Namibia bereisen – im Zeichen der Nachhaltigkeit?

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Im Zeichen der Nachhaltigkeit: Viele Unterkünfte im Sonnenland Namibia wie hier die Namib Desert Lodge haben in Solarenergie investiert. Foto: Gondwana Collection Namibia

Reisen oder nicht reisen? Diese Frage stellen sich angesichts des Klimwandels immer mehr Menschen in Europa und weltweit. Auch Namibia-Urlauber. Denn vor allem Fernreisen stehen wegen der CO2-Emissionen in der Kritik. Zum heutigen Tag der Nachhaltigkeit geht NamibiaFocus dieser Frage nach.

Nicht reisen, sagen Klimabewusste. Denn immerhin acht Prozent aller Emissionen, die zum Global Warming beitragen, werden dem Tourismus zugerechnet. Die Reisebranche hält mit Konzepten für “grünes Reisen” und Umweltsiegeln dagegen.

Skeptiker wittern Greenwashing. Der Tourismussektor wiederum bemüht sich um Transparenz. Mehr als 20 Reiseunternehmen und -verbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz gründeten vergangene Woche den Verein Klimalink. Er soll Emissionsdaten in allen wichtigen Reisebereichen wie Flug, Unterkunft und Mietwagen in einer Datenbank sammeln und verfügbar machen.

Verantwortungs- statt nur klimabewusst

Aber umfasst Nachhaltigkeit nur Umwelt und Klima? Was ist mit den Menschen in den Reiseländern? Vor allem Länder, die auf Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen sind? In denen der Tourismus eine Säule nachhaltiger Entwicklung darstellt? Arbeitsplätze mit Aufstiegschancen schafft? Und den Naturschutz finanziert?

Die Reisebranche fasst den Begriff weiter. Sie spricht auch von verantwortungsbewusstem Reisen. Bei dem das Erlebnis für den Reisenden mit einem sinnvollen Beitrag für Umwelt, Natur und Menschen vor Ort verbunden wird.

Verantwortungsbewusstes Reisen ist damit ein Stück persönlicher und nachhaltiger Entwicklungshilfe. Auf Augenhöhe. Eine wichtige Ergänzung zur staatlichen Unterstützung. Die nämlich meist nicht in vollem Umfang bei jenen ankommt, für die sie gedacht ist.

Verantwortungsbewusst Namibia erleben

In Namibia finden Besucher viele Gelegenheiten, zum Umwelt- und Naturschutz beizutragen. Und zu Projekten, die den Landesbewohnern zugute kommen.

Bei der Auswahl der Unterkünfte hilft das unabhängige Umweltsiegel Eco Awards Namibia. Es besteht seit 2007. Analog zum Sterne-System für Unterkünfte vergibt es je nach Ergebnis der Inspektion bis zu fünf Wüstenblumen. Berücksichtigt werden auch Maßnahmen zugunsten der Mitarbeiter und umliegenden Gemeinschaften. Die Bewertung gilt für drei Jahre.

Seit kurzem gibt es in Namibia auch ein Gütesiegel für nachhaltiges Reisen der UNESCO. Unterkünfte, die am “UNESCO Sustainable Travel Pledge” teilnehmen, erhalten auf dem Buchungsportal Expedia ein entsprechendes Kennzeichen. UNESCO und EcoAwards Namibia wollen künftig zusammenarbeiten.

Nachhaltigkeit bei Gondwana

Das Unternehmen Gondwana Collection Namibia hat nicht nur ein Programm für Umwelt, Natur und Menschen (das von EcoAwards Namibia regelmäßig ausgezeichnet wird). Nachhaltigkeit war von Anfang an fester Bestandteil seiner Philosophie und ein Fundament seines Erfolgs.

Der Gastbetrieb finanziert Umwelt- und Naturschutz sowie soziale Projekte. Er schafft Arbeitsplätze, Ausbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen. Natur und Mitarbeiter wiederum bieten dem Gast eine Vielzahl authentischer Erlebnisse und Begegnungen.

Auch das Tochterunternehmen Namibia2Go ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Die mit rund 300 Fahrzeugen eine der größten Mietwagenfirmen Namibias hat im vergangenen März sieben geländegängige Hybrid-Wagen in seine Flotte aufgenommen.

Go2 Traveller Transfers Kleinbus Etosha Sossusvlei Namibia NamibiaFocus
Emissionssparende Alternative zum Mietwagen: Die Go2 Traveller Transfers im Kleinbus zwischen den Hauptattraktionen Namibias wie Etosha und Sossusvlei. Foto: Namibia2Go

Seit Juni bietet Namibia2Go zudem einen regelmäßigen Bus-Transfer für Namibia-Urlauber an, die auf einen Mietwagen verzichten wollen. Die Go2 Traveller Transfers verbinden Hauptattraktionen wie Etosha Nationalpark, Swakopmund, Sossusvlei, Kalahari und Fischfluss Canyon. Der “Carbon Footprint” pro Fahrgast liegt im Schnitt unter dem eines Selbstfahrers.

Verpufft Flugscham am Portmonnaie?

Allerdings scheint Nachhaltigkeit für die Reisebranche in Namibia und Europa eine größere Rolle zu spielen als für den durchschnittlichen Reisenden. Beispiel: Kompensation für Flugemissionen, etwa durch den Anbieter Atmosfair, der im Test am besten abschnitt. So kann man für seinen Anteil am CO2-Ausstoß des Fliegers einen Beitrag zahlen, der in grüne Projekte investiert wird.

Bei Lufthansa ist es seit einem halben Jahr möglich, den Aufschlag gleich direkt beim Buchen des Tickets zu zahlen. Doch davon machen nur ein Prozent der Fluggäste Gebrauch. Obwohl bei Umfragen unter Kunden 85 Prozent der Befragten regelmäßig angaben, kompensieren zu wollen.

Was nicht heißt, dass 84 Prozent der Fluggäste nicht kompensieren. Viele möchten vielleicht lieber genau wissen, wo ihr Beitrag investiert wird und was er bewirkt. Und am besten im Kontakt mit den Menschen, die sie auf ihrer Reise besuchen.

Namibia-Fans gefragt

Anlässlich des Tages der Nachhaltigkeit hat Gondwana Collection Namibia auf seiner Facebook-Seite eine kleine Umfrage gestartet:

Wie könnte sich Gondwana Ihrer Meinung nach im Bereich ökologischer Nachhaltigkeit noch verbessern? Und in welcher Weise zeigen Sie am Tag der Nachhaltigkeit Ihr Umweltbewusstsein? – Zum Antworten bitte hier klicken.

 

Autor dieses Beitrags ist Sven-Eric Stender. Er stammt aus Hamburg und arbeitet seit 1986 als Journalist. Seit 1998 lebt er in Windhoek und hat sich auf die Themen Reise, Natur, Menschen und Geschichte Namibias spezialisiert. Für Fragen oder Anregungen ist er zu erreichen unter .

 

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