Hallo Owamboland!

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Owamboland Eselskarre
Der zentrale Norden Namibias hat seinen eigenen Reiz. (Foto: Ron Swilling)

Die Owambo-Regionen im Norden Namibias sind voller farbenfreudiger Kultur, wie sie in anderen Landesteilen nicht anzutreffen ist…

Sobald Sie das King Nehale Tor am nördlichen Rand des Etosha-Nationalparks passiert haben, erreichen Sie die Teerstraße. An der Kreuzung haben Sie die Qual der Wahl. Wie fahren Sie am besten nach Rundu und dann weiter in die Sambesi-Region? Richtung Südosten über Tsumeb und Grootfontein? Oder doch lieber in die entgegengesetzte Richtung über Ondangwa zur B10, die im äußersten Norden dicht an der angolanischen Grenze entlang verläuft? Doch kein Grund für eilige Entscheidungen – das Owamboland ruft.

Erleben Sie einen Tag, der aus dem üblichen Rahmen fällt. Im Owamboland gehen Tradition und Moderne nahtlos ineinander über. Sie können ein herkömmliches afrikanisches Gehöft besuchen und gleich im Anschluss durch eines der neuen Einkaufszentren bummeln, die in den Städten wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Sie bewegen sich zwischen zwei Welten, stampfen mit einem großen Stößel Hirse und kaufen kurz darauf nicht weit entfernt etwas, das der neueste Schrei ist.

Das Owamboland ist die Heimat der Aawambo, der größten Volksgruppe in Namibia. Sie setzt sich aus acht kleineren Oshiwambo sprechenden Gruppen zusammen, von denen einige einen König haben. Die vier Regionen von Owambo bilden einen ausgedehnten Landesteil, der im Norden an den Etosha-Nationalpark grenzt. Sie beginnen alle mit „O“ – Omusati, Oshana, Oshikoto und Ohangwena. Der Name „Owamboland“ hat die Unabhängigkeit überdauert, weil er schon vor der Apartheidsära üblich war.

Charakteristisch für das Owamboland sind bunt bemalte Shebeens (informelle kleine Bars) mit fantasievollen Namen, hohe Makalani-Palmen, Oshana genannte jahreszeitlich bedingte Teiche, Mahangu-Felder, Höfe voller Auto-Ersatzteile und traditionelle Gehöfte. Für Reisende, die Interesse an anderen Kulturen haben, ist das Owamboland eine faszinierende neue Erlebniswelt. Die folgenden Plätze sollten Sie sich unbedingt ansehen:

Nakambale Museum – einstige finnische Missionsstation von 1870

Nakambale in Olukonda in der Nähe von Ondangwa ist immer ein Anziehungspunkt. Unter den ersten finnischen Missionaren, die nach Nord-Namibia entsandt wurden, war Martti Rautanen. Er war maßgeblich an der Übersetzung der Bibel in die Oshindonga-Sprache beteiligt und machte großen Eindruck auf die Menschen dieser Gegend. Das Nakambale Museum befindet sich in der geräumigen alten Missionskirche, die 1889 erbaut wurde. Es strahlt eine besondere Atmosphäre aus und ist voller Geschichte. Die dicken Lehmwände halten den Innenraum kühl. Martti Rautanen und seine Angehörigen wurden auf dem Friedhof neben der Kirche bestattet. Die Leiterin des Museums, Maggie Kanaante, veranstaltet Führungen durch das Dorf und kocht bei vorheriger Bestellung ein traditionelles Essen.

Ovamboland, Nakambale
Das Nakambale Museum ist in einer ehemaligen finnischen Missionsstation untergebracht. (Foto: Ron Swilling)

Wer im Ongula Village Homestead in der Nähe von Ondangwa übernachtet, kann ebenfalls an einer Führung durch das Dorf teilnehmen und zum Abendessen die typischen Speisen probieren.

Ombalantu Baobab

Wenn Sie auf der C46 nach Westen fahren, lohnt es sich, in Outapi beim Ombalantu Baobab Halt zu machen. Dieser mächtige Baum wird als nationales Kulturerbe geschützt. Er ist 1000 Jahre alt und hat einen Umfang von 25 Metern. Um einen Ring um seinen enormen Stamm zu bilden, müssen sich dreizehn Personen mit ausgestreckten Armen an den Händen halten. Im Hohlraum des Stammes suchten Menschen bei Stammesfehden schon in lang vergangenen Zeiten Zuflucht. Später wurde im Inneren zunächst ein Postamt eingerichtet und dann eine Kapelle. Das alte Pult und die Bänke gibt es noch – und auch die geweihte Atmosphäre ist geblieben.

