Kalter Benguela-Strom an Namibias Küste bringt Fischreichtum

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Heaviside-Delfin, Namibia
Heaviside-Delfine bei Lüderitzbucht. Foto: Lüderitz Marine Research

Die namibische Küste ist bekannt für ihren Fischreichtum und das ist einem kalten Meeresstrom zu verdanken, der nahe dem Festland von Süden nach Norden verläuft. Der Benguela-Strom und sein marines Ökosystem fasziniert viele Wissenschaftler und soll bald zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt werden.

Der Fischreichtum lockt tierische Jäger wie Robben, Meeresvögel und Raubfische an. Auch Wale werden wieder an namibischen Küstengebieten gesichtet, nachdem sie durch Walfang fast ausgerottet waren. Auf den kleinen Inseln vor der Küste sind sogar Pinguine zu finden.

Auch Namibias Fischereisektor mit rund 16,800 direkten Arbeitsplätzen profitiert von dem Benguela-Strom. Im Haushaltsjahr 2018-2019 hat das Fischereiministerium Fangquoten von insgesamt 505.646 Tonnen Fisch vergeben. Der Fischereisektor trägt etwa N$10 Milliarden (etwa 622 Millionen Euros) zu Namibias Wirtschaft bei. Seetransporte durch die beiden Häfen Walvis Bay und Lüderitzbucht sowie der Abbau von Diamanten und auch künftig Öl, Gas und anderer Mineralien sind wichtige Industrien.

Hafen von Lüderitzbucht
Der kleine Hafen von Lüderitzbucht an Namibias Südküste gehört zu den Touristenattraktionen. Foto: NamPort

Der kalte Strom vom Südpol

Der kalte Benguela-Strom wird von antarktischen Gewässern im südlichen Atlantischen Ozean gespeist, die vom südlichsten Punkt Afrikas, dem Kap der Guten Hoffnung nordwärts bis zum Äquator fließen. Die Abkühlung der Lufttemperatur durch den Benguela-Strom verhindert aufsteigende feuchte Luft auf dem Ozean, was wiederum Windströmungen verursacht, bekannt als stetiger Südwestwind. Unter der Oberfläche des Atlantik sorgen Wissenschaftlern zufolge regelrechte Berge nahe an der Küste dafür, dass der Benguela-Strom sehr nahe an Namibias Küste vorbeifließt. Das Tempo der Strömung liegt Messungen zufolge zwischen 16 und 40 Kilometer pro Tag.

Benguelastrom vor Namibias Küste
Illustration: Benguela-Strom. (Wikimedia)

Der Benguela-Strom ist deshalb eine Hauptursache für die Existenz der Namib-Wüste und des rauhen Küstenklimas, mit sehr niedrigen Regenfällen. Gleichzeitig ist der Benguela-Strom aber sehr reich an Sauerstoff und daher auch Zooplankton, davon werden Fischschwärme angezogen. Wegen des Reichtums an Plankton und anderen Nährstoffen folgen große Fischschwärme dem Strom und machen Südafrika und Namibia zu begehrten Fischgründen dieser Erde.

In Höhe des Äquators geht der Benguela-Strom in den atlantischen Süd-Äquatorial-Strom über, der seinerseits mit seinem warmen Wasser den Golfstrom und den Brasilstrom speist.

Schutz und nachhaltige Nutzung

Bis zu Namibias Unabhängigkeit 1990 haben südafrikanische und andere internationale Fangschiffe die Fischgründe regelrecht leergefischt. Die neue Regierung hat daher schnell Maßnahmen ergriffen und den Fischfang gesetzlich geregelt. Die Einhaltung der zugeteilten Fangquoten wird streng kontrolliert.

Im Jahr 2007 wurde mit den Nachbarstaaten Angola und Südafrika die Benguela Current Commission (BCC) gegründet um den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Artenvielfalt der marinen Ökoregion des Benguela-Stroms zu gewährleisten. Das Sekretariat der BCC hat ihren Sitz in Namibia. Im März 2013 haben die drei Mitgliedsstaaten die Benguela Current Convention (BCC) unterzeichnet. Es ist ein bahnbrechender Vertrag für den Schutz und die nachhaltige Nutzung des kalten Stromes. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit wird über die GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) von 2014 bis 2020 ein Schutzprojekt durchgeführt.

