Angel-Safaris fördern nachhaltiges Fischen

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Angeltour in Namibia
Bei Angeltouren per Boot geht es mit den Gästen auf dem Atlantischen Ozean in der Nähe von Swakopmund hinter die Brandung. Hier können sie verschiedene Brandungsfischarten fangen.

Seit 30 Jahren bietet der begeisterte Sportangler Henry Loubser Angeltouren an. Fische, vor allem Namibias Brandungsarten, liegen dem ehemaligen Elektriker, der bei der Rössing Uran Mine tätig war, besonders am Herzen. Er ist der Meinung, dass wir so gut wie nichts über die Fische an unserer Küste wissen und dass viel mehr intensive Forschung betrieben werden müsste. Henry Loubser geht morgens früh an den Strand, schaut sich das Meer an und weiß, ob es sich an jenem Tag lohnt hinauszufahren. Vor seiner Haustür in Swakopmund kann der erfahrene Brandungs- und Bootsangler an der Farbe des Atlantiks, am Wellengang und an der Wetterlage erkennen, wohin er fahren muss, um seinen Gästen einen aufregenden Tag zu bieten.

Glücklicherweise hat ein Wissenschaftler, Dr. Hannes Holtzhausen, vor etwa 15 Jahren dafür gesorgt, dass Gesetze erlassen wurden, die den Fischfang der Hobbyangler regulieren, sagt Loubser. So dürfen seitdem pro Tag und pro Angler nur noch jeweils zwei Afrikanische Adlerfische, die über 70 cm lang sind, und nur noch zwei Westküsten-Streifenbrassen mit einer Gesamtlänge von mehr als 65 cm mit nach Hause genommen werden. Zudem darf ein Angler täglich nicht mehr als zehn Fische anderer Arten in der vorgeschriebenen Mindestlänge mitnehmen. Dank dieser Reglung ist laut Henry Loubser der Bestand an Afrikanischen Adlerfischen in den vergangenen drei bis vier Jahren wieder auf ein nachhaltig nutzbares Niveau angewachsen.

Henry Loubser
Henry Loubser bietet seit dreißig Jahren Angeltouren an. Der begeisterte Sportangler nimmt auch regelmäßig an Wettbewerben teil.

Zuvor hatten kommerzielle Fischer mit Booten bis zu 5000 Tonnen Afrikanischen Adlerfisch gefangen. Im Laufe der Jahre verringerte sich die Ausbeute wegen des drastisch schwindenden Bestandes auf nur noch 100 Tonnen pro Jahr, und zu jenem Zeitpunkt wurde die kommerzielle Nutzung untersagt. Heute haben nur noch fünf registrierte Hochsee-Motorboote eine Genehmigung für den kommerziellen Fang von Adlerfisch. Bedauerlicherweise ist der Verkauf von Brandungsfischarten nicht verboten und wird nicht kontrolliert, meint Loubser. Jeder Bootsangler darf seinen legal gefangenen Fisch und die maximale Anzahl pro Tag verkaufen.

Henry nimmt fast täglich Gäste aus aller Herren Länder zum Angeln auf dem Boot oder vom Strand aus mit. Die Angeltouren sind sehr beliebt, denn neben den Speisefischen gehen auch Rochen und Haie an den Haken. Dank Henrys fachmännischem Wissen und seiner jahrelangen Erfahrung werden diese Fische wohlbehalten wieder freigelassen.

„Jeder Angler muss jeden Fisch mit Vorsicht und Respekt behandeln“, sagt Loubser. Fische, die zu klein sind, d. h. unter dem Mindestmaß – oder zu groß, wenn man bereits zwei dieser großen Sorte hat – müssen vorsichtig vom Haken genommen werden. Sie dürfen nicht über den Sand geschleift, nicht einfach ins Meer zurückgeworfen und nicht länger als nötig außerhalb des Wassers liegen gelassen werden. Das Gleiche gilt für Arten, die für nicht essbar gehalten werden – wie Hai, Rochen oder Geigenrochen. Fische sterben, wenn sie über den Sand gezogen werden, weil die schützende Schleimschicht abgerieben wird. Ein Fisch ist auch dem Tod geweiht, wenn man ihm in die Kiemen greift – denn dabei werden sie verletzt. Tödliche Folgen hat auch das unbekümmerte „ins Wasser werfen“, weil die Schwimmblase platzen kann.

Fische schlachten
Der Fang der Gäste wird von Henrys Angestellten auf einem dazu vorgesehenen öffentlichen Platz gegenüber dem Fischerei-Forschungsinstitut entschuppt, ausgenommen und gewaschen, damit er fertig zur Zubereitung mitgenommen werden kann. Die Köpfe der Fische dürfen nicht abgetrennt werden, damit Fisch-Inspektoren jederzeit die Länge nachmessen können.

Wer mit Experten wie Henry Loubser angeln geht, lernt und sieht, wie mit Fischen umgegangen werden muss, damit diese wertvolle natürliche, erneuerbare und nachhaltig nutzbare Ressource auch vielen weiteren Generationen erhalten bleibt.

Dirk Heinrich

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