Kein Skorpion und keine echte Spinne

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Geißelspinne
Die zwei großen, mit dornartigen Auswüchsen bespikten Scheren erinnern an einen Skorpion. Deshalb werden sie in Englisch auch Schwanzlose Geißelskorpione genannt. Mit den Scheren greifen und überwältigen sie ihre Beute.

Beim ersten Anblick sehen sie furchterregend aus. Denn sie kombinieren zwei Tierarten, vor denen sich viele Menschen unnötigerweise fürchten und ekeln: Spinnen und Skorpione. Zwei sehr lange „Fühler“, zwei mit mehreren dornartigen Auswüchsen bestückte Zangen und ein Körper und lange Beine wie eine Spinne. Im Englischen werden diese Krabbeltiere auch „Schwanzlose Geißelskorpione“ genannt. In Wirklichkeit handelt es sich um völlig harmlose Geißelspinnen, von denen es weltweit über 200 Arten gibt. 

Ihre langen „Fühler“, die wie Geißeln (Peitschen) aussehen, sind eigentlich die Vorderbeine. Sie geben dem Tier seinen Namen: Geißelspinne. Geißelspinnen gehören zu den Spinnentieren, sind aber keine echten Spinnen obwohl sie acht Beine haben. Sie haben jedoch keine Giftzangen und Giftdrüsen, und sie können keinen Faden spinnen. Mit ihren Zangen greifen und überwältigen sie ihre Beute, meist Insekten oder Spinnentiere, und fressen sie mit Hilfe ihrer Kauwerkzeuge bei lebendigem Leibe. 

Die meisten Geißelspinnenarten leben in tropischen und subtropischen Gebieten, denn sie bevorzugen Feuchtigkeit. Laut Prof. Lorenzo Prendini, der in New York am American Museum of Natural History für die Abteilung Spinnentiere zuständig ist, kommen in Namibia fünf Geißelspinnenarten vor. Sie leben dort, wo ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist: in Höhlen, Spalten und in der Nähe von Quellen. Bisher gibt es keine englischen oder deutschen Namen für diese Arten. 

Geißelspinne Schlettwein
Dieses Exemplar der Geißelspinnenart Damus variegatus war eines der ersten, das seinen Weg in das Nationalmuseum fand. Finanzminister Calle Schlettwein hatte es im August 1974 an der Ngoma-Brücke im Nordwesten des Landes gefunden. Er war damals als Entomologe beim Direktorat Wasserwesen tätig.

Xerophrynus machadoi kommt im ehemaligen Damaraland in der Kunene-Region vor, derweil Phrynichodamon scullyi in der Naukluft und weiter nach Süden bis zum Orange gefunden worden ist. Damon gracilis ist an mehreren Stellen im Kaokoveld entdeckt worden, und Damon sylviae kommt in den nördlichen und zentralen Landesteilen vor. Eines der ersten Exemplare der Art Damon variegatus wurde im August 1974 in der Sambesi-Region auf der namibischen Seite der Ngoma-Brücke über den Chobe gefunden. Der Finder der Geißelspinne, Finanzminister Calle Schlettwein, war damals als Entomologe im Direktorat Wasserwesen (heute NamWater) tätig. Er übergab die Geißelspinne dem Nationalmuseum in Windhoek. Eine Nachfrage ergab, dass sie dort immer noch aufbewahrt wird, zusammen mit weiteren Exemplaren dieser Art. 

Prof. Prendini teilte mit, dass sehr wenig über die Geißelspinnen in Namibia bekannt ist. Niemand weiß wie lange sie leben, wann und wie oft sie sich paaren und welche Beutetiere auf ihrem Speiseplan stehen. Viele Namibier haben die urtümlich aussehenden Geißelspinnen noch nie gesehen. Der heiß ersehnte Regen nach langer Dürre hat jetzt einige der Tiere aus ihren Verstecken gelockt. Unser Exemplar wurde Anfang Januar 2020 auf der Gästefarm Bambatsi entdeckt. Es hat eine Körperlänge von 20 Millimetern, der eine Fühler (das Vorderbein) misst 80 mm und die uebrigen Beine sind etwa 32 mm lang. Der zweite „Fühler“ ist nach dem ersten Glied amputiert. Prof. Prendini zufolge handelt es sich wahrscheinlich um ein Exemplar der Damon sylviae, die auch südlich, östlich und nordwestlich von Windhoek vorkommen soll. Auf einer Farm in der Nähe von Bambatsi wurde wenige Tage später eine weitere Geißelspinne im Waschbecken gefunden und im Busch freigelassen. 

Geißelspinne
Geißelspinnen sind sehr flache nachtaktive Spinnentiere, die in Felsspalten, unter loser Baumrinde abgestorbener Bäume und in Baumhöhlen sowie Höhlen leben. Wenig ist über die fünf Arten bekannt, die in Namibia vorkommen.

Das Nationalmuseum in Windhoek nimmt gerne Exemplare für die Sammlung entgegen, so Benson Muramba von der Abteilung Spinnentiere des Museums. Exemplare sollten in Ethanol eingelegt werden und zusammen mit Angaben zum Fundort, GPS-Koordinaten, dem Namen des Finders, Datum, und einer Beschreibung von Habitat und Zustand der Geißelspinne abgegeben werden. Statt Ethanol kann notfalls auch Gin verwendet werden. 

Dirk Heinrich 

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