Die letzte Ruhestätte für den Weißen Buschmann

1
1023

Dirk Heinrich

Sechs Jahre nach dem Tod von Peter Stark, dem Weißen Buschmann, am 7. Mai 2013, kamen erstmals seine sechs Kinder aus zwei Ehen am 30. Juni dieses Jahres (2019)  im Etosha Nationalpark zusammen, um den letzten Wunsch ihres Vaters zu erfüllen. Am Rande der Andoni-Fläche, dort, wo sie an die Etosha-Pfanne grenzt, wurde im engsten Familienkreis und mit nur drei engen Freunden anwesend, die Asche des ehemaligen Hauptnaturschutzbeamten des berühmten Nationalparks den Weiten der Landschaft übergeben. Das Ministerium für Umwelt und Tourismus hatte dafür eine Genehmigung erteilt und zwei Naturschutzbeamte sicherten während der kurzen Zeremonie das Gelände. Anschließend wurde auf der östlich des Parks angrenzenden Wildfarm und Lodge Onguma neben den Gräbern von  Ella (1888 – 1965) und Rudolf Böhme (1885 – 1970) sowie dem Enkel Hanko (1948 – 1949) ein Gedenkstein enthüllt und die Urne beigesetzt.

Der am 18. April 1929 in Windhoek geborene Peter Stark hatte auf Onguma bei „Löwen-Böhme“ gearbeitet und dort so manchen Löwen erlegt, der Rinder gerissen hatte. Etliche Raubkatzen verfolgte er bis in den Park und erschoss sie dort illegal. Schließlich wurde der „Wilderer“ zum geachteten Naturschutzbeamten, der zudem ein außergewöhnlich guter Reiter war und manche Landesdressur-Meisterschaft im damaligen Südwestafrika, dem heutigen Namibia, gewonnen hat. Er brachte seinen Parkangestellten, den Hai//om Buschleuten, das Reiten bei und gemeinsam trieben sie zu Pferde ausgebrochene Elefanten von den angrenzenden Farmen zurück in den Park.

Die Kinder Peter Starks mit ihren Familien und drei gute Freunde am Rande der Andoni-Fläche und der Etosha-Pfanne, wo der Weiße Buschmann seine letzte Ruhestätte fand.

Die vier Söhne, Udo, Ingo, Heiko und Nico, aus der ersten Ehe mit Elke Stark, wuchsen im Etosha-Nationalpark auf. „Wir sind im Busch Etoshas aufgewachsen, es war wie im Zoo für uns“, sagten die Brüder am Abend, nachdem sie den letzten Willen ihres Vaters erfüllt hatten und mit dem Bruder und der Schwester aus der zweiten Ehe Peter Starks in Tsumeb zusammensaßen. Ingo (59) wohnt als einziger derzeit in Namibia: in Tsumeb, knapp 100 km vom Pak entfernt. Seine Brüder waren mit ihren Angehörigen aus Südafrika angereist – der Älteste, Udo (60),  dank der Unterstützung von Air Namibia. Udo war seit 33 Jahren nicht mehr im Etosha-Nationalpark, Nico (54), der Jüngste, gar zuletzt vor 41 Jahren und Heiko (56) zuletzt mit dem Vater und Ingo vor 24 Jahren. Konrad aus der Ehe mit Leona Stark war vor 24 Jahren einmal im Etosha-Nationalpark und Connie, die sich in Südafrika einen Namen als exzellente Reiterin gemacht hat, war zum ersten Mal in ihrem Leben in dem Park, in dem ihr Vater tiefe Spuren hinterlassen hat.

Peter Stark besuchte erstmals wieder den Etoscha-Nationalpark im Juni 1995, zwanzig Jahre nachdem er diesen und die Naturschutzbehörde nach seiner Versetzung nach Windhoek verlassen hatte. Dabei kam er an die Wasserstelle Koinseb wo in der Nacht zuvor ein Elefant verendet und am Morgen herausgezogen worden war. Hier betrachtet Stark (3.v.r.) zusammen mit dem damaligen Naturschutzbeamten Fritz Schenk (2.v.r.) und seinen Söhnen Ingo (links) und Heiko (rechts) den toten Dickhäuter und konnte zahlreiche Geschichten über die Wasserstelle erzählen

Die Eltern, vor allem der Vater, waren laut den vier Söhnen recht sorglos, „hielten doch die Buschleute ein wachsames Auge auf uns Kinder, wenn wir im Busch um Okaukuejo umherstreunten und Eidechsen, Skorpione, Spinnen und gelegentlich Schlangen fingen und in einen Eimer steckten“, so die Stark-Brüder. „Natürlich waren wir aufgeregt wenn wir eine frische Löwenspur entdeckten, aber es beängstigte uns keineswegs.“ Manchmal musste einer der Buschleute die Kinder zurückrufen, da Löwen bedrohlich nahe waren. Das geschah auch wenn die ganze Familie in den Busch fuhr und dort einige Tage verbrachte. „Wir schliefen im Freien auf dem Boden. Manchmal durften wir auf dem offenen Pferdeanhänger schlafen, aber auch dort war es nicht sicher. Wir hatten manche Nächte ziemlich viel Angst gehabt“, erzählten die vier Brüder.

