Khaudum: Im Würgegriff der Dürre

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Khaudum, Elefanten
Während des Tages kommen hauptsächlich große Elefantenbullen einzeln oder in kleinen Gruppen zum Wasser. Die Familienverbände folgen meist erst gegen Sonnenuntergang und bei Einbruch der Dunkelheit. Dann tummeln sich bis zu hundert Elefanten gleichzeitig an der Wasserstelle.

Kein Wasser für die Tiere, Treibstoffmangel für Pumpen und Fahrzeuge, Mangel an Finanzen, Mangel an Personal und schwieriges Gelände: das sind die Herausforderungen, mit denen die Naturschutzbeamten im Khaudum-Nationalpark im Nordosten des Landes zu kämpfen haben. Aber immer wieder gelingt es ihnen Sponsoren zu finden, um das so wichtige Wasser für die mehr als 3000 Elefanten, unzähligen Antilopen, Raubwild und Vögel pumpen zu können.

Unter normalen Umständen sind die meisten Elefanten bis auf wenige alte Bullen kurz nach Beginn der Regensaison verschwunden. Die Dickhäuter ziehen in Gebiete nördlich, südlich und manchmal auch westlich des Parks sowie über die Ostgrenze nach Botswana, da sie im Busch ausreichend Wasser in den nun gefüllten Pfannen verschiedener Größe finden. Auch Antilopen nutzen die Gebiete außerhalb des 3842 km² großen Parks, der nur auf der Ostseite Zäune hat und 55 Kilometer Zaun im Westen. Im Khaudum-Nationalpark können sich in Abwesenheit der Dickhäuter von Dezember bis Juli/August die Vegetation und die Wasserstellen, bzw. die Grundwasserreserven, mit Hilfe des Regens erholen. Die durchschnittliche Regenmenge dieses Parks in der südöstlichen Ecke der Kavango-Ost-Region liegt bei 400 bis 600 mm pro Saison.

Khaudum Nationalpark
Frühmorgens trauen sich Streifengnus und Pferdeantilopen in großer Zahl an das lebenswichtige Nass. Beim kleinsten Anlass flüchten die Tiere und beobachten aufmerksam die Umgebung, bevor sie sich wieder an den Rand des Wassers trauen.

In der vorigen Regensaison wurden nur maximal 200 mm Regen registriert. Die Pfannen im Park und in der Umgebung füllten sich nicht mit Wasser – die Elefanten blieben gezwungenermaßen im Park. Anstatt drei oder vier Monate lang Wasser für die Tiere zu pumpen, muss das Umweltministerium bereits seit 15 Monaten die Wasserversorgung sicherstellen. Kosten, die nicht im Haushalt vorgesehen waren. Es gibt zwölf künstliche Wasserstellen und zwei natürliche Quellen in Khaudum. Unter normalen Umständen füllen Solarpumpen problemlos die Tränken an den künstlichen Wasserstellen. Die Hitze macht jedoch allen ungewöhnlich zu schaffen: den Tieren, den Pumpen, den Fahrzeugen und der übrigen Ausrüstung.

Neben den vielen anderen Tieren kommen täglich hunderte von Elefanten an die Wasserstellen, um ihren Durst zu löschen und um sich abzukühlen. Die Temperaturen liegen jetzt bei über 40˚C. Unkontrollierte Buschfeuer, die aus Botswana und von Farmen im Westen in den Park eindrangen, haben zur Folge, dass es noch heißer und schwieriger für alle Lebewesen ist. Es fehlt an Nahrung, der verkohlte Boden heizt noch mehr auf; es gibt kaum Schatten, weil Blätter verbrannt oder verwelkt sind. Die Tiere müssen weite Strecken zurücklegen, um etwas Fressbares zu finden. Die Vegetation war infolge der Dürre ohnehin schon sehr spärlich und wurde von den Flammen restlos vernichtet.

Um den Wasserbedarf der Wildtiere zu decken, müssen die elektrischen Pumpen nachts von Notstromaggregaten angetrieben werden. Das bedeutet, dass die Naturschutzbeamten jeden Tag durch dicken weichen Sand zu den Wasserstellen fahren müssen, um die Aggregate mit Treibstoff aufzufüllen und zu starten. Nach 1000 Betriebsstunden müssen die Aggregate zur Wartung nach Windhoek gebracht werden. In dieser Zeit müssen Ersatzgeräte zur Verfügung stehen.

Khaudum Naturschutzbeamte
Naturschutzbeamte kontrollieren die Wasserstelle, öffnen verstopfte Rohrleitungen und schauen nach, ob ausreichend Wasser gepumpt wird.

Leon Boye ist eng mit dem Khaudum-Nationalpark verbunden seit sein Unternehmen die Bauaufsicht führte, als vor einigen Jahren die neuen Einfahrten, Büros und Angestelltenunterkünfte beim Khaudum- und beim Sikeretti-Tor errichtet wurden. Jetzt ist er seit Monaten bemüht, den Naturschutzbeamten zu helfen. Er organisierte eine Wildzählung, bei der die Teilnehmer sämtliche Kosten selbst trugen und zusätzlich Treibstoff für die Stromaggregate mitbrachten. Elf Wasserstellen wurden 72  Stunden lang von Freiwilligen betrieben. Verschiedene Sponsoren, auch aus den USA, finanzierten weiteren Treibstoff, um Pumpen und die Fahrzeuge der Parkverwaltung am Laufen zu halten.

Wo es geht, macht das Umweltministerium Gelder locker, um der Notsituation zu begegnen. Alle warten auf Regen, der den Druck auf Tier, Mensch, Parkverwaltung und Ausrüstung vermindern würde. Bis die ersten guten Regenfälle niedergehen, muss mit wenig allerdings noch viel erreicht werden.

Dirk Heinrich

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