Nahrung für die Seele…

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Grünes Namibia
Namibia zeigt sich nach ergiebigen Regenfällen derzeit von der besten Seite. Fotos: Ron Swilling

Namibia zu Covid-19-Zeiten – ein Reisebericht, der von Herzen kommt 

Eine grüne Wüste zu sehen, ist ein Erlebnis, das man auf keinen Fall verpassen sollte. Die Natur lächelt. Ein Gefühl von Freude und Frische liegt in der Luft. Hoffnung prallt vom Boden ab wie ein bunter Strandball, der von lachenden Kindern in die Luft geworfen wird. Oder zumindest fühlt es sich so an.

Auf dem Weg vom Fischfluss Canyon nach Norden biege ich hinter Mariental nach Osten in Richtung Stampriet und Kalahari-Wüste ab, um bei Kalahari Anib Camping2Go zu übernachten: Das große Safarizelt ist komplett ausgestattet mit einer Außenküche mit Gaskocher und Kühlschrank, einem eigenen Bad, Geschirr und Bettwäsche. Sie können sogar ein Braai-Paket und Salate an der Rezeption bestellen. Es ist eine andere Art von Camping, als ich es gewohnt bin, und ich genieße den ungewohnten Luxus.

Kalahari Anib Camping2Go

Der rote Sand glüht, als ich am Ende des Tages in der Kalahari ankomme. Die Wüste ist mit langem grünen Gras bedeckt und von Blumen durchsetzt. Der Tag kühlt ab, am Horizont bauen sich dramatische Gewitterwolken auf. In der Ferne grollt der Donner und Blitze zucken. Ich erwache in der Nacht vom frischen Geruch des Regens und den Regentropfen, die aufs Dach prasseln. Regen bringt Segen. Ich drehe mich zufrieden um und schlafe wieder ein. Am Morgen ist die Welt sauber gewaschen und Vögel baden in den Pfützen auf dem Fahrzeugdach.

Später am Morgen fahre ich dreißig Kilometer weiter in Richtung Osten und biege am Kalahari Farmhouse in Stampriet ab, um eine Pizza zu essen und mich im Pool zu erfrischen. Der üppige Garten mit den hoch aufragenden Palmen wirkt wie ein geheimer Zufluchtsort, in dem Magie wohnt. Ich liebe diesen verzauberten Ort inmitten der Kalahari-Wüste. Der kleine Garten Eden wird aus einem artesischen Grundwasserspeicher genährt.

Gondwana Kalahari Farmhouse

Ich ziehe es vor, auf den weniger befahrenen Straßen zu reisen, denn abseits der ausgetretenen Pfade gibt es viel Schönes zu entdecken. Ich nehme die 100 km lange Schotterstraße nach Kalkrand über Hoachanas (eine empfohlene Route zu oder von den Kalahari-Lodges). Für den Umweg abseits der kürzeren Strecke über die Teerstraße gibt es einen guten Grund. Das letzte Stück von Hoachanas nach Kalkrand ist landschaftlich besonders schön und führt durch kleine rote Längsdünen, die mit Kameldornbäumen gesprenkelt sind und die Kalahari von ihrer besten Seite zeigen.

Hoachanas Kirche

Die ersten 60 km vergehen wie im Flug, und in Hoachanas mache ich eine Pause, um die alte lutherische Kirche zu besichtigen und bei Autere im Gewerbegebiet eine Tasse Kaffee zu trinken. Die Besitzerin des Cafes, Eljo Jansen, ist ein Energiebündel und eine Frohnatur, selbst nach diesem verrückten Jahr, das alles auf den Kopf gestellt hat. Aber, sie lässt sich nicht unterkriegen. Sie sagt, dass Autere den besten Kaffee in Hoachanas hat, und fügt dann lachend hinzu: “Na ja, den einzigen Kaffee.” Wer das Cafe kennt, weiß, dass sie in diesem kleinen abgelegenen Ort einen hochmodernen Cappuccino zaubert und im Handumdrehen einen getoasteten Sarmie und Bratwurst mit Pommes serviert. Sie gibt einige weise Ratschläge, die heute aktueller sind als je zuvor: “Lebe das Leben jeden Tag in vollen Zügen, es ist so kurz.” Und das ist es auch.

Autere, Namibia

Ich verlasse Eljo und Autere mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie hat mir den Tag versüßt, ebenso wie die nächsten 40 km auf der C21 nach Kalkrand. Die Dünen, die ich immer so genieße, sind jetzt in ein sattes Grün gehüllt, was die außergewöhnliche Landschaft noch beeindruckender macht. Blumen erhellen die ohnehin schon lebendige Szenerie, lange Gräser wehen im Wind, und Schmetterlinge sind in Hülle und Fülle zu sehen. Der Weg ist das Ziel. An Tagen wie diesem bietet die Strecke viel Nahrung für die Seele.

Schotterstraße Kalahari

Ich erreiche die Teerstraße und wende mich in Richtung Norden nach Windhoek. Die Schönheit der grünen Landschaft ist überwältigend, mit fließendem smaragdgrünem Gras und federartigen Samenköpfen, die das Licht einfangen und von den dicken Gewitterwolkem am Horizont akzentuiert werden. Ich habe die Regenschauer in Rehoboth verpasst und fahre die nasse Fahrbahn entlang durch die bergige Landschaft nach Windhoek. Mir bleiben zwei Tage Zeit, um mich mit Freunden in der namibischen Hauptstadt zu treffen. Dann fahre ich weiter ins Herz Namibias, nach Etosha, und zu all den Geschenken, die in dieser außergewöhnlichen Zeit des Überflusses winken.

Ron Swilling

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