In Namibias Süden sind interessante Museen zu entdecken

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Keetmanshoop Museum
Das Museum in Keetmanshoop ist in einem Kirchengebäude untergebracht. Foto: Museums Association of Namibia

Reisen durch Namibia führen oft zu Entdeckungen unerwarteter verborgener Schätze – was man in kleinen Dörfern nicht immer erwarten würde. Einige von ihnen haben kleine private Museen, die auf jeden Fall einen Besuch wert sind. In unserem dritten Artikel über Museen in Namibia reisen wir nach Süden, um mehr über Diamantenjäger zu erfahren, eine Geisterstadt, die zu einem eigenen Museum geworden ist, ein versunkenes Segelschiff, ein Wasserschloss und historische Gebäude, die heute Artefakte aus der Vergangenheit zeigen.

Keetmanshoop Museum in einem Kirchengebäude

Auf dem Weg von Windhoek nach Keetmanshoop, etwa 500 km südlich, sollten Sie nach 90 km in Rehoboth Halt machen und dort das private Museum besuchen (siehe unsere Geschichte über Museen in Zentral-Namibia).

Die regionale Hauptstadt der Karas-Region, Keetmanshoop, ist auch die größte Stadt im Süden Namibias und eine der ältesten – fast zwei Jahrhunderte alt. Hier wurde eine ehemalige Kirche in ein Museum umgewandelt.

In den 1860er Jahren begann die Rheinische Missionsgesellschaft Deutschlands hier zu arbeiten und verbreitete das Evangelium unter den Einheimischen. Der erste Missionar, Johann Georg Schröder, kam am 14. April 1866 in Keetmanshoop an. Die Station wurde nach dem deutschen Händler und Direktor der Rheinischen Missionsgesellschaft, Johann Keetmann, benannt, der die Missionsstation auch finanziell unterstützte.

Die rheinische Missionskirche wurde von den einheimischen Nama mit Ziegeln und lokal vorhandenen flachen Steinen errichtet, nachdem das ursprüngliche Kirchengebäude 1890 vom Aub weggeschwemmt worden war. Die neue Kirche wurde vor 125 Jahren am 8. Mai 1895 eingeweiht.

Sie wurde 1978 zum Denkmal erklärt. In der Zwischenzeit wurde eine neue und größere Kirche gebaut. Später wurde beschlossen, die ehemalige Kirche in der Sam Nujoma Avenue in ein Museum umzuwandeln.

Das Museum informiert nicht nur mit Dokumenten und Fotos über die Geschichte der Stadt, sondern enthält auch Exponate der Naturgeschichte und stellt landwirtschaftliche Geräte aus vergangenen Zeiten aus. Ferner ist die Nachbildung einer traditionellen Nama-Hütte, der “| haru om” zu sehen.

Neu seit 2016 ist die „Nama Pride Exhibition“. Der Museumsverband von Namibia (MAN) und Bewohner der Nama-Gemeinschaft habe diese Ausstellung zusammengestellt. Sie zeigt die reiche Geschichte dieser Sprachgruppe und ihrer legendären historischen Führer wie Jonker Afrikaner und Hendrik Witbooi.

Das Schmelen-Haus von 1814 in Bethanien

Abhängig von Ihren Reiseplänen können Sie sich dann entscheiden, weiter nach Süden in die Grenzstadt Noordoewer zu fahren und von dort westlich auf einer guten Teerstraße entlang des Oranje-Riviers nach Oranjemund, wo sich ein weiteres Museum befindet. Von dort können Sie nach Norden bis Lüderitzbucht und nach Kolmanskuppe fahren. Von hier führt eine gute Teerstraße zurück nach Keetmanshoop. Es gibt drei weitere Museen im Süden Namibias, eines in Bethanien, ein Freilicht-Landwirtschaftsmuseum in Helmeringhausen und das berühmte Schloß Duwisib in der Nähe von Maltahöhe.