Bei den Starks zu Hause in Okaukuejo gab es auch immer irgendwelche Tiere, die großgezogen wurden: von Löwen über ein Nashorn zu Flamingos, Löffelhunden, Tokos und Zebras. Nico ritt oft auf einem Nashornkalb, und als es ihn einmal abwarf und angriff, rettete Heiko ihn in letzter Sekunde. Anschließend befahl Peter Stark, dass das Nashorn weg musste und es kam zu einem ausgewachsenen Tier in eine Boma. Leider tötete das große Nashorn das Kleine.

Ingo Stark (links) erklärt zusammen mit seinen Brüdern den beiden Naturschutzbeamten Ronny Namupala und Martin Herman wer ihr Vater war, dass sie ihre Kinderjahre im Park verbrachten und dass es der letzte Wunsch des Vaters war, dass seine Asche in der Andoni-Fläche oder bei Poacher‘s Point verstreut werden sollte.

Oft wurde beim Ekuma, dem Hauptwasserlauf, der in die Etosha-Pfanne führt, an der Nordgrenze des Parks übernachtet. Fast immer stand Wasser im Mündungsgebiet und es war ein großes Erlebnis, Welse zu fangen. Dort waren oft Löwen und einmal retteten sich Ingo und Udo – damals vier und fünf Jahre alt – auf einen Baum, nachdem ihr Vater sie durch einen Buschmann warnen ließ und sie dann die Löwen in nächster Nähe entdeckten. Der dreijährige Heiko war auf einen knapp einen Meter hohen Stumpf geklettert und erklärte seinen Brüdern, dass er in Sicherheit sei, derweil der wenige Monate alte Nico in seinem Körbchen lag und nichts mitbekam. Die mit Schellen gefesselten Pferde flohen vor den Löwen und lockten sie somit vom Lager fort. Eines der unzähligen Erlebnisse aus den Kinderjahren der Starks.

Die Erinnerungen wurden am letzten Wochenende im Juni 2019 wieder wach und der Geist von Peter Stark ist wieder in Etosha. Vielleicht werden die Kinder und die Enkel jetzt wieder öfters in den Etosha-Nationalpark und nach Onguma kommen, denn die Legende des „Weißen Buschmann“ wird weiterleben. Diejenigen, die Peter Stark kannten, mit ihm arbeiteten oder ihm begegneten, waren fasziniert von dem Mann, der zuerst illegal den Park betrat und später alles tat, um die Tiere und die dort lebenden Menschen, allen voran die Hai//om, zu schützen und ihnen zu helfen. Die Zeiten haben sich geändert, aber der Schutz der wilden Tiere ist wichtiger denn je. Peter Stark hat das früh erkannt und sein ganzes Leben entsprechend verändert. Er brachte das auch seinen Kindern bei, die ihn jetzt gemeinsam zu seiner letzten Ruhestätte begleiteten.

Der Gedenkstein mit der eisernen Tafel, auf der das berühmte Foto von Peter Stark auf seinem Pferd vor einem drohenden Elefantenbullen zu sehen ist. Damit der Stein nicht von Elefanten umgestoßen wird, begannen die Verantwortlichen von Onguma einen Tag nach der kleinen Feier, Steine um die Gräber und den Gedenkstein zu legen, um Elefanten fernzuhalten.

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Dirk ich habe eben deinen Artikel gelesen und Du hast ihn ganz toll geschrieben . ich kenne Peter und seine Familie seit 1964 als ich das erste mal in Etoscha war. Danach war ich ganz viel in den Ferien dort. Mit Peter und den Buschmannern waren wir ganz oft im Busch in haben irre Erlebnisse mit Tieren und auch Wilderern gehabt. Die Feier war fuer mich sehr ergreifend und es war auch toll die ganze Familie wieder zu sehen . Eine Woche später stand ein großer Löwe auf der Fläche . Vielleicht hat Peter ihn auch gesehen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here