Klein-Aus Vista: Die artenreichste Wüste der Welt

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Wilde Pferde der Namib
Die wilden Pferde der Namib streifen durch die weiten Ebenen in der Umgebung von Garub. Foto: Teagan Cunniffe

Wenn der Nebel von der kalten Küstenlinie aufsteigt und weit ins Inland kriecht, und der Wind aus dem Landesinneren ihn zurückdrängt, ergibt sich bei Sonnenuntergang ein unvergleichbares Farbenspiel. Der Künstler dieses Gemäldes scheint großzügig mit dem Wasser umgegangen zu sein – ein kostbares Gut in dieser sonst so trockenen Region. Mit jedem neuen Strich verändern sich die Farben und fließen harmonisch ineinander, um eine andere Art von Magie zu erzeugen. Der Umriss des Berges verschwindet dort, wo der Himmel mit der Landschaft verschmilzt. Ein Meisterwerk.

Noch faszinierender ist, dass dieser Nebel die Lebewesen und Pflanzen in dieser Gegend am Leben erhält. Willkommen im Gondwana Sperrgebiet Rand Park, der an den Tsau//Khaeb (Sperrgebiet) Nationalpark grenzt. Er ist für seine Geschichten und Legenden aus der Zeit des Diamantenfiebers bekannt. Die Diamantenfunde haben dazu geführt, dass das Gebiet seit 1908 für die Öffentlichkeit geschlossen ist. Eines ihrer weniger bekannten Merkmale ist ihr Reichtum an Flora und Fauna.

Sonnenuntergang
Foto: Gondwana Collection

Das Sperrgebiet beherbergt mit seinen Granitbergen, trockenen Flussbetten und grenzenlosen Ebenen die artenreichste Wüste der Erde, an die im Osten die Nama Karoo und im Norden die Namib-Wüste grenzen. Das Ökosystem selbst wird als Sukkulentenkaroo bezeichnet und wurde als einer der 25 Biodiversitäts-Hotspots der Welt gelistet. Der Critical Ecosystem Partnership Fund (CEPF) wählt einige der biologisch vielfältigsten und dennoch bedrohtesten Regionen unseres Planeten aus. Nachdem sie diese Region – die Sukkulentenkaroo, die sich bis nach Südafrika erstreckt – als einen der 25 Biodiversitäts-Hotspot weltweit identifiziert hatte, entwickelte die Organisation eine auf 20 Jahre angelegte Schutz- und Entwicklungsstrategie, die 2003 in Kraft trat.

Laut CEPF ist die Vegetation in der Sukkulentenkaroo im Vergleich zu anderen Hotspots relativ intakt. Bei der außergewöhnlich vielfältigen und einzigartigen Flora sind 40 Prozent der Arten endemisch. Es wird jedoch erwartet, dass der Klimawandel in den kommenden Jahren schwerwiegende Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben wird.

Aktivitäten für Jedermann

Freiheitssuchende, Mountainbiker, Wanderer, Camper, Naturliebhaber und alle, die einfach nur eine Pause brauchen, suchen Zuflucht an diesem atemberaubenden Ort. Wenn es um Wander- und Mountainbike-Routen geht, sind Sie bei Klein-Aus Vista gut aufgehoben. Es stehen drei Routen zur Auswahl: zwei lange (30 bis 40 Kilometer) und eine kurze (etwa 5 Kilometer). Die längeren Wege sind eine echte Herausforderung, da sie meist nur aus schmalen Einspurpfaden durch die herrliche Landschaft bestehen.

Achten Sie darauf, unterwegs anzuhalten, um den Duft der Blumen zu genießen. Dafür müssen Sie vielleicht etwas aufmerksamer schauen, denn die Blumen in dieser Gegend fallen nicht immer durch ihre Größe auf. Aber – sie sind zu finden! Ich war erstaunt über eine winzige violette Blume, die inmitten eines felsigen Geländes ohne jede andere Vegetation wuchs. Obwohl der Wind an ihr zerrte und die Sonne sie versengte, schien sie zu gedeihen. Während ich nach unten schaute, fragte mein Reisebegleiter neckisch: “Haben Sie Diamanten gefunden?“ Warum sollte ich nach Diamanten suchen, wenn ich einen viel wertvolleren Schatz finde? In dem Moment wurde mir klar, dass meine Lieblingsblumen diejenigen sind, die an unerwarteten Orten wachsen.

Wilde Pferde bei Garub
Die wilden Pferde bei Garub. Foto: Gondwana Collection

Klein-Aus Vista befindet sich im Südwesten Namibias außerhalb von Aus, wo eine der letzten Wildpferdepopulationen der Welt umherstreift. Sie sind zu einer so großen Attraktion geworden, dass am Wasserloch von Garub ein Aussichtspunkt errichtet wurde, um die Ausflüge der Besucher so angenehm wie möglich zu gestalten. Nicht weit entfernt liegt das historische Küstenstädtchen Lüderitzbucht mit seinen weltberühmten meeresfrischen Austern und anderen Delikatessen. Die Geisterstadt Kolmanskuppe gibt Reisenden einen Einblick in die Zeit des Diamantentrauschs.

Unterkünfte auf Klein-Aus Vista

  • Wenn Sie das Desert Horse Inn betreten, dann empfängt Sie eine Atmosphäre, die dem Wilden Westen gleicht. Im Mittelpunkt des gesamten „Look-and-feel“ stehen die wilden Pferde der Namib.
  • Die Eagle’s Nest Chalets bieten exklusive Sonnenuntergänge im Breitwandformat und warten auf diejenigen, die Komfort und Ruhe allein zu zweit suchen.
  • Geisterschlucht Cabin ist ein rustikaler Zufluchtsort für Selbstversorger und eignet sich ideal für Familien oder Freundesgruppen.
  • Der Campingplatz ist sehr beliebt und bietet ein völliges Eintauchen in die Natur.
Klein-Aus Vista Desert Horse Inn
Klein-Aus Vista Desert Horse Inn Foto: Gondwana Collection

Alle Besucher können im Restaurant „Desert Kitchen” eine köstliche Mahlzeit genießen. Hier trifft Namibia auf Italien mit einer Vorspeise aus hausgemachtem Mieliepap (Maisbrei)-Ravioli mit Spinatfüllung und Kürbissoße. Wie wäre es als Hauptgericht mit einem Oryx-Lendensteak, verfeinert mit einer „Namibian Kiss“-Rotweinsoße, serviert mit süßen Basilikum-Karotten und Couscous? Und das i-Tüpfelchen ist der „Diamonds and Dust”-Nachtisch aus hausgemachter Eiscreme ohne Ei, aber mit Maismehl-Streuseln. Die Speisekarte wechselt jeden Abend, so dass die Wahl jedes schmackhaften Gerichts nur der Anfang einer verlockenden kulinarischen Reise ist.

Klein-Aus Vista Desert Horse Inn
Foto: Gondwana Collection

Ich kenne einen Ort, an dem ein gezähmtes Herz durch eine ungezähmte Wildnis galoppiert, mit dem Wind durch die weite Landschaft schwebt und erstaunt ist, was die Natur in einer so trockenen Region hervorbringen kann.

Annelien Murray

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