Fischbestände in Gefahr – Netze verbieten

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2017
Tigerfisch Sambesi
Weil die Fischbestände abgenommen haben, fangen die Fischer alles, was sie in die legalen und illegalen Netze bekommen. Normalerweise sind Tigerfische keine Art, die auf dem Markt oder im Kochtopf landet, aber wenn die Buntbarsche ausbleiben, werden Tigerfische zur Beute. Damit wird den Sportanglern, die sich bei den Lodges einbuchen, der begehrteste Fisch genommen.

Legale und illegale Netze bedrohen die Fischbestände in den Grenzflüssen und Stauseen unseres Landes. Zwar gibt es regulierende Gesetze, aber es fehlt an Kontrollen. Schon jetzt leiden Sportangler und die vom Fischfang abhängigen Gemeinschaften unter den schrumpfenden Beständen.

Vor allem am Kavango fordern nicht nur Lodgebesitzer, Sportangler und Fischexperten, dass sämtliche Netze verboten werden, sondern auch die traditionellen Führer, die den Fischfang am Kavango jahrzehntelang streng reguliert haben, befürworten ein Verbot. Auch an den anderen Flüssen – Kwando, Chobe, Linyanti und Sambesi – werden strengere und bessere Kontrollen verlangt. Privatpersonen und -unternehmen haben Fischwächter für einen Abschnitt des Sambesi engagiert. Gehälter und Ausrüstung werden vom Privatsektor finanziert. Ein Seitenarm des Sambesi, der auf namibischer Seite liegt, wurde zum Fischschutzgebiet erklärt. Fischwächter des kommunalen Hegegebietes Sikunga patrouillieren den Seitenarm sowie die namibische Seite dieses Sambesi-Abschnitts und suchen nach verbotenen monofilen Netze und Langleinen. Jeden Monat holen sie etliche Kilometer an illegalen Netzen aus dem Wasser, die hauptsächlich von Sambiern ausgelegt werden.

Fischfang mit Mukoro
Auf ihren Mokoros sitzend werfen die Männer Handleinen aus, um Fische in der Mitte des Sambesi zu fangen.

„Wir haben fast keinen Fisch mehr im Kavango, denn die Bestände wurden durch legale und illegale Netze drastisch reduziert. Die Kavangos beschweren sich, dass Caprivianer kommerziell im Kavango fischen, vor allem während der drei Monate, wenn kommerzielles Fischen im Sambesi untersagt ist“, erklärt der leitende Fischbiologe des Kamutjonga Inlandfischerei-Instituts (KIFI), Dr. Francois Jacobs. Thema seiner Doktorarbeit war „Naturschutzbedingte Ökologie der Tigerfische im Kavango“. Der Kavango heißt in Angola Cubango und in Botswana Okavango.

Für die Fische in Dämmen und Flüssen ist die Abteilung Binnenfischerei des Ministeriums für Fischerei und Meeresressourcen verantwortlich. In bestimmten Gebieten, wie im Bwabwata-Nationalpark und den im Westen angrenzenden Mahango-Nationalpark, ist das Ministerium für Umwelt und Tourismus mit dafür zuständig, dass die Fischbestände geschützt werden und illegales Fischen bekämpft wird. Doch laut Experten sind selbst im Nationalpark die Bestände an Tigerfischen, den verschiedensten Buntbarscharten und Welsen drastisch zurückgegangen. Fischer seien mit ihren Mokoros und Netzen sogar aus dem Nachbarland Botswana illegal in den Park eingedrungen und hätten dort Raubbau betrieben.

Dr. Jacobs plädiert dafür, dass Fischschutzgebiete eingerichtet werden, in denen Fischen und Angeln bis auf wenige Ausnahmen völlig untersagt ist, damit sich die Bestände in solchen zehn bis fünfzehn Kilometer langen Abschnitten ungestört erholen und von dort aus weniger besiedelte Gebiete angefüllt werden können. Die Fischschutzgebiete sollten vom Fischerei- und vom Umweltministerium kontrolliert werden, aber die Verantwortung müsse auch den traditionellen Führern und damit den örtlichen Gemeinschaften übergeben werden.

Namibias Fischbestände in Gefahr
Dr. Francois Jacobs ist Chef-Fischereibiologe des Kamutjonga Inlandfischerei-Instituts (KIFI) am Kavango. Hier betrachtet er eine Fischart, die im Kavango kurz vor dem Mahango-Nationalpark zu finden sind.

Die negativen Auswirkungen auf die Fischbestände werden in diesem Jahr von der Dürre und dem damit verbundenen niedrigen Wasserstand der Flüsse verstärkt. Da die Flussauen nicht unter Wasser stehen, können die frisch geschlüpften Jungfische der meisten Arten nicht in diese flacheren, dichtbewachsenen und meist wärmeren Gebiete gelangen, um dort Schutz und Nahrung zu finden, sondern müssen laut Dr. Jacobs im Hauptfluss bleiben. Das bedeutet weniger Schutz, weniger Nahrung und viel mehr Feinde. Die Auswirkungen seien erst in etwa fünf Jahren zu sehen, wenn diese Generation als geschlechtsreife Tiere fehlt, sagt der Fischexperte.

Die Fischbestände in den Grenzflüssen im Nordosten des Landes sind nicht nur für den Tourismus wichtig, sondern vor allem für die ländliche Bevölkerung. Allein am Kavango sind etwa 24.000 Menschen vom Fischfang abhängig. Ein gesunder Fischbestand fördert einen artenreichen Vogelbestand, der ebenfalls für den Tourismus von Belang ist. Sind weniger Vögel an den Ufern der Flüsse, fehlen den Pflanzen wichtige Nährstoffe, und weniger Pflanzen bedeuten weniger Fische und Vögel.

Dirk Heinrich

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