Hereros und Namas gedenken ihrer Ahnen

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Hereros und Namas gedenken ihrer Ahnen

Die Stimmung ist ernst und feierlich. Sie schreiten durch die vielen Reihen mit kleinen Sandhügeln, unter denen ihre Vorfahren vor über einem Jahrhundert begraben wurden. Die langen Röcke der bunten Hererokleider berühren den Sand des ehemaligen „Eingeborenenfriedhofs“. Zwei Himbafrauen in traditionellen Lederröcken begleiten sie.

Hunderte namenlose Gräber am Nordufer des Swakopriviers in Swakopmund sind stumme Zeugen der ehemaligen Gefangenenlager aus deutscher Kolonialzeit. Die Lager wurden während des Herero- und Nama-Aufstandes 1904 bis 1908 eingerichtet.

„Wir sind hergekommen um Euch, unsere Ahnen, anzurufen“, spricht einer der älteren Männer. Er ist niedergekniet, umringt von Stammesführern der Herero und Nama. „Ihr habt gelitten, Euer Schmerz ist auch unser Schmerz“, sagt er. Nach diesen Worten begibt sich die Gruppe von etwa 600 Vertretern beider Sprachgruppen auf den Friedhof. Sie halten an jeder der drei Gedenkstätten, die vor einigen Jahren errichtet wurden und legen Kränze nieder.

Die Aufstände

Die beiden Volksgruppen versammelten sich am 25. März 2017 in Swakopmund, um ihre Vorfahren zu würdigen, die vor über 100 Jahren unter widrigsten Umständen in den Gefangenenlagern gestorben sind.

Durch Händler und Siedler hatten sie – oft unter dubiosen Umständen – einen Großteil ihres Landes verloren. Eine schlimme Rinderpest vernichtete ihre Rinderherden. Gründe für den Herero-Aufstand, der am 12. Januar 1904 unter ihrem Stammesführer Samuel Maharero begann. Nach einer unentschiedenen Schlacht am Waterberg (Otjozondjupa) acht Monate später am 12. August zogen die Hereros ihre Kämpfer ab und wanderten nach Osten ins ehemalige Betschuanaland. Einige zogen nach Norden und fanden Schutz unter den Owambos.

Viele Hereros starben in diesen wasserlosen Gebieten. Sie wurden von Soldaten der Schutztruppe verfolgt.

Im Oktober 1905 begann der Nama-Aufstand unter Stammesführer Hendrik Witbooi.

Gefangenenlager

Die Kolonialregierung richtete in Windhoek, Lüderitzbucht und Swakopmund Lager ein. Gefangen genommene Hereros und Namas, darunter auch Frauen und Kinder, mussten Zwangsarbeit leisten. Das raue Küstenklima und die fast nur aus Reis bestehende Nahrung schwächte sie, tausende Gefangene starben. Die Lager wurden Mitte 1908 geschlossen. Die vielen namenlosen Gräber verschwanden im Laufe der Zeit, nur in Swakopmund sind viele Gräber sichtbar geblieben.

Vor zehn Jahren beschlossen die Hereros und Namas, eine jährliche Gedenkfeier in Swakopmund abzuhalten. Dazu gehört seit 2006 auch ein sogenannter Entschädigungsmarsch durch die Hauptstraße des Ortes, der am Friedhof endet.

Vor einigen Jahren wurden die mehreren hundert Gräber von einer Mauer umgeben. Durch eine Privatinitiative deutschsprachiger Einwohner hat die Stadtverwaltung dann die Trennungsmauer abgerissen, die bisher die Gräber der Weißen von denen der Schwarzen trennte.

Die Hereros und Namas errichteten auf dem Friedhof drei Gedenkstätten: eine großes Kreuz mit einigen Sitzen davor, einen Gedenkstein mit einer Inschrift, die an die verstorbenen Gefangen von 1904 bis 1908 erinnert, und einen Totem-ähnlichen Pfahl, der Rinderhörner symbolisiert.

Gedenken

„Swakopmund ist für viele Menschen ein schöner Urlaubsort, wo man den Strand, die Dünen und Kulinarisches aus dem Atlantik genießen kann“, sagt Festus Muundjua. Er gehört der Ovaherero-Genozid-Stiftung an. „Für uns ist Swakopmund der Ort, wo unsere Vorfahren unter schlimmsten Bedingungen in Gefangenenlagern lebten und in Ketten Zwangsarbeit verrichten mussten. Manche von ihnen wurden auf Schiffe geladen und nach Kamerun und Togo gebracht, sie kehrten nie zurück“, sagt Muundjua. Es wurde daher beschlossen, das Augenmerk für das Gedenken auf Swakopmund zu richten. Die Feier fand dieses Jahr zum zehnten Mal statt.

Forderung nach Entschädigung

2004 wurde der hundertste Jahrestag der Schlacht am Waterberg, genauer gesagt bei Ohamakari ganz in der Nähe, begangen. Seitdem hat die Herero-sprechende Gemeinschaft wiederholt eine Entschuldigung von der Bundesrepublik Deutschland sowie Entschädigung gefordert. 2015 gaben beide Regierungen bekannt, dass sie je einen Sondervermittler ernannt haben. Die offiziellen Verhandlungen begannen Anfang 2016.

Brigitte Weidlich

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