Nächtliche Bootsfahrt zu Fischeule, Nachtreiher und Co.

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Curts Fischeulenpirsch
Die Fischeule wird selten gesichtet, da es in Namibia wahrscheinlich nur noch 120 dieser großen nächtlichen Raubvögel gibt. Zudem kommen sie nur im Nordosten vor – an Flüssen, deren Ufer dicht mit hohen Bäumen bestanden ist.

Ein besonderes Erlebnis ist es, Namibias größte Eule zu sehen die Fischeule, auch Bindenfischeule genannt. Dieser scheue und bedrohte Raubvogel kommt nur am Kavango im Bwabwata- und im Mahangu-Nationalpark vor, am Kwando, Linyanti und Chobe sowie am Sambesi, wo große dichtbelaubte Bäume die Ufer säumen. Wie der Name schon sagt, ernährt sich diese Eule von Fischen, aber sie fängt auch Frösche und kleine Krokodile. 

Curt  Sagell, Eigentümer der Caprivi Houseboat Safari Lodge in der Nähe von Katima Mulilo in der Sambesi-Region, bietet als einziger nächtliche Bootsfahrten an, um die Fischeule zu finden und zu beobachten. Das gelingt dem Vogelkenner tatsächlich auf fast jeder dieser Fahrten, außer bei Vollmond und den zwei bis drei Tagen davor und danach. Manchmal findet sich die über zwei Kilogramm schwere Eule auch bei der Lodge ein und sitzt in dem beleuchteten Baum am Anlegeplatz. 

Curts Fischeulenpirsch
Sehr selten werden Weißrücken-Nachtreiher gesehen. Diese Vögel sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber in dichter Ufervegetation.

Die Idee zu den nächtlichen Bootsfahrten, um die Fischeule zu sehen, kam im Jahr 2011 auf. Sagell hatte gerade die Lodge übernommen und die Kinder wollten solch eine Eule sehen. An jenem Abend entdeckte er vier Fischeulen, wahrscheinlich zwei Jungtiere und zwei Altvögel. Seitdem legt er auf Anfrage nachts ab und sucht die Ufer mit einem Handscheinwerfer nach dem großen braunen Vogel ab – meist mit Erfolg. 

Auf diesen nächtlichen Bootspirschfahrten wird meistens nicht nur die Fischeule entdeckt, sondern oft auch der recht seltene Weißrücken-Nachtreiher, der wie die Eule nachtaktiv ist, oder eine der seltenen  Afrikanischen Binsenrallen, die einige Meter über dem Wasser in Bäumen die Nacht verbringen. 

Neben den besonderen Vogelarten sind während der etwa einstündigen Fahrt auf dem Sambesi aber auch Krokodile zu entdecken. So manches Mal gelingt es Curt Sagell, ein sehr junges Reptil zu fangen und seinen Gästen zu zeigen. Tagsüber kommt man so nah nicht an die Echsen heran. Manchmal leuchten auch die Augen von Flusspferden an der Wasseroberfläche auf und das Schnauben dieser Dickhäuter ist zu hören. 

Curts Fischeulenpirsch
Curt Sagell hat ein junges Krokodil neben dem Boot gefangen und zeigt es seinen Gästen. Tagsüber kommt man meist nicht so dicht an diese Echsen heran.

Curt Sagell hat bei der Caprivi Houseboat Safari Lodge und in der Umgebung bereits über 400 Vogelarten beobachtet. Eingeweihte wissen, dass bei der Lodge manchmal der sehr seltene Gelbkehl-Bülbül gesehen werden kann, oder der Bülbülwürger, und in der Nähe der Arnotschmätzer. Sagell bietet Tagestouren zur Beobachtung dieser raren Arten an. 

Die Fischeule ist in Namibia als vom Aussterben bedroht klassifiziert, da es hier vermutlich nur noch etwa 120 dieser Vögel gibt. Der Bestand an Weißrücken-Nachtreihern wird auf weniger als 500 geschätzt, aber es besteht Forschungsbedarf. Als stark gefährdet ist in Namibia die Afrikanische Binsenralle klassifiziert. Es wird vermutet, dass hierzulande weniger als 100 dieser Vögel zu finden sind. Wie viele Arnotschmätzer in Namibia vorkommen ist unbekannt. Experten zufolge sollte der Bestand erforscht werden, und der Arnotschmätzer sollte als gefährdet eingestuft werden. 

Dirk Heinrich 

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