Faszinierende Einblicke in die südliche Kalahari und ihre Leoparden

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Leopard im Gondwana Canyon Park
Ein Leopard im Gondwana Canyon Park im Süden Namibias. Foto: Fritz Curschmann

Einen Leoparden in freier Wildbahn zu sehen steht bei den meisten Menschen, die Naturerlebnisse suchen, ganz oben auf der Liste. Der Leopard ist eine einzelgängerische und vorwiegend nachtaktive Raubkatze, die sich nur selten zeigt – das macht es extrem schwierig, sie zu Gesicht zu bekommen.

Schätzen Sie sich glücklich, wenn Sie bei Ihrem Besuch im Kalahari-Gemsbok-Nationalpark auf einen Leoparden stoßen. Der international renommierte Wildtiermanagement-Spezialist Professor Koos Bothma erforscht seit 19 Jahren die Leoparden der südlichen Kalahari.

Nach seiner Schätzung leben im Kalahari-Gemsbok-Park ungefähr 35 Leoparden – also ein Leopard auf fast 300 km². Aber verwunderlich ist das nicht: die Leoparden der südlichen Kalahari haben die für ihre Art größten Reviere der Welt. Bei ausgewachsenen Männchen hat das Revier eine durchschnittliche Ausdehnung von 2.104 km², bei Weibchen sind es 1.258 km². Im Vergleich dazu beträgt die mittlere Ausdehnung im Krüger-Nationalpark, der eine hohe Beutedichte aufweist, lediglich 25 km².

Während zweiwöchiger Feldstudien zwischen Januar 1976 und September 1994 hat Professor Bothma im Rahmen seiner Leopardenforschung zu Fuß und mit dem Fahrzeug in Begleitung von San-Trackern 2.608 km auf der Spur von Leoparden zurückgelegt. Informationen lieferten zudem die Satellitensender an Halsbändern, mit denen Leoparden versehen worden waren.

Zu den faszinierenden Erkenntnissen gehört, dass die Leoparden der südlichen Kalahari wasserunabhängig sind. Der maximale Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Wasseraufnahmen betrug knapp 159 km; zehn Tage waren die maximale Dauer ohne Trinken. Als Nebenprodukt ihrer Stoffwechselprozesse decken Leoparden 5% bis 10% ihres gesamten Wasserbedarfs aus den Körperflüssigkeiten ihrer Beute, insbesondere dem Blut. Außerdem fressen sie Tsamma-Melonen, Gemsbok-Gurken und wilde Gurken, die alle überwiegend aus Wasser bestehen.

Leopard und Pavian
Diese Überraschung aus dem Nichts könnte für den Pavian tödlich enden. Foto: John Dominis

Dank Satellitenortung konnte Professor Bothma feststellen, dass männliche und weibliche Leoparden Kernreviere mit einer Größe von 981 km² bzw. 239 km² haben, und dass es dabei und auch bei der Gesamtausdehnung erhebliche Überschneidungen gibt. Bei den Männchen überschneiden sich die Kernreviere mit 15% bis 61%. Sie halten sich jedoch nie zur selben Zeit im gleichen Revier auf.

Bei rauen Lebensbedingungen wie in der Kalahari ist es nicht verwunderlich, dass die Sterblichkeit unter den Jungen hoch ist, aber es schockiert, dass sie bei 90% und selbst mehr liegt. Wenn eine Leopardin keinen Erfolg bei der Jagd hat oder verletzt wird oder umkommt und nicht zum Säugen zurückkehren kann, verhungern die Jungen. Auch vor anderen Raubtieren sind sie nicht sicher. Das sind die  Hauptursachen für die hohe Sterblichkeit von Leopardenjungen. Leopardinnen haben eine Lebenserwartung zwischen zehn und zwölf Jahren. Wenn ihre Jungen sterben, wird eine Leopardin wieder läufig. So gesehen, sagt Professor Bothma, kann ein Weibchen im Laufe seines Lebens sich selbst und ein erwachsenes Männchen durch die überlebenden Jungen ersetzen.

Der Leopard ist ein opportunistischer Fresser, der mit jeder potenziellen Beute vorliebnimmt. Männchen und Weibchen haben Erfolgsraten von 11% bzw.10% wenn sie sich anschleichen. Wenn sie ihrer Beute hinterherjagen, steigt der Erfolg auf 15% bzw.28%. Leopardinnen mit Jungen haben jedoch eine höhere Erfolgsquote, da sie kürzere Entfernungen zwischen jedem Riss zurücklegen und Jagd auf kleinere und leicht zu erlegende Beute machen – wodurch sich die Überlebenschancen der Jungen erhöhen. Professor Bothmas Forschung ergab, dass der Schabrackenschakal die leichteste Beute ist; im Durchschnitt führen 2,7 Jagdversuche zum Erfolg. Bei Stachelschweinen ist trotz ihrer respektgebietenden Stachelrüstung jede dritte Jagd erfolgreich.

Professor Bothmas Forschungen liefern seltene und faszinierende Einblicke in die Welt dieser unnahbaren großen Katzen. Er ist Autor von mehr als 100 wissenschaftlichen Artikeln und Berichten, die sich zwangsläufig an die wissenschaftliche Gemeinschaft richten.

Glücklicherweise hat er jedoch ein Buch über seine Arbeit veröffentlicht. Written in the Sand (In den Sand geschrieben) wurde kürzlich in Windhoek vorgestellt. Zwar geht es nur in einem Kapitel um seine Leopardenforschung, aber es ist ein spannendes Buch. Er erzählt, wie er 1970 begann, die großen Pflanzenfresser der südlichen Kalahari zu studieren, bevor er sich den Leoparden zuwandte sowie der Entstehung und der Ökologie der südlichen Kalahari, ihrer Naturschutzgeschichte und dem Volk der Kalahari-San.

Buch WRITTEN IN THE SAND
Buchcover von “Written in the Sand”.

Er beschreibt die Härten, denen die Tierwelt der Kalahari ausgesetzt ist, und die Herausforderungen, denen sich Wissenschaftler gegenübersehen, die sich in diese raue Landschaft begeben. Das Buch enthält Geschichten von nahen Begegnungen mit Leoparden, die sich in den Dünen verirrt hatten und im Schlamm festsaßen. Die Fülle an Informationen wird durch Anekdoten, denkwürdige Momente und gewonnene Erkenntnisse ergänzt – beispielsweise, dass Professor Bothmas Fahrzeug nie von einem Leoparden angegriffen wurde, wenn das Tier nicht der Kühlerhaube gegenüberstand.

Das Buch ist für 595 N$ (inkl. MwSt.) in der Buchhandlung Book Den in Windhoek erhältlich.

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