Dürre im Etosha-Nationalpark bereitet Kopfzerbrechen

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Dürre im Etosha Nationalpark
Ein Elefantenbulle am 1. Juli dieses Jahres an der Wasserstelle Twee Palm östlich von Namutoni auf der Suche nach Wasser. Die artesische Quelle ist inzwischen ein Schlammloch, an dem die Tiere Schwierigkeiten haben, nach vorne an etwas Wasser zu kommen. Burchell-Zebras, Streifengnus, Springböcke, Kudus und Dickhäuter drängen zu dieser Wasserstelle, in deren Umgebung noch etwas Weide vorhanden ist.

Die derzeitige Dürre sei schlimmer als die im Jahre 1981, die als die Dürre des Jahrhunderts bekannt ist, meint der Hauptnaturschutzbeamte des berühmten Etosha Nationalparks, Vize-Direktor Pierre du Preez. Das Problem sei aber nicht nur, dass der Nationalpark in der letzten Regensaison (2018/19) im Durchschnitt nur 30 Prozent seines normalen Niederschlags erhalten habe, sondern dass vor allem im westlichen Teil seit drei Jahren Dürre herrsche.

„Wir hatten stellenweise guten Regen, und dort ist Weide, aber kein Wasser vorhanden. Dort wo Wasser ist, ist keine Weide“, sagt du Preez. Die Tiere seien viel zu früh aus den Sommerweidegebieten zurückgekommen und haben bereits jetzt – drei, vier Monate vor Beginn der nächsten Regensaison – die Winterweidegebiete abgeweidet. Einige natürliche Wasserstellen, die von artesischen Quellen gespeist werden, sind nur noch Schlammlöcher oder auf dem Wege dorthin, wie Twee Palm und Chudob in der Namutoni-Gegend, oder liefern ungeahnt viel Wasser, wie Rietfontein und Homob in der Halali-Gegend. Bei einigen künstlichen Wasserstellen ist der Grundwasserspiegel so drastisch gesunken, dass nicht mehr ausreichend Wasser geliefert werden kann, vor allem wenn dort immer mehr Elefanten ihren Durst löschen. „Wir verstehen unsere Grundwasserreserven immer noch nicht gut genug, und wie das Wasser der artesischen Quellen und für die Bohrlöcher angefüllt wird“, so der Hauptnaturschutzbeamte des Etosha Nationalparks.

Strauße können in sehr ariden Gegenden überleben, aber derzeit haben es selbst diese Überlebungskünstler schwer etwas Nahrhaftes zu finden, derweil der Wind Staub über die weiten Flächen westlich von Okaukuejo und die Etosha-Pfanne trägt.

„Wir haben vier neue Bohrlöcher in Gebieten geschlagen, in denen Weide vorhanden ist, aber wo Wasser normalerweise nur in der Regenzeit in kleinen Pfannen vorhanden ist“, erläutert du Preez. Zudem sollen bereits vorhandene, bisher ungenutzte Bohrlöcher aktiviert werden, d.h. mit Pumpen und Tränken ausgerüstet werden. Dadurch sollen vor allem Elefanten in diese Gebiete gelockt werden, um den Druck von anderen Wasserstellen zu nehmen und noch vorhandene Weide zu nutzen. Bei Ozonjuitji M´Bari wurde ein weiteres Bohrloch geschlagen, da das vorhandene nicht genügend Wasser für die vielen Tiere liefern konnte.

Im Westen des Parks, wo bereits seit mehreren Jahren Dürre herrscht, mussten Tiere aus Kaross, dem südwestlichsten und abgegrenzten Teil, in andere Gegenden gebracht werden, weil dort zu wenig Weide und Wasser vorhanden ist. Unter den Tieren, die umgesiedelt wurden, sind die fast endemischen  Schwarznasen-Impalas sowie Burchell- und Hartmann-Zebras, die in Namibia als besonders geschütztes Wild klassifiziert sind, und die ebenfalls als geschütztes Wild eingestuften Giraffen.

Während der verheerenden Dürre 1981 wurden nachts über 1000 Tiere der als jagdbar klassifizierten Arten (Springbock, Oryxantilope, Kudu und Warzenschwein) „geerntet“, und tagsüber wurden zahlreiche geschützte und besonders geschützte Arten gefangen und umgesiedelt. So kamen Halbmondantilopen, auch Leierantilope oder Sassaby genannt, sowie Rappen- und Pferdeantilopen in den Waterberg-Plateaupark und weitere  Arten in die östlichen Teile des Etosha-Nationalparks. „Wir werden in der jetzigen Dürre keine Wildernte durchführen und hoffen, die Bestände mit den bereits ergriffenen Maßnahmen und weiteren Planungen zu erhalten“, betont du Preez.

Auf Wasserstellen, in deren Umgebung noch Weide vorhanden ist, lastet enormer Druck – vor allem durch Elefanten. Hier bei Aus befanden sich am Nachmittag des 3. Juli 2019 insgesamt 56 der grauen Riesen sowie einige Kudus, eine Elenantilope und einige Schwarznasen-Impala. Ein ausgewachsener Elefant kann bei einem Besuch an einer Wasserstelle bis zu 150 Liter trinken.

Ein weiteres Problem bestehe darin, das Wild – vor allem Elefanten und Raubtiere – von der Südgrenze des Parks fernzuhalten, da es auf den angrenzenden Farmen zu Konflikten kommt, wenn Dickhäuter auf der Suche nach Wasser die Infrastruktur zerstören und Raubwild Rinder und Kleinvieh reißen. Die größte Herausforderung für die Verwaltung des führenden Nationalparks in Namibia ist jedoch der Mangel an finanziellen Mitteln beim zuständigen Ministerium. „Wir brauchen Pumpen, Solarplatten, Dieselmotoren und Ersatzteile, aber es fehlt an allen Ecken und Kanten. Ich müsste mindestens zehn Solarpumpen im Lager haben, wenn irgendwo an einer der zahlreichen Wasserstellen ein Problem mit den Pumpen entsteht. Aber wir haben keinen Ersatz und dann stehen die Wildtiere tagelang ohne Wasser da, derweil wir versuchen, die Pumpen zu reparieren oder Ersatz zu bekommen“, sagt du Preez. An manchen Wasserstellen werden die ansonsten solarbetriebenen Pumpen nachts von Generatoren angetrieben, um ausreichend Wasser für das Wild zu haben.

Niemand weiß, wann der erste Regen der Saison fallen wird. Ob es ausreichend regnen wird, und ob sich die Weide und die Grundwasserreserven erholen werden, ist ebenfalls nicht vorauszusagen. Bisher sind nur ganz wenige Tiere verendet, aber das Blatt könnte sich wenden.

Für den Besucher ist die derzeitige Trockenheit zum Vorteil, da sich viele Tiere an den Wasserstellen einfinden, um ihren Durst zu löschen. Die großen Herden wiederum locken Raubwild an. Die Wahrscheinlichkeit, Löwen, Geparde und Leoparden zu sehen, ist derzeit größer als sonst, zumal den Raubtieren wegen der spärlichen Vegetation die Deckung fehlt.

Dirk Heinrich

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