseum neben der Alten Feste und das Militärmuseum in Okahandja.

Die Windhoeker Stadtverwaltung spendete der Regierung das mehr als 732 Hektar große Gebiet knapp zehn Kilometer südlich der Stadt. Die Anlage wurde von einem Team nordkoreanischer Experten in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, dem Ministerium für Bildung und Kultur, dem Nationalen Denkmalrat und dem Ministerium für öffentliche Arbeiten und Verkehr entworfen. Die Baukosten betrugen etwa N$60 Millionen (rund 2 Millionen Euros). Das gesamte Projekt führte zu regen Diskussionen – pro und kontra – in der Bevölkerung.

Namibia Heldenacker
Die Anlage des Heldenackers aus der Luft. Foto: Brian McMorrow

Große Dimensionen zu Ehren der Helden

Die eigentliche Denkmalanlage neben der großen militärischen Kaserne ist 287 Meter lang und 134 Meter breit mit 174 Gräbern. Die Anlage basiert auf einem symmetrischen Polygon, mit einem großen Platz und einer öffentlichen Tribüne mit 5.000 Sitzplätzen, einer Plattform für Ehrengäste, dahinter die ewige Flamme, links und rechts viele Stufen, die zu den Gräbern und dem Obelisken ganz oben führen. Dort ist eine hohe, halbrunde Wand mit Metallskulpturen, die verschiedene Stadien des namibischen Freiheitskampfes darstellen. Vor dem Obelisken in der Mitte steht eine acht Meer hohe Statue des unbekannten Soldaten, dessen Gesicht unverkennbar große Ähnlichkeit mit Gründungspräsident Sam Nujoma hat. Das Denkmal und die Wandskulpturen wurden komplett in Nordkorea angefertigt und nach Namibia transportiert.

Weißer Marmor und schwarzer Granit aus Karibib am Rande der Namib-Wüste wurden verwendet, um alle Betonkonstruktionen auf der Anlage zu verkleiden.

Denkmal Heldenacker
Die Statue des unbekannten Soldaten ist 8 Meter hoch. Foto: Wikipedia

Hinter dem Obelisken und der Wand führen weitere Stufen zu einem Aussichtspavillion, in dem sich ein Restaurant befindet.

Weitere interessante Merkmale sind das Tor unten bei der Einfahrt, wo auf knapp 9.800 Quadratmetern Parkplätze eingerichtet wurden.

Die gesamte Anlage ist von hohen Zäunen umgeben und wird durch Sicherheitspersonal ständig überwacht. Nach nur 13 Monaten Bauzeit wurde der Heldenacker am 26. August 2002 eingeweiht, zu Ehren der Aufnahme des bewaffneten Freiheitskampfes am 26. August 1966.

„Das Blut aller unserer Söhne und Töchter Namibias hat den Baum unserer Freiheit gewässert und wird von heutigen und späteren Generationen der Republik Namibia immer erinnert werden“, sagte Nujoma bei der Einweihungsfeier. Er betonte, dass der Heldenacker ein Denkmal aller Namibier ist und unabhängig von unter anderem ethnischer Zugehörigkeit oder Religion alle Namibier an den Freiheitskampf erinnern soll.

Heldenacker Wandrelief
Ein Abschnitt des Wandreliefs auf dem Heldenacker. Foto: The Namibian newspaper

Nur Personen, die offiziell zu Nationalhelden erklärt werden, erhalten auf dem Heldenacker eine Grabstätte und ein Staatsbegräbnis. Die erste Person, die dort beerdigt wurde, war Dimo Hamaambo, Befehlshaber der namibischen Streitkräfte. Er ist nur 3 Wochen nach der Einweihungsfeier verstorben. Frühe Helden des Freiheitskampfes wie der legendäre Nama-Führer Hendrik Witbooi haben ein symbolisches Grab mit Grabstein erhalten.

Manche prominente Namibier, die nach ihrem Ableben zu Nationalhelden erklärt wurden, hatten veranlasst, dass sie lieber in ihrem Heimatort bestattet werden wollten. Andere wurden 2015 posthum während eines Staatsaktes umgebettet, wie Moses Garoëb, ein Minister im ersten Kabinett 1990 und ein hochrangiger Kämpfer der namibischen Freiheitsarmee Peter Mweshihange.

Ein Ausnahmefall war der deutschsprachige Namibier Anton Lubowski, ein Anwalt und ein prominentes Mitglied der SWAPO-Partei in Namibia. Lubowski wurde im September 1989 vor seinem Haus erschossen. Der Mord ist bis heute noch ungeklärt. Lubowski wurde nach Rücksprache mit seiner Familie 2015 posthum von Präsident Hage Geingob zum Nationalhelden erklärt. Seine Gebeine wurden während eines Staatsaktes vom Friedhof im Stadtteil Pionierspark auf den Heldenacker umgebettet.

Schon 2014 erfolgte die Überführung sterblicher Überreste von Namibiern, die vor Namibias Unabhängigkeit im Exil ums Leben kamen. Sie fanden am 26. August 2014 in einer bewegenden Staatsfeier auf dem Heldenacker ihre letzte Ruhestätte.

Seit Bestehen des Heldenackers 2002 ist es zur Tradition geworden, dass Staatsoberhäupter und hochrangige Besucher dort an der Ewigen Flamme einen Kranz niederlegen.

Brigitte Weidlich

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