Ombalantu Baobab
Der beeindruckende Ombalantu Baobab ist 1000 Jahre alt. (Foto: Ron Swilling)

Ganz gleich an wie vielen Baobabs Sie vorbeikommen, die erhabene Schönheit dieser Bäume wird Sie immer wieder beeindrucken. Nach der Überlieferung hat Tate Kalunga (Vater Gott) alles Irdische geschaffen: Mann und Frau, die Tiere und die Fische. Als aber die Bäume an die Reihe kamen, war er sehr müde und pflanzte den Baobab, auch Affenbrotbaum genannt, verkehrt herum in die Erde. Deshalb ragen die Äste wie Wurzeln in den Himmel. Doch so bemerkenswert diese Äste auch sind, nichts übertrifft das Gefühl, einmal im Innern eines Baobabs zu sitzen. Definitiv ein Erlebnis, das auf eine Wunschliste gehört und abgehakt werden muss.

Das königliche Gehöft der Uukwaluudhi

Auf der M123 gelangen Sie nach Tsandi, und der Anblick des alten königlichen Gehöfts trifft Sie völlig unerwartet. Es ist ein übliches Owambo-Gehöft, das allerdings auf königliche Ausmaße erweitert wurde – die afrikanische Version eines Palastes und ehemaliger Wohnsitz von Taapopi, dem König der Uukwaluudhi. Das Gehöft ist von einer hohen Palisade aus kräftigen Mopane-Ästen umgeben, es ist in verschiedene abgegrenzte Wohnbereiche unterteilt. Der Grundriss ähnelt einem Labyrinth. Damit wurde einst beabsichtigt, Tiere und Feinde fernzuhalten. Wenn Sie sich ohne kundigen Führer auf den Weg machen, verirren Sie sich garantiert. Eine Führung ist zudem empfehlenswert, weil sie einen unbezahlbaren Einblick in die ehemaligen Wohnbereiche, in das Leben und in die Kultur der Aawambo gewährt.

Kulturerbestätte Ongulumbashe

Von Tsandi geht es weiter nach Ongulumbashe. Diese Kulturerbestätte ist dem Gedenken an den namibischen Befreiungskampf gewidmet. Eine überlebensgroße Statue von Sam Nujoma (Namibias erster Präsident) erhebt sich über der flachen Landschaft. Weitere Bronzestatuen erinnern an den Platz, an dem am 26. August 1966 der bewaffnete Kampf gegen die Apartheid begann, nachdem die südafrikanische Polizei den bewaffneten Flügel der SWAPO (South West African People Organisation) attackiert hatte.

Ongulumbashe
Die Kulturerbestätte Ongulumbashe ist dem namibischen Freiheitskampf gewidmet. (Foto: Ron Swilling)

So erleben Sie das farbenfrohe Owamboland hautnah

Kehren Sie in eine Shebeen ein und mischen Sie sich unter die Einheimischen, die dort zum Feierabend ein gutes namibisches Bier aus der Flasche oder einen Becher Selbstgebrautes trinken;

Schlendern Sie über einen Markt unter freiem Himmel;

Kaufen Sie am Straßenrand ein knallrosa gestreiftes Owambo-Kleid;

Nehmen Sie an einer Dorfführung teil;

Kosten Sie einheimische Speisen wie Mahangu-Brei (Perlhirse), Hühnchen und Spinat, beträufelt mit Marula-Öl. Und falls Sie es wagen, probieren Sie gegrillte Mopane-Raupen, eine besondere Owambo-Delikatesse!

Halten Sie Ausschau nach Kalahari-Trüffeln, die köstlich nussigen afrikanischen Trüffeln, die in der Regenzeit an den Verkaufsständen angeboten werden;

Kaufen Sie einen geschickt geflochtenen Korb aus Makalani-Palmwedeln; Korbflechten ist eine uralte Tätigkeit, die seit Generationen ausgeübt wird.

Achten Sie auf die Daten für die wichtigsten Kulturfestivals: das Marula-Festival, mit dem im Mai die Bedeutung dieser goldenen Frucht in der Owambo-Kultur gefeiert wird – und Olufuko im August, der Initiationsritus für junge Mädchen.

Lassen Sie sich zu einer Oshiwambo-Hochzeit einladen – ein Fest, das sieben Tage dauert!

Ron Swilling

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