Für einen Marathon nach Namibia

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Lauf durch die Namibwüste bei Swakopmund: Sven Freitag beim Moon Valley Marathon von Gondwana. Foto: Gondwana

Vor sich nichts, links und rechts nichts und hinter sich auch nichts. Kein Baum, kein Strauch, kein Mensch. Marathonläufer Sven Freitag ist allein auf weiter Flur – auf weiter Wüsten-Flur. Nicht beim Training. Sondern bei einem Marathon-Rennen: Beim Moon Valley Marathon zur „Mondlandschaft“ in der Namib-Wüste im Westen Namibias.

Namib heißt auf Khoekhoegowab, der Sprache der Nama, soviel wie „weiter Platz“. Trifft den Nagel auf den Kopf, stellt Sven Freitag bei seinem Lauf fest. Gut, dass er sich für dieses Marathon-Rennen entschieden hat, als seinen ersten Marathon in Afrika. Ein besonderes Erlebnis, ein krasser Kontrast zu den Läufen mit Hunderten oder gar Tausenden Teilnehmern in Deutschland oder sonstwo.

Von Paderborn nach Swakopmund

Sven Freitag stammt aus Paderborn und ist für den Moon Valley Marathon nach Namibia gereist. Nicht nur, aber auch für den Lauf. „Es hat genau gepasst“, sagt der drahtige Ingenieur: „Ich musste bis Ende März überschüssige Urlaubstage vom vergangenen Jahr einreichen und wollte gerne endlich meinen ersten Marathon auf afrikanischem Boden laufen.“

Eigentlich hätte es der Two Oceans Marathon bei Kapstadt sein sollen, der jährlich am Karfreitag stattfindet. Sven hatte alles gebucht, für Ostern 2020. Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung. „Das war bitter“, erinnert er sich. „Und die 150 Euro für die Registrierung wurden mir nicht erstattet.“

Moon Valley statt Kilimanjaro oder VicFalls

Andere namhafte Rennen in Afrika sind der Kilimanjaro Marathon in Tansania und der VicFalls Marathon in Simbabwe. „Ich habe mich auch deshalb für den Moon Valley Marathon entschieden, weil es alles sehr unkompliziert war“, sagt Sven Freitag. „Ich konnte mich kurzfristig registrieren und durfte mein Startgeld sogar erst am Vorabend zahlen, in bar. So bestand kein Risiko, das Geld zu verlieren, falls Corona-mäßig etwas dazwischen gekommen wäre. Und dann natürlich die unkomplizierte Anreise mit dem Direktflug nach Namibia.“

Der „Spar Gondwana Moon Valley Marathon“ vom Strand in Swakopmund zur Mondlandschaft in der Namib-Wüste war nicht nur für Sven Freitag der erste Marathon auf afrikanischem Boden. Sondern auch das erste Marathon-Event für den Organisator, das Tourismus-Unternehmen Gondwana Collection. Es fand am 19. März statt, mit den Distanzen von 42,2 km, 21,1 km (Halb-Marathon) und 10 km. Und mit überschaubaren Teilnehmerzahlen: 29 beim Marathon und jeweils 64 beim Halbmarathon und dem 10-km-Lauf, insgesamt 157.

Also ein international noch unbekannter Marathon. Wie hatte Sven Freitag davon erfahren? „Durch das Internet. Beim Planen meiner Reise stieß ich auf den Moon Valley Marathon. Die Website von Gondwana war sehr informativ, die Event-Organisation antwortete zügig, alles lief wie am Schnürchen.“

Kühlender Nebel statt gleißender Sonne

Und der Marathon selbst? „Ich war ziemlich aufgeregt“, erzählt Sven Freitag. „Vor allem habe ich mich gefragt: Wie heiß wird es in der Namib-Wüste? Wie komme ich mit der Hitze klar? Und dann die Überraschung: Es war neblig und angenehm kühl. Die Sonne kam erst auf den letzten paar Kilometern durch. Ideal zum Laufen!“

Der Start fand nahe dem Strand statt. Um 6.00 Uhr. Im Dunkeln. Sonnenaufgang war gegen 7.00 Uhr. „Ich habe mich an jemanden angehängt, der eine Stirnlampe trug“, erklärt Sven. „Später bin ich im Nebel von der Strecke abgekommen, aber nur kurz, das waren vielleicht 500 Meter Umweg. Nahe der Mondlandschaft ging es steil auf und ab. Das war anstrengend, aber ich habe das gut bewältigen können. Am Ende hatte ich noch viel Luft. Auch wusste ich, dass das letzte Drittel zum Ziel hin leicht abschüssig ist. So habe ich ab Kilometer 28 nochmal das Tempo angezogen.“

