Namibia baut Klimaresilienz aus

0
4097
Hydroponik-Tank, Namibia
In Hydroponik-Tanks kann nur mit angereichertem Wasser (ohne Erde) Tierfutter für Nutztiere angebaut werden. Foto: Keith Thompson

Entwicklungsländer sind besonders anfällig für den Klimawandel, wie unter anderem starke Regenfälle und Überschwemmungen in Mosambik und Simbabwe im Jahr 2019 gezeigt haben. Tausende Menschen sind betroffen, die ihre Häuser, Ernten und Vieh verloren haben. Andere Länder im südlichen Afrika, einschließlich Namibia, erlebten das andere Extrem, nämlich die Dürre in den letzten Jahren.

Die Anpassung an den Klimawandel und Eindämmung seiner Auswirkungen sind sehr kostspielig und erfordern die Mobilisierung von Mitteln und eine gute Überwachung während der Umsetzung.

Bisher wurden in der Vergangenheit mehr als zehn Projekte mit Kosten von N$1,21 Mrd. (ca. 65,6 Mio. Euro) aus multilateralen und bilateralen Quellen in Namibia über das Ministerium für Umwelt und Tourismus (MET) und den namibischen Umweltinvestitionsfonds (EIF) in den fünf Jahren bis Dezember 2019 umgesetzt. Weitere Projekte sind am Laufen.

So wurden zwischen 2014 und 2019 über die Globale Umweltfazilität, den Grünen Klimafonds und den Anpassungsfonds der Vereinten Nationen Initiativen im Gesamtwert von N$2,21 Mrd. (ca. 132 Mio. Euro) umgesetzt. Diese Projekte umfassen den Erhalt der biologischen Vielfalt, die Anpassung an den Klimawandel sowie die Eindämmung und Bekämpfung der Bodendegradation für hauptsächlich ländliche Gemeinden.

Die Projekte trugen zur Entwicklung des ländlichen Raums und zur Verbesserung des Lebensunterhalts in ganz Namibia in einer Zeit bei, in der das Land von aufeinander folgenden und schweren Dürren stark betroffen war. „Dies ist die Zukunft, die wir erwarten können, da sich die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels in diesem Teil der Welt manifestieren“, sagt Umwelt- und Tourismusminister-Minister Pohamba Shifeta. „Allein die Dringlichkeit des Klimawandels erfordert, dass neue Methoden zum Wohle unserer gegenwärtigen und zukünftigen Generationen und der Umwelt gefördert und angenommen werden.“

Die Projekte reichen vom Bohren von mit Solarpumpen ausgestatteten Wasserbohrlöchern über den Bau innovativer Kraals zum Schutz der Tiere vor Raubtieren, den Bau von Wasserlöchern für Elefanten, die Verbesserung der Parkverwaltung bis hin zur Einrichtung eines Kompetenzzentrums für klimaresistente Landwirtschaft.

Raubtiersicherer Kraal, Kunene-Region
Ein gegen Raubtiere gesicherter Kraal in der Kunene-Region. Foto: NACSO

Die Projekte brachten neue Ansätze für die Landwirtschaft wie Hydrokultur, Gemeinschaftsgärten auf der Grundlage von Naturschutzlandwirtschaft und Tropfbewässerung, Futterproduktion sowie Wassernutzung.

Hydroponik ist eine Methode zum Anbau von Pflanzen und Gemüse in Wasser ohne Erde. Nährstoffe für das Wachstum werden dem Wasser zugesetzt. Hydroponik kann in kleinen Bereichen angewendet werden, sogar auf den Höfen von Gehöften. Mit dieser Methode kann auch Tierfutter für Nutztiere angebaut werden.

In Nordnamibia erhielten rund 54 Schulen und mehrere Gemeinschaftsgärten eine Mikro-Tropfbewässerungsanlage, um die Selbstversorgung zu verbessern und 10.000 Menschen zu helfen.

Ländliche Gemeinden in allen sieben nördlichen Regionen Namibias profitieren von den Projekten. Subsistenzlandwirte erhalten eine Ausbildung in klimafreundlichen landwirtschaftlichen Praktiken und lernen Methoden zur Umkehrung der Bodendegradation wie Bodenerosion und Überweidung.

