Mysteriöse Metallkugel vom Himmel gefallen

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Metallkugel vom Himmel, Namibia
Diese Metallkugel landete im Nordwesten Namibias. (Foto: Namibia Forensic Science Institute)

Es war vier Tage vor Weihnachten und Saure-Gurkenzeit für Zeitungen in Namibia. Die Verlagshäuser hatten es schwer, etwas Berichtenswertes zu finden, als eine plötzliche Einladung der nationalen Polizei-Leitstelle in Windhoek mit einem Schlag alles änderte. Sie kündigte eine Pressekonferenz über ein „unbekanntes Objekt“ an, das im Norden Namibias gelandet war.

Erstaunt über die große Anzahl Reporter – jeder Medienvertreter, der was auf sich hielt, war anwesend – ließ der stellvertretende Polizei-Chef die sprichwörtliche „Bombe“ platzen: „Ein unbekanntes Objekt in Form einer Metallkugel von knapp einem Meter Durchmesser ist vom Himmel auf die Erde gefallen und in einem ländlichen Gebiet bei Outapi in der Omusati-Region gelandet“, sagte er. Das Objekt sei untersucht worden und berge keine Gefahr.

„Ich übergebe nun das Wort an den Direktor des Instituts für forensische Wissenschaften (der Polizei), Dr. Paul Ludik.“ Aller Augen richteten sich auf Ludik, die Kameras klickten, Kugelschreiber wurden gezückt und Aufnahmegeräte gestartet.

„Dorfbewohner und Polizisten einer Polizeistation in der Nähe hatten etwa drei Kilometer von der Aufschlagstelle einige Explosionen gehört. Fünf Tage später wurde das Objekt gefunden. Es hat einen Durchmesser von 1,1 Meter, ist hohl, oben und unten etwas abgeflacht und wiegt sechs Kilogramm“, sagte der Forensik-Experte.

Unglaublich! Eine Kugel war vom Himmel gefallen und ausgerechnet in Namibia aufgeschlagen. Die Sensation war perfekt – und natürlich berichtenswert!

„Das Objekt wurde in der Nähe des Dorfes Onamatango bei Outapi gefunden, etwa 750 km nordwestlich von Windhoek“, verlas Ludik die Presserklärung. „Weder Menschen noch Tiere kamen zu Schaden, das Objekt ist auf einer kleinen offenen Fläche gelandet. Nachdem die Dorfbewohner die Polizisten informiert und diese den Vorfall nach Windhoek gemeldet hatten, wurden Forensiker dorthin geschickt“, erklärte Ludik.

„Wir fanden die Einschlagstelle im weichen Sand – etwa 33 cm tief und 3,8 Meter breit – knapp 18 Meter von der Metallkugel entfernt. Die Kugel misst 35 cm im Durchmesser und scheint aus zwei Hälften zu bestehen die aneinander gelötet wurden. Die Metall-Legierung des Objekts ist der Menschheit bekannt“, sagte Ludik etwas mysteriös.

Mehr wollte er nicht verraten, obwohl es Fragen hagelte. „Können wird die Kugel  sehen und fotografieren? Kann man sie anfassen? Ist sie Teil einer Rakete, eines Satelliten oder einer Raumstation?“, wollten die Reporter wissen.

Nein, die Himmelskugel sei an einem sicheren Ort und könne der Presse nicht gezeigt werden – erst zu einem späteren Zeitpunkt, hieß es. „Wir haben uns mit der NASA (National Aeronautics and Space Administration) in den USA und der europäischen Raumfahrtbehörde ESA in Verbindung gesetzt“, so der Forensik-Chef.

Ludik fügte hinzu, er habe über das Internet herausgefunden, dass in den letzten etwa 25 Jahren ähnliche Metallkugeln auf die Erde niedergefallen seien, darunter in Australien, Latein-Amerika und im südlichen Afrika.

Das von der Polizei zur Verfügung gestellte Foto zeigte einen faszinierend aussehenden „Himmelskörper“, wie eine riesige Christbaumkugel, die Farbe beige-grau.

Sobald die Presseberichte über den Fund am gleichen Tag über Internetplattformen ‘rausgingen, verbreiteten sie sich in Windeseile weltweit. Es war eine schöne bunte Meldung kurz vor Weihnachten, die die Fantasie der Leser anregte. Namibia stand im medialen Rampenlicht. Sogar die Washington Post widmete dem Ereignis eine kurze Meldung, wenn auch mit dem ernüchternden Hinweis, dass des Öfteren Kugeln vom Himmel auf Mutter Erde fallen.

Das stimmt, aber jede Landung verursacht dort, wo sie sich ereignet, eine Sensation – und etwas Panik bei den Einwohnern der Umgebung. Die Metallkugel war in Namibia im November 2011 gelandet, der Presse und damit der Öffentlichkeit aber erst am 21. Dezember mitgeteilt worden.

Kugeln könnten Tanks von Satelliten sein

Scott Hull zufolge, einem Experten für Weltraum-Schrott in Maryland in den USA, ist die in Namibia gefundene Kugel möglicherweise aus Titanium und hat daher den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überstanden. Es wird vermutet, dass der Sphärenkörper ein Hydrazin-Tank einer unbemannten Rakete war, wie sie für den Start von Satelliten verwendet werden.

Elf Jahre zuvor wurde im April 2000 in Südafrika eine ähnliche Kugel wie die in Namibia gefunden, sie war um einiges größer und wog 32 Kilo. Ein Junge, Theodore Solomons, der auf einer Farm bei Worcester in der Kapprovinz lebte, hatte sie dort gefunden. Es wurde festgestellt, dass sie aus Titanium war. Einen Tag später schlug eine zweite Kugel auf, knapp 50 km außerhalb von Kapstadt. Astronomen vermuteten, dass die Kugeln Teile eines auseinanderfallenden Satelliten waren.

Metallkugel, Südafrika
Theodore Solomons (Foto) hat diese Metallkugel auf einer Farm bei Worcester im Westkap, Südafrika im April 2000 gefunden. (Foto: Enver Essop)

2007 wurde eine stark verbeulte Metallkugel in Australien gefunden und Ende desselben Jahres schlugen gleich drei runde Himmelskörper im Südosten von Spanien auf. Sie ähneln stark denen in Australien und Südafrika. 2008 fiel eine weitere Kugel in Brasilien vom Himmel. Ende 2011 sorgte das in Namibia gefundene Metallobjekt für Aufregung.

Vor nicht allzulanger Zeit, im Januar 2016, untersuchte das Militär in Vietnam gleich drei Himmelskugeln, deren Aufschlag im Norden die Dorfbewohner in Angst und Schrecken versetzt hatte. Zwei runde Metallobjekte wurden in der Jen-Bai-Provinz am 2. Januar 2016 gefunden und wenige Tag später ein drittes, das auf einem Maisfeld einschlug und 45 Kilogramm wog. Jedesmal hatten die Dorfleute kurz vorher ein mehrfaches Knallen gehört.

Übrigens wurde der in Namibia gefundene Himmelskörper – trotz Versprechen der Polizei – nie der Presse gezeigt. Das Objekt liegt wahrscheinlich wohlverwahrt in der polizeilichen Asservatenkammer in Windhoek oder wurde vielleicht stillschweigend an die NASA in Houston, Texas geschickt.

Brigitte Weidlich

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