Zum Vergnügen statt auf Zeit

Sven Freitag überquerte als Neunter die Ziellinie – von 24 männlichen Teilnehmern. Seine Zeit: 3 Stunden 45 Minuten. „Normalerweise laufe ich unter 3 Stunden 15 Minuten“, sagt er und grinst: „Ich hätte sicherlich schneller sein können. Aber ich bin nicht auf Zeit gelaufen, sondern zum Vergnügen.“

Zum Vergleich: Der Beste brauchte 3 Stunden 6 Minuten, der letzte 5 Stunden 32 Minuten. Übrigens lief auch der Geschäftsführer von Gondwana mit: Gys Joubert kam nach 4 Stunden 57 Minuten ins Ziel. Mehr zum Moon Valley Marathon siehe Bericht von Gondwana; hier die Ergebnisse.

Für Sven Freitag war es der 11. Marathon. Den ersten lief er 2008, mit Langstreckenlauf hatte er im Alter von 15 begonnen. Mittlerweile ist das ein fester Bestandteil seines Lebens: Er läuft rund 2.500 km im Jahr, etwa 50 km die Woche.

Fallschirmspringen und Reiten

Der Marathon zur Mondlandschaft war ein gelungener Auftakt für Svens zwölf-tägigen Namibia-Urlaub. Nächster Punkt auf seiner „Bucket List“: Fallschirmspringen. Dafür war er gleich am richtigen Ort, denn das ist eine der vielen Aktivitäten, die Swakopmund zu bieten hat. Auch eine Tour in die Wüste war angesagt, zu den „Little Five“, dem Gegenstück zu den „Big Five“.

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Wie es sich anfühlt, wenn die Namib-Wüste auf einen zurast? Sven Freitag beim Fallschirmsprung bei Swakopmund. Foto: Ground Rush Adventures Skydive Swakop

Spätestens jetzt sollte klar sein: Sven Freitag ist kein Otto Normalurlauber. „Ich habe Namibia zum ersten Mal 2016 bereist, auf einer Overlander-Tour von Kapstadt nach VicFalls. Seitdem war ich viermal in Namibia. Ich vermeide die Hauptreise-Zeiten und die gängigen Rundreise-Routen.“

Seine nächste Station war Düsternbrook nordwestlich von Windhoek. Zwei Tage auf der Gästefarm die Natur genießen, auf der es nach dem guten Regen besonders grün war. „Dort durch den Busch zu laufen, ist einfach herrlich“, schwärmt Sven und fügt lächelnd hinzu: „Sogar in Gesellschaft: Der Farmhund läuft mit.“

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Reiten auf der Farm: Sven Freitag auf Düsternbrook. Foto: privat

Sieben Tage Etosha – sieben Tage Löwen

Dann folgten sieben Tage Etosha Nationalpark. Mit Mietwagen von Namibia2Go, den Sven in Windhoek übernahm und auch wieder abgab. „Von wegen: ‚Die beste Zeit für Etosha ist die Trockenzeit [von Juni bis Oktober; d. Red.]’… An jedem der sieben Tage habe ich Löwen gesehen. Ok, da ist natürlich auch immer etwas Glück dabei…“

Gegenüber NamibiaFocus zieht Sven Freitag Bilanz: War wieder ein rundum schöner Namibia-Urlaub. – Ob er auch ein sechstes Mal ins Land der endlosen Horizonte kommt? „Die nächsten Reisen gehen wohl erstmal woanders hin. Aber irgendwann komme ich bestimmt nochmal wieder.“

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Nochmal ganz entspannt in der Namib-Wüste: Sven Freitag auf einer Tour zu den „Little Five“ der Tierwelt bei Swakopmund. Foto: privat

 

Autor dieses Beitrags ist Sven-Eric Stender. Er stammt aus Hamburg und lebt seit 1998 in Windhoek. Seit 1986 arbeitet er als Journalist und hat sich auf die Themen Reise, Natur, Menschen und Geschichte Namibias spezialisiert. Für Fragen oder Anregungen ist er zu erreichen unter .

 

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