Im Süden von Namibia werden die Einwohner von Grünau und Bethanien bald Mini-Entsalzungsanlagen erhalten, um das dortige salzige/brackige Grundwasser in Trinkwasser umzuwandeln.

MET ist die nationale Anlaufstelle für Projekte

Das Ministerium für Umwelt und Tourismus ist der nationale Schwerpunkt mehrerer multilateraler Umweltabkommen und spielt eine Schlüsselrolle bei der Ermittlung, Gestaltung und Koordinierung von Projektideen für die Finanzierung und bei der Formulierung von Projektvorschlägen. Das Ministerium überwacht auch die Umsetzung von Projekten zur Unterstützung allgemeiner sozioökonomischer, ökologischer und armutsbekämpfender Ziele der Regierung.

Namibias eigener Umweltfonds

Der Environmental Investment Fund (EIV) wurde 2011 mit dem Auftrag gegründet, eine nachhaltige Finanzierungsquelle für die Entwicklung und Durchführung umweltverträglicher Entwicklungsprojekte und -programme in Partnerschaft mit Organisationen des öffentlichen und des privaten Sektors zu sein. Diese umfassen das Management natürlicher Ressourcen, umweltfreundliche Technologien und kohlenstoffarme Entwicklung, Naturtourismus und Kapazitätsaufbau. 2016 war der EIF eine der ersten akkreditierten Einrichtungen des Green Climate Fund (GCF), der Entwicklungsländer finanziell dabei unterstützt, sich an den Klimawandel anzupassen und klimaresistent zu werden. Der EIF fällt unter das Ministerium für Umwelt und Tourismus und spielt eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung von Finanzmitteln und der Überwachung der Durchführung von Projekten.

Tröpfchenbewässerung Onamulunga
An der Onamulunga Gesamtschule werden mithilfe von Tröpfchenbewässerung Pflanzen gezüchtet. Foto: UNDP

Deutschland ein wichtiger Partner

In Bezug auf die bilaterale Zusammenarbeit zwischen Namibia und Deutschland werden derzeit fünf Projekte durchgeführt oder kürzlich mit Unterstützung der Bundesregierung im Wert von N$665,6 Mio. (ca. 36,1 Mio. Euro) abgeschlossen. Partner sind die GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und die Deutsche Entwicklungsbank (KfW). Die GIZ unterstützt auch die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen Namibias in Bezug auf Umweltmanagement, Klimawandel und Erhaltung der biologischen Vielfalt.

Solarenergie gewinnt an Bedeutung

Frankreich stellte in Zusammenarbeit mit der französischen Entwicklungsagentur über den EIF Mittel für erneuerbare Energien bereit. Das ermöglicht es Unternehmern, Kredite für erneuerbare Energien, nachhaltige Landwirtschaft und Tourismusentwicklung zu erhalten – wie Solarenergie für kommunale Lodges und Solarwasserpumpen. Diese Mittel werden direkt an lokale Geschäftsbanken (als Darlehen) vergeben, während diese Banken wiederum Unternehmern Kredite zu Vorzugskonditionen anbieten. Die bisher mobilisierten Mittel belaufen sich für all diese Projekte auf N$2,5 Mrd. (ca. 135,6 Mio. Euro).

Die Entwicklungspartner haben festgestellt, dass Entsalzungstechnologien Gemeinden Geld sparen und in Zeiten schwerer Dürre zur Wasserversorgung von Gemeinschaften, Vieh und Wildtieren beitragen. Sogenannte Mini-Entsalzungsanlagen sind auch ein zentraler Bestandteil der Bemühungen, Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren abzumildern.

Die Verbesserung der Infrastruktur in Namibias Parks wie der Bau von Bürogebäuden und Personalquartieren in abgelegenen Parks wie Bwabwata und Dorob ist ein wichtiger Bestandteil und wird bis 2022 fortgesetzt.

Namibia legt den Vereinten Nationen regelmäßig seine Fortschrittsberichte zur Klimaanpassung vor.

Brigitte Weidlich

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here