Der Mythos rund um den Spinat

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Popeye wurde zu einem der bekanntesten Cartoon Charaktere des 20. Jahrhunderts. Foto: Medi Bang Paint

Während in Namibia zum zweiten Mal der Lockdown erklärt wurde und der internationale Tourismus ruht, während die Weltwirtschaft auf dem tiefsten Stand aller Zeiten steht, die Menschen um ihre Existenz bangen und Mühe haben, ihre Familien zu ernähren, erinnere ich mich an den Mythos, der im letzten Jahrhundert um den Spinat kursierte. Er machte deutlich, welche Auswirkungen falsche Zahlenangaben auf die Weltbevölkerung haben können. 

Im Jahr 1870 unterlief dem Chemiker Erich von Wolf ein winziger, aber weitreichender Fehler beim Auswerten der Inhaltsstoffe von Spinat und deren Nutzen für die Gesundheit. Bei seinen Forschungen setzte er das Dezimalkomma falsch; mit entsetzlichen Folgen für manche wie mich. Die gesundheitlichen Vorteile von Spinat wurden stark übertrieben. Aus diesem Hypeum den Spinat entstand dann Popeye, der Spinat-liebende Comic Held. Sehr zum Entsetzen vieler Kinder und Jugendlicher wurde in nahezu jedem Haushalt täglich gekochter Spinat aufgetischt – und davon nicht wenig. Ich war eines dieser leidenden Kinder. Aus diesem Grund stellt sich bei mir jetzt die Frage: Könnte es sich bei Covid-19 um einen ähnlichen Fall falscher statistischer Daten handeln? 

Ich erinnere mich an die Zeit als kleiner Junge, als mir nichts andres übrig blieb, als mehrmals die Woche Berge von Spinat zu essen: im Internat – und damit nicht genug – zuhause ebenso, von der Mutter liebevoll zubereitet. Und all dies nur, weil von Wolf ein Jahrhundert zuvor 35 anstatt 3.5 Milligramm Eisen pro 100 Gramm Spinat verzeichnete. Spinat galt weiterhin als das kraftaufbauende Gemüse schlechthin, vor allem für heranwachsende Kinder, obwohl von Wolfs Kalkulationsfehler bereits 1937 entdeckt und korrigiert wurde. Beim Anblick der Berge von Spinat, die mir vorgesetzt wurden, half kein Schreien und kein Toben. Ich hatte sitzen zu bleiben, bis die schleimigen Haufen aufgegessen waren. Es ging so weit, dass mein Magen den Spinat schließlich nicht mehr verarbeiten konnte, und mein Verdauungssystem gegen das grüne Zeug auf meinem Teller rebellierte. Angewidert von der Pampe wurde der Spinat genauso grün ausgeschieden wie er konsumiert worden war. Bis heute kann ich den Anblick von Spinat nicht ertragen.  

Dass die Welt selbst nach Entdeckung und Korrektur von von Wolfs falschen Angaben zum Eisengehalt von Spinat diese ohne Hinterfragen und Zweifel akzeptierte, mag so manchen überraschen. Doch so ist es auch heute noch. Popeye, im Jahr 1929 von Segar erfunden, wurde zu einem der bekanntesten Cartoon Charaktere des 20. Jahrhunderts. Sobald er den Inhalt einer Dose Spinat leerte, bildeten sich Muskelpakete und seine Kräfte wuchsen – sehr zum Neid und zur Bewunderung aller kleinen Jungen und Männer. Durch Popeyes Zeichentrickserie ist der Spinatkonsum in Amerika um ein Drittel angestiegen. 

Die falschen Eisenwerte im Spinat wurden vor fast 83 Jahren korrigiert, doch der Mythos rundum die gesundheitlichen Vorteile des Spinatverzehrs ist heute noch weitverbreitet. Nur ungern nehmen wir neue Erkenntnisse und Fakten zur Kenntnis, waren wir doch bisher überzeugt von dem Superfood Spinat, das nun nur halb so gesund und nahrhaft sein soll wie uns vermittelt wurde. Haben sich menschliche Ansichtsweisen und Meinungen – seien sie auch noch so verkehrt einmal gefestigt, ist es schwierig einen Menschen davon abzubringen – wie der SpinatMythos zeigt. 

Die falschen Eisenwerte im Spinat wurden vor fast 83 Jahren korrigiert

Trifft dieses also womöglich auch auf andere Irrtümer und Falschmeldungen zu, die die Welt während der gegenwärtigen Covid-19 Pandemie im Sturm erobern durch Schwarzmalerei, möglicherweise gefälschte Statistiken, falsche Vermutungen und inkorrekte Annahmen und Parameter? Könnte sich eine unangenehme Parallele zu von Wolfs damaliger Falschdarstellung zeigen und sich womöglich irgendwann herausstellen, dass es sich bei den kometenhaft ansteigenden Covidzahlen, die die Welt zum Stillstand bringen, um aufgebauschte Zahlen handelt? Zweifelsohne sind einige Länder schwer von der Pandemie betroffen. Es lässt sich jedoch belegen, dass es im Verlauf der Geschichte höhere Todesraten gab als die der Covid-19 Pandemie bisher. 

Die Pest im Jahr 1348 forderte das Leben von einem Drittel der Weltpopulation. WEitere ähnliche Katastrophen waren 1918 die Spanische Grippe, die 1-3 % der Weltbevölkerung das Leben kostete, die Asiatische Grippe (1957) 0.03 %, die Hong Kong Grippe (1968) 0,10 %, der Erste Weltkrieg 1,2 % und der Zweite Weltkrieg 3 %.  

Ende Juli dieses Jahres zeigten Statistiken, dass rund 0,009 % der Weltpopulation Covid-19 zum Opfer gefallen ist. Namibias Covid-19 Sterberate betrug zu diesem Zeitpunkt 0,0018 %, gleichbedeutend mit einer 99.99% Überlebenschance. Wenn das mal keine guten Chancen für uns alle sind!  

Wo es früher Gang und Gäbe war, dass Nachrichten blauäugig zu glauben, sind wir heute eher in der Lage, eine eigene Meinung zu bilden und aus unseren Fehlern zu lernen. Es ist nicht besonders schwierig herauszufinden, dass die Zahlen, die uns mittlerweile alltäglich auf einem goldenen Teller präsentiert werden, nicht ganz so akkurat sind, wie wir zu Anfang der Pandemie, getrieben von Angst und Unwissen, geglaubt haben. Im Gegensatz zum Spinat-Mythos haben diese Zahlen jedoch viel weitreichendere negative Folgen als eine simple Abneigung zu Gemüse. Wir müssen der Verbreitung von Panik und der Überreaktion der Medien mit unserem gesunden Menschenverstand begegnen. 

Tausende Menschen in Deutschland demonstrieren momentan auf den Straßen gegen die Covid-19 Einschränkungen. Firmen und Unternehmen versuchen die Regierungen zu anderem Denken zu bewegen, um weiteren katastrophalen wirtschaftlichen Folgen entgegenzuwirken. Die anhaltenden Beschränkungen haben bereits unnötig viele Unternehmen und Lebensgrundlagen zerstört, immer mehr Menschen hinterfragen die Covid-19 Zahlen und Angaben. Viele können nicht mehr mitansehen, wie ihr mühevoll erarbeitetes Lebenswerk langsam einstürzt.

Spinat ist gesund und wird immer wieder auf unseren Tellern landen, aber mancher hat die Nase inzwischen gestrichen voll von dem anderen Gemüse! 

Padlangs – Manni Goldbeck

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