Geheimnisvoll – die weiteste Tierwanderung Afrikas

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Zebras am Chobe, Namibia
Burchell-Zebras auf den Überschwemmungsebenen des Chobe am namibischen Flussufer. Die Hügelkette im Hintergrund befindet sich in Botswana.

Von den Überschwemmungsebenen des Chobe in Namibia bis zur Nxai-Pfanne im gleichnamigen Nationalpark in Botswana und wieder zurück sind es mehr als 500 Kilometer. Es ist die Wander-Route der Burchell-Zebras, dank Satelliten-Peilsendern ist sie seit einigen Jahren bekannt. Forscher und Naturschützer haben sich immer gefragt, wohin die Burchell-Zebras, im Volksmund Steppenzebras genannt, in der Regenzeit ziehen, wenn nur wenige der bis zu 3000 Zebras in den flachen Uferbereichen des Chobe bleiben.

Kurz vor Beginn der Regenzeit im Jahre 2012 wurden Mitte September auf der namibischen Seite des Chobe und Mitte Oktober an seinem Ufer in Botswana insgesamt acht Burchell-Zebrastuten betäubt und mit Satellitenpeilsendern versehen. Die Forscher Piet Beytell und Pierre du Preez vom namibischen Ministerium für Umwelt und Tourismus arbeiteten an dem Projekt zusammen mit Forschern und Wildtierexperten aus Botswana und des WWF (Robin Naidoo, Mike Chase, Kelly Landen, Greg Stuart-Hill und Russell Taylor). Wenige Wochen später überraschten die mit Sendern ausgestatteten Tiere die Forschergruppe mit ihrer ungeahnten Migration: Die Stuten wanderten zusammen mit ihrer Familiengruppe und weiteren Herden Anfang Dezember innerhalb von sieben bis 19 Tagen mehr als 250 Kilometer weit nach Süden in den Nxai-Pfanne-Nationalpark. Eine der Stuten brauchte mit ihrer Gruppe 37 Tage bis zum Ziel, weil die Herde einen Abstecher in die Seloko-Fläche machte.

kämpfende Zebras, Namibia
Wo zahlreiche Zebras auf engem Raum zusammen sind, kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Stuten oder rivalisierenden Hengsten.

Allem Anschein nach gaben die ersten Regenfälle bei der 250 km entfernten Nxai-Pfanne den Startschuss für die Wanderung nach Süden. Am 21. Februar 2013 wurden während einer Wildzählung per Flugzeug über 1500 Zebras an der Nxai-Pfanne gezählt. Naturschützer und -experten schätzten den Bestand noch wenige Tage zuvor auf über 3000 Zebras. Den GPS-Peilsendern zufolge verweilten die besenderten Tiere zwischen 53 und 96 Tage an der Nxai-Pfanne, bevor sie wieder gen Norden zogen. Eines der Zebras mit Peilsender verendete zu Beginn der Migration nach Norden.

Der Weg der restlichen Zebras mit Peilsender und deren Familienverband dauerte länger als die Wanderung nach Süden und die Distanz war weitaus größer. Da anscheinend ausreichend Nahrung und Wasser auf der Route nach Norden vorhanden war, dauerte die Rückkehr im Durchschnitt 85 Tage, im Zickzack-Kurs wurden zwischen 735 und 1170 km zurückgelegt. Leider fiel danach ein Sender aus und für die nächste Migration waren nur noch sechs besenderte Zebrastuten vorhanden.

Die Zebras verbringen mehrere Wochen auf den Überschwemmungsebenen des Chobe und wechseln durch den Fluss immer wieder von Namibia nach Botswana und zurück. Derzeit befinden sich über 3000 Burchell-Zebra am Chobe sowie zahlreiche weitere große Säugetierarten. Die zweijährige Forschung hat die bisher weiteste Migration großer Säugetiere in Afrika aufgedeckt. Die Zebras des Chobe wandern weiter als die Zebras und Gnus in Ostafrika. Warum die gestreiften Unpaarhufer jedes Jahr den langen Weg von mindestens 500 km vom Chobe zur Nxai-Pfanne und zurück wandern ist ein Geheimnis, denn es gibt ebenso gute Weidegründe auf der 60 km entfernten Seloko-Fläche oder im 100 km entfernten Savuti-Marschgebiet.

Burchell-Zebras, Namibia
Burchell-Zebras auf einer der Überschwemmungsebenen des Chobe auf der namibischen Seite.

Weitere Forschung ist nötig – nicht nur um mehr über diese einmalige Wanderung der Burchell-Zebras zu erfahren, sondern auch um festzustellen, ob andere Tierarten diesen langen Weg zusammen mit den Zebras zurücklegen. Mitte September wurden während einer Wildzählung über 800 Zebras auf den Überschwemmungsebenen östlich des Chobe River Camps registriert.

Dirk Heinrich

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