Kapriolen der Natur – Melanismus und Leuzismus

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Gabarhabicht melanistisch
Es ist keine Seltenheit, einen schwarzen Gabarhabicht zu sehen. Experten zufolge sind es meist weibliche Vögel dieser Art, die nicht das übliche grauweiße Gefieder haben.

Die Natur hat ihre Launen … Es ist nicht ungewöhnlich einen schwarzen Gabarhabicht zu sehen, einen weißen Rotzügelmausvogel entdeckt man jedoch sehr selten. Bis zu 25 Prozent der Gabarhabichte sind schwarz, d. h. melanistisch. Warum das so ist, weiß die Wissenschaft nicht. Ein Rotzügelmausvogel mit rein weißem Federkleid  und der arttypischen roten Haut um die dunklen Augen kommt dagegen sehr selten vor. Schwarze – melanistische – Formen gibt es auch bei anderen Raubvögeln, wie dem Ovambosperber (bis zu 2 Prozent des Bestandes). Weiße – leuzistische – Individuen tauchen bei verschiedenen Vogelarten nur vereinzelt auf.

Ebenso selten sind rein schwarze oder rein weiße Säugetiere. Im Etosha-Nationalpark sind einige teil-melanistische Burchells-Zebras zu finden. Sie sind nicht ganz schwarz, sondern weisen einige wenige weiße Streifen und Flecken auf. In der Namutoni-Gegend wurde vor einigen Jahren ein fast reiner leuzistischer Schwarznasen-Impala gesehen. Das ausgewachsene weibliche Tier hatte braune Haare in dem ansonsten weißen Fell. Auch die üblicherweise schwarzen Färbungen am Hinterteil und auf der Nase waren noch zu erkennen.

Schwarzes Zebra
Eines der sogenannten schwarzen Zebras im Etosha-Nationalpark. Immer wieder sind dort teil-melanistische Burchells-Zebras zu sehen. Dank dieser besonders auffälligen Tiere können die Wanderungen ihrer Familienverbände und Herden beobachtet werden.

Leuzismus ist nicht mit Albinismus zu verwechseln. Leuzistische Tiere haben keine roten Augen. Leuzismus ist eine harmlose Defekt-Mutation, die dazu führt, dass das Fell oder die Federn weiß sind und die darunterliegende Haut rosa ist. Die Haut enthält in diesem Fall keine Melanozyten, also keine pigmentbildenden Zellen. Im Gegensatz dazu sind diese Zellen beim Albinismus zwar vorhanden, aber unfähig, den Farbstoff Melanin zu bilden. Beim Leuzismus kann der Mangel an Farbstoff  am gesamten Körper des Tieres oder nur an bestimmten Stellen in Erscheinung treten. Dann sind vereinzelte Federn oder Flecken auf dem Fell weiß, derweil der Rest des Körpers die normale Farbe hat. In Windhoek sind einige Senegaltauben beobachtet worden, die am ganzen Körper einige weiße Flecken oder einzelne weiße Handfedern haben.

Melanismus ist die Dunkelfärbung von u. a. Haut, Haaren, Federn oder Schuppen durch Melanine. Melanismus kann ererbt sein oder durch erhöhte Sonneneinstrahlung, größere Luftfeuchtigkeit, niedrigere Temperaturen und andere Faktoren entstehen. Das weltweit bekannteste melanistische Tier ist der schwarze Panther, ein Jaguar.

Schwarznasen-Impala leuzistisch
Eine fast weiße Schwarznasen-Impala Ricke im dichten Busch bei Namutoni im Etoscha-Nationalpark. Erstaunlicherweise hat es das auffallend helle Tier geschafft, das Erwachsenenalter zu erreichen, obwohl es sich als Jungtier nicht auf die natürliche Tarnung seiner Art verlassen konnte.

Den meisten Tieren kann die Abweichung von ihrer normalen Färbung zum Verhängnis werden, da sie im Gegensatz zu normal gefärbten Artgenossen nicht gut getarnt sind. Ein weißer Vogel oder ein weißes Säugetier fällt in seiner Umgebung auf, so auch ein schwarzes Tier in einer hellen Landschaft. Bei Raubvögeln kann Melanismus jedoch ein Vorteil sein, wenn sie sich in schattigen Baumkronen verstecken, von wo aus sie auf Beutejagd gehen.

Besonders auffallend war ein fast weißer Schwarzhalstaucher, der mit seinen fast schwarzen Artgenossen bei den Salzfeldern in Walvis Bay herumschwamm. Der Vogel hob sich deutlich von den anderen ab, die im Brutkleid waren.

Dirk Heinrich

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