Walvis Bay, neuer Containerterminal
Der Container Terminal in Walvis Bay wurde im August 2019 in Betrieb genommen. Foto : NamPort

2015 haben die Regierungen von Angola, Namibia und Südafrika die Benguela-Strom-Konvention ratifiziert. Damit erkennen die drei Länder ihr grenzüberschreitendes Naturkapital an und fördern die Bewirtschaftung des gemeinsamen Ökosystems. Ziel ist es, eine ganzheitliche Vision zu verwirklichen: Das sozio-ökonomische Entwicklungspotential des Meeresraums soll so genutzt werden, dass alle Industriezweige und die Gesellschaften der Länder nachhaltig davon profitieren können. Das Projekt unterstützt die nachhaltige Meeresnutzung des Benguela, indem es eine maritime Raumplanung umsetzt. „Ziel ist es, die richtige Aktivität am richtigen Ort stattfinden zu lassen, um die Entwicklung der maritimen Wirtschaft der Region nachhaltig zu fördern, damit Mensch und Umwelt davon profitieren“, beschreibt die GIZ das Projekt. Besonders schützenswerte Naturgebiete, die sogenannten „ökologisch oder biologisch bedeutsamen Meeresgebiete“ werden identifiziert. Für jedes der drei Mitgliedsländer wird ein mariner Raumplan entwickelt.

Der Benguela-Strom bald ein UNESCO-Welterbe

Die drei Länder sind dabei, den aktuellen Stand der menschlichen Nutzung in ihren Planungsgebieten auszuwerten. Das marine Ökosystem des Benguela-Stroms steht seit Ende Oktober 2016 auf der Tentativliste Namibias zur Ernennung als namibisches Welterbe. Die Tentativliste ist eine Vorschlagsliste für zukünftige Nominierungen zur Aufnahme in die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt.

Der Antrag wurde im März des Jahres gestellt. Als Begründung haben die namibischen Behörden angegeben, dass zwischen 34° S und 15° S von der südafrikanischen Küste bis zur geopolitischen Grenze zwischen Namibia und Angola die Ökosystem-Standorte des Benguela ein großes marines Ökosystem darstellen.

„Das Ökosystem zeichnet sich durch eine hohe Produktivität aus und wird durch die Benguela-Erhebung [Englisch: upwelling] definiert“, lautet der Antrag. „Der Benguela-Strom wird von den vorherrschenden südöstlichen Passatwinden des Südatlantiks angetrieben. An der Küste des eigentlichen Benguela-Stroms werden Küstenaufwinde gebildet, die das Benguela-Aufwindsystem bilden, das wichtigste befindet sich vor der Küste von Lüderitzbucht.“ Mit diesem Auftriebsgebiet ist ein Meeresschutzgebiet in Namibia entlang der südlichen namibischen Küste und den angrenzenden Inseln verbunden. Das Aufsteigen von kaltem, nährstoffreichem Wasser aus einer Tiefe von etwa 200 m bis 300 m führt zu hohen Wachstumsraten des Phytoplanktons, die das Benguela-Ökosystem unterstützen. Die Intensität von den Auftrieben wird durch die Windstärke bestimmt.

Artenvielfalt ein wichtiger Faktor

Pinguine, namibische Küste
Pinguine auf der Halifax-Insel bei Lüderitzbucht. Foto: Stadtverwaltung Lüderitzbucht

Hauptsächlich die Küsteninseln Mercury Island, Ichaboe, Halifax und Possession Island beherbergen die gesamte namibische Brutpopulation von Kap-Tölpeln (Morus capensis), 96 % der namibischen Population des vom Aussterben bedrohten afrikanischen Pinguins (Spheniscus demersus) und fast ein Viertel der Weltbevölkerung von gekrönten Kormoranen (Phalacrocorax coronatus). Ungefähr 80 % der Weltbevölkerung einer weiteren vom Aussterben bedrohten Kormoran-Art (Phalacrocorax neglectus) brütet auf den Merkur- und Ichaboe-Inseln. Diese verschiedenen Seevögel brüten auf den Inseln, von denen aus sie kilometerweit auf Futtersuche ins Meer vordringen, bevor sie zurückkehren. Allein auf Mercury Island mit einer Fläche von drei Hektar leben schätzungsweise 16.000 Pinguine, 1.200 Kap-Tölpel und 5.000 Kormorane.

Der endemische Heavisides-Delfin (Cephalorhynchus heavisidii) und eine beträchtliche Anzahl von Walarten sind regelmäßig auf See anzutreffen. Große Kolonien von Kap-Pelzrobben (Arctocephalus pusillus pusillus) kommen in der Nähe von Auftriebszentren entlang der Küste vor, unter anderem bei Lüderitzbucht, Kreuzkap und Cape Frio. Fast 70 % der Weltbevölkerung dieser Robbenart (eigentlich Seebären) leben in diesen namibischen Kolonien.

Pelzrobbe, Namibia
Pelzrobben fangen gewöhnlich Fische in tieferen Stellen des Atlantik. Diese Robbe fing den Geigenrochen jedoch am Strand bei Lüderitzbucht. Foto: Lüderitz Marine Research

Es ist noch nicht bekannt, wann die UNESCO ihre Entscheidung zu Namibias Antrag, das maritime Ökosystem des Benguela-Stroms zum Welterbe zu erklären, bekannt gibt.

Brigitte Weidlich

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