Mein Namibia

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Sossusvlei, Namibia

Die Tatsache, dass ich in Namibia aufwuchs und bereits in jungen Jahren die Vielfalt an Landschaften und seine beeindruckenden Weiten erfahren und lieben gelernt habe, ließ mich stets glauben, dass es nirgends einen anderen Ort mit auch nur annähernd vergleichbaren Naturwundern geben könnte. Inmitten des roten Dünenmeers der Kalahari und dem bestechend klaren Nachthimmel, der hier zu bewundern ist, dem Tierreichtum im Norden und den starken Kontrasten des Südens, entfaltete sich in mir eine Liebe zu Namibia.

Und doch hatte ich das Bedürfnis, wie viele junge Namibier, all dies hinter mir zu lassen, auf der Suche nach neuen Herausforderungen, hinein ins Ungewisse. Allein der Gedanke daran, in einer neuen und ungewohnten Umgebung zu wohnen, Menschen kennenzulernen, deren Leben anders aussah als meines und deren Geschichten ich noch nie zuvor gehört hatte, faszinierte mich. Mir schien eine baldige Rückkehr nach Namibia in weite Ferne gerückt.

Obwohl ich diesen Schritt ins Neue nie bereut habe, wurde mir erst nach meiner Rückkehr bewusst, dass mich eine gewisse Sehnsucht nach Namibia für eine lange Zeit begleitete. Still und heimlich schleicht sich das Land ins Herz und lässt es nicht mehr los… Man vermisst seine Pracht und die Harmonie der naturnahen Momente, die man hier erlebt…

Namibia

Wie sich das Herz erwärmt, wenn man aus dem Flugzeug steigt und die Füße auf namibischen Boden treffen.

Das Gefühl, das einen durchströmt, wenn man den Duft des sanften Regens riecht, der in der Mittagshitze fällt.

Die Melodien der verschiedenen Sprachen, die an belebten Straßenecken gesprochen werden.

Der Tanz der lebhaften Farben, wenn die Sonne ihrem täglichen Lauf über unberührte Landschaften folgt – ein jeder Sonnenaufgang und Sonnenuntergang schöner als der vorige.

Nach neun Jahren im Ausland, machte ich mich auf den Weg zurück in die Heimat und damit begann ein Abenteuer, bei dem mich dieses Land erneut verzauberte und mir viele Perspektiven bot. Ich bekam die Möglichkeit, Namibia weiter zu erkunden und mir seine unnachahmliche Schönheit neu offenbaren zu lassen.

Bwabwata Nationalpark, Namibia

Somit begann eine Reise mit Gondwana Collection Namibia, ein Tourismusunternehmen, dessen Herz und Seele ganz und gar namibisch ist. Zusammen mit einem Filmteam erkundeten wir in meinen ersten Monaten hier die nordöstlichen wasserreichen Teile des Landes. Obwohl Namibias faszinierender Norden schon immer zu meinen Lieblingsgebieten gehörte, war diese Reise voller unerwarteter Momente und hinterließ ewig währende Eindrücke. Wir trafen auf eine Elefantenherde, die in der Abenddämmerung im Bwabwata-Nationalpark graste, während sich um sie herum im Licht der untergehenden Sonne der Staub langsam legte. Wir bestaunten die satten Farben des Sambesi-Flusses – die Luft mit dem Duft von Seerosen erfüllt. Während die Welt stillstand, sahen wir ehrfürchtig zu, wie die Natur aufatmete, und die Leidenschaft, die ich in meiner Jugend für diesen einzigartigen Teil der Welt empfunden hatte, erblühte erneut in mir. Die bekannten Landschaften, die auf keiner Reiseroute in Namibia fehlen, waren nicht wiederzuerkennen ohne die üblichen Besucherströme.

Kurz danach gingen wir auf einen weiteren Roadtrip, auf dem wir den Süden erkundeten: Sossusvlei, Aus und Lüderitz. Als ich inmitten der weißen Salztonpfanne des Dead Vleis stand, einem visuellen Schauspiel mit den bizarren, uralten Kameldornbaum-Skeletten, verspürte ich ein altbekanntes Gefühl – ein Gefühl tiefer Zuneigung und Wertschätzung für dieses alte Land, seine Natur und seine besonderen Menschen. Wir prosteten uns zum Sonnenuntergang auf einer Düne zu, vor uns eine unendliche Dünenlandschaft. Wir rochen die Düfte tausender kleiner Blumen, die sich nach dem leichten Winterregen in den Bergen von Aus in violetten, gelben und blauen Teppichen ausbreiteten. Staunend standen wir vor der Naturgewalt des Felsbogens von Bogenfels im Sperrgebiet.

Aus-Berge, Namibia

Mit jeder sich verändernden Landschaft tauchte ich voll Bewunderung ein in eine wieder neue Facette Namibias. Die Wunder der Natur und neue Erfahrungen an entlegenen, oft unberührten Orten gaben mir das Gefühl einer tiefen Erfülltheit, und das alles innerhalb der Grenzen meines eigenen Landes. Ich blieb stehen und schloss die Augen, lauschte aufmerksam nach irgendwelchen Geräuschen oder deren Abwesenheit, ließ die Stille auf mich wirken und ein unerklärliches Gefühl von Freiheit über mich hineinbrechen. In diesen Momenten spürte ich zum ersten Mal, wie das Gefühl der Sehnsucht in meinem Herzen verschwand.

Es sind diese Momente, die mir sofort in den Sinn kommen, wenn jemand über Namibia spricht. Momente, die von einer stillen Dankbarkeit erfüllt sind. Obwohl das Leben stressig ist und wir in vielerlei Hinsicht, einschließlich unseres Denkens, Gewohnheiten unterworfen sind – oft fokussiert auf irgendwelche Missstände in unserem Land – nehmen Sie sich einen Moment Zeit. Zeit, um hinter diese Fassade zu blicken und Ihre Gedanken in das Namibia Ihrer Träume zurückkehren zu lassen.

Daniela Diekmann

1 KOMMENTAR

  1. Liebe Frau Diekmann
    ich als Europäerin kann ich vollkommen verstehen, mich hat Namibia seit 2016 nicht mehr losgelassen.
    Die grenzenlose Freiheit, die hilfsbereiten Menschen, die Natur und Tierwelt, ist mit keinem anderen Land vergleichbar. Die Reisen beschränken sich berufsbedingt immer auf 3 Wochen so ab dem 22.12. bis Mitte Jänner. Ich bin vor einem Monat wieder zurückgekehrt und plane schon wieder die nächste Tour, denn wie sie gschrieben haben, in Gedanken bin ich immer in diesem wunderschönen Land. beste Grüße aus Österreich Ingrid Maier

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