Schmelen-Haus Bethanien
Das Schmelen-Haus in Bethanien wurde 1814 errichtet. Foto: Peter Gallert

Sie können auch direkt von Keetmanshoop nach Westen in Richtung Küste über Bethanien fahren, wo sich das Schmelen-Haus befindet, ein kleines Museum. Verpassen Sie nicht die Abzweigung nach Bethanien westlich von Keetmanshoop mit grauen Steinmauern und historischen Gebäuden, die an vergangene Tage erinnern.

Weiter von hier aus finden Sie das Dorf Aus und den Aussichtspunkt zum Beoachten der berühmten Wüstenpferde. Wenn Sie weiterfahren, erreichen Sie Kolmanskuppe und Lüderitzbucht.

Bethanien befindet sich in der Nähe eines örtlichen Brunnens, der „Uiǂgandes“ genannt wird, und schon früher den verschiedenen Nama-sprechenden Clans in der Region bekannt war.

1814 schickte die London Missionary Society den deutschsprachigen Missionar Heinrich Schmelen dorthin, der aus Pella, einem Dorf in der Nähe des Oranje-Riviers in Südafrika, ankam. Seine Frau Zara sprach Nama und spielte später eine entscheidende Rolle bei der Übersetzung der Bibel in die Nama-Sprache.

Die Schmelens kamen mit einem Ochsenwagen an und begannen 1814 sofort mit dem Bau eines winzigen Hauses aus Lehmziegeln und Natursteinen. Es gilt weithin als das erste Steinhaus im europäischen Stil in Namibia. Es ist jetzt über 200 Jahre alt und wurde inzwischen in ein kleines Museum umgewandelt. Innen können einige historische Geräte besichtigt werden. Die Besucher sind gewöhnlich erstaunt über diese bescheidene Unterkunft, wo der Missionar 14 Jahre lang gearbeitet und zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern gelebt hat.

Aufgrund verschiedener Umstände verließen sie Bethanien 1828. Die Missionsstation blieb über ein Jahrzehnt lang verwaist und wurde nicht benutzt. 1840 übernahm die Rheinische Missionsgesellschaft das Gelände und baute neben dem Schmelen-Haus eine Kirche.

Lüderitzbucht ist ein Besuch wert

Dieses interessante Privatmuseum in der Hafenstadt stellt die Stadtgeschichte, einige Erinnerungsstücke der deutschen Kolonialzeit und den Diamantenabbau vor. Der erste Diamant wurde 1908 in der Nähe von Lüderitzbucht gefunden.

Das Museum informiert auch über die Tier- und Pflanzenwelt in der Umgebung.

Museum Lüderitzbucht
Das Museum in Lüderitzbucht von innen. Foto: Museums Association of Namibia

Kolmanskuppe – eine Geisterstadt ist Museum

Nur wenige Kilometer außerhalb von Lüderitzbucht liegt eine verlassene Bergbaustadt, die langsam von Wüstensand heimgesucht wird – Kolmanskuppe. Die Geisterstadt ist wie ein Freilichtmuseum. Kein Wunder, dass viele Filmteams die alten Villen als Kulisse nutzen. Kolmanskuppe verfügt über eine Kegelbahn und einen großen Tanzsaal.

Als die Diamantenvorkommen abnahmen, schwand der große Reichtum der heutigen Geisterstadt und sie wurde 1956 endgültig aufgegeben. Dieses Freilichtmuseum ist für die Öffentlichkeit zugänglich, Besucher benötigen jedoch eine Genehmigung, die in Lüderitzbucht erhältlich ist

Freilichtmuseum in Helmeringhausen

Etwa 200 km nordöstlich von Lüderitzbucht liegt Helmeringhausen. Man muss auf der Straße nach Keetmanshoop an der Kreuzung der Nationalstraßen C14 Goageb – Walvis Bay und C13 (Rosh Pinah – Helmeringhausen) und der Straße D414 (Aus – Mariental) abbiegen. Oft wird der Ort als Durchfahrtsdorf bezeichnet, wo Reisende in dem kleinen Laden Vorräte kaufen und an der Tankstelle für die Weiterfahrt Sprit tanken. Aber – Helmeringhausen hat ein Museum!

Das Freilichtmuseum zeigt verschiedene landwirtschaftliche Geräte vergangener Tage und weckt bei vielen Besuchern nostalgische Erinnerungen. Es befindet sich in der Hauptstraße im Gartenbereich neben dem Hotelgebäude. Der Farmerverein Helmeringhausen gründete es 1984. Dort fand auch das alte Feuerwehrfahrzeug aus Lüderitzbucht seine letzte Ruhestätte.

2013 wurde ein Unterstand errichtet, um die Exponate vor Witterungseinflüssen zu schützen. Das Museum wurde 2019 geschlossen, aber die Eigentümer haben kürzlich angekündigt, dass es bald wiedereröffnet wird.

Duwisib – ein Schloss in der Wüste

Ein unerwarteter Anblick in der kargen Landschaft des Südens ist das Schloß Duwisib in der Nähe von Maltahöhe.

Der deutsche Aristokrat und Militäroffizier Kapitän Hans-Heinrich von Wolf aus Dresden, der in das damalige deutsche Südwestafrika entsandt wurde, ließ das Schloss bauen. Während seines Heimaturlaubs 1907 heiratete er die Tochter eines US-Diplomaten, Jayta Humphrey. Sie ließen sich in Südwestafrika nieder, kauften eine Farm und gründeten ein Gestüt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 beendete das idyllische Leben des Paares im Schloss Duwisib. Das Schloss wurde in den 1970er Jahren Staatsbesitz, später wurde es zum Nationaldenkmal erklärt und in ein Museum umgewandelt. Heute fungiert es interessanterweise auch als Hotel mit fünf Gästezimmern.

Schloss Duwiseb
Schloss Duwisib bei Maltahöhe ist jetzt ein Museum. Foto: Dirk Heinrich

Bergbaugeschichte in Oranjemund

Das Sperrgebiet-Museum von Oranjemund liegt im Tsau-Khaeb-Nationalpark (ehemals Sperrgebiet-Nationalpark). Die Diamantenstadt wurde 1936 gegründet und befindet sich im Sperrgebiet, einem wegen des Diamantenabbaus verbotenen Gebiets. Erst seit 2018 öffnete Oranjemund seine Tore und Reisende können diese Stadt in der Namib-Wüste nahe der Mündung des Oranje-Riviers ungehindert besuchen.

Das “Oranjemund Sperrgebiet Museum” befindet sich im Haus des ersten Diamanten-minenmanagers, Herrn Jasper. Einige Einheimische bezeichnen es heute noch als “Jasperhaus”, wenn man nach dem Weg zum Museum fragt.

Es beherbergt Diamantgrabmaschinen aus dem frühen Diamantenrausch, Fotos und handgezeichnete Karten ehemaliger Diamantenfelder. Haushaltsgegenstände aus Pioniertagen und allgemeine Informationen zur Geschichte von Oranjemund können ebenfalls eingesehen werden. Im Garten lädt ein Café zum Sitzen und Entspannen ein.

Es gibt Pläne, ein neues Museum zu errichten, aber mit einem besonderen Zweck: 2008 machten Arbeiter in den Diamantenabbaugebieten am Strand in der Nähe der Stadt eine sensationelle Entdeckung: das Wrack eines 500 Jahre alten Segelschiffs mit einem Schatz aus Goldmünzen, Gewehren, Elfenbein und vieles mehr. Der Fund erregte internationale Aufmerksamkeit. Die Diamantenfirma Namdeb, eine Tochtergesellschaft von De Beers, plant den Bau eines Museums, das der Geschichte des portugiesischen Handelsschiffs aus dem 16. Jahrhundert gewidmet sein soll – einer Karavelle. Dies würde den Tourismus für Oranjemund erheblich ankurbeln.

Brigitte Weidlich

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