Namibia engagiert sich beim Schutz der Weltmeere

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Ozean-Gipfel in Brest
Das Gruppenfoto mit Staats- und Regierungschefs auf dem Ozean-Gipfel in Brest. Foto: France-Diplo

Glitzernder Sonnenschein auf den Atlantikwellen während einer Bootsfahrt von Walvis Bay oder Swakopmund aus mit Austern und Champagner, dabei Delfine und Wale beobachten – so schön ist Urlaub an Namibias Küste.

Brandungsangeln, Joggen am Strand, Surfen oder einfach ein Picknick mit neugierigen Möwen, schöne Muscheln zwischen den Felsen bei Ebbe suchen oder den roten Dünensand barfuß zu spüren – Namibias 1,570 km lange Küste vom Oranjefluss bis zum Kunene an der Grenze zu Angola bietet Erholung, besondere Erlebnisse und Spaß.

Erst kürzlich wurde ein Löwe an der Skelettküste fotografiert, der sich am Strand eine Robbe als Mahlzeit gönnte, die er frisch gerissen hatte. Und wer erfreut sich nicht an den drolligen kleinen Pinguinen auf einigen Felseninseln vor Lüderitzbucht?

Damit es so bleibt, muss diese Unberührtheit geschützt und bewahrt werden. Ozeane sind durch den Klimawandel und ihre dadurch verursachte Erwärmung gefährdet, die Meeresspiegel steigen, letzteres kann man am Strand von Henties Bay in Namibia gut beobachten. Auch Übersäuerung und Überfischung sowie Plastikmüll gefährden die Weltmeere.

Swakopmund, Namibia
Luftaufnahme von Swakopmund . Foto: Wikipedia

Ozean-Gipfel in Frankreich

Das waren die Themen des allerersten „One Ocean“ Gipfels in Brest in Frankreich Anfang Februar. Präsident Emmanuel Macron hatte dazu rund zwanzig Staats- und Regierungschefs eingeladen, auch Präsident Hage Geingob.

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, kündigte am Ende des Gipfels den Beginn einer „globalen Koalition“ an. Die 27 EU-Länder und 16 Nicht-EU-Länder, darunter Namibia, werden zusammen einen Vertrag über die nachhaltige Nutzung auch der Hohen See und den Schutz ihrer biologischen Vielfalt ausarbeiten. Der Vertrag soll noch dieses Jahr unterzeichnet werden.

„Das Meer ist die Lebensgrundlage unseres Planeten. Jeder zweite unserer Atemzüge kommt aus dem Ozean. Er gibt uns die Hälfte des Sauerstoffs, den wir einatmen, und nimmt einen Großteil des Kohlendioxids auf, das wir in die Atmosphäre freisetzen. Unser gesamtes Klima hängt von den Ozeanen ab“, sagte von der Leyen in Brest. „Der Ozean bedeutet Leben, Nahrung, Energie und Arbeitsplätze. Rund neunzig Prozent der gehandelten Waren werden über die Meere befördert“, fügte sie hinzu.

Walvis Bay, Salzgewinnung
Namibia gewinnt Salz aus dem Atlantik, das hauptsächlich exportiert wird. Foto: Walvis Bay Saltworks

Die Koalition zielt darauf ab, ein globales rechtsverbindliches Abkommen über die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt der Meere in Gebieten außerhalb der nationalen Gerichtsbarkeiten von Staaten zu schließen.

Das Abkommen, das auch als „Vertrag über die Hohe See“ bekannt sein wird, wird im Rahmen des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (UNCLOS) ausgearbeitet, dem wichtigsten internationalen Abkommen, das menschliche Aktivitäten auf See regelt.

Es wird erwartet, dass der Vertrag ein ganzheitlicheres Management der Hohen See erreichen wird, was die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen verbessern soll.

Dieses Jahr wird der 40. Jahrestag von UNCLOS begangen – daher wird das Tempo für Vereinbarung zum Schutz der Ozeane erhöht.

Des Weiteren haben die Vereinten Nationen 2021 die Dekade der Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung ausgerufen. Ziel der „Ozeandekade” ist es, bis 2031 die Umsetzung der marinen Ziele auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu erreichen.

Präsident Hage Geingob sagte in Brest, Namibia befinde sich in der Endphase der Entwicklung einer nachhaltigen blauen Wirtschaftspolitik, um die biologische Vielfalt, Produktivität, Widerstandsfähigkeit und den Eigenwert der marinen und aquatischen Ökosysteme Namibias wirksam zu schützen, zu erhalten und – wo notwendig – wiederherzustellen.

„Derzeit ist Namibias gesamter Küstengürtel zu Nationalparks erklärt und umfasst drei Ramsar-Gebiete an der Küste, nämlich die Lagune von Walvis Bay, Sandwich Harbour und die Mündung des Oranjeflusses, die geschützt sind“, sagte Geingob. „Namibias Meeresgewässer, die weniger als 200 Meter tief sind, sind vor den meisten kommerziellen Fischereiaktivitäten geschützt, da sie Brutstätten für Fische sind.“

Der Fischereisektor ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Namibia. Vor der Unabhängigkeit 1990 haben Fangflotten fremder Mächte vor der Küste hochgradig überfischt. Die namibische Regierung hat in den letzten 32 Jahren den kommerziellen Fischfang streng reguliert. Die Fischbestände haben sich bis auf Sardinen erholt, es herrscht seit 2017 ein generelles Fangverbot für Sardinen in Namibias Küstengewässern.

Unter Berücksichtigung von Namibias technischen und finanziellen Kapazitäten hat die Regierung beschlossen, drei kritische Bereiche mit relevanten Themen auszuwählen. Dies sind: Ozeanreichtum verbunden mit nachhaltiger Meeresnahrung, nachhaltigem Seetransport und nachhaltiger Energiegewinnung aus dem Ozean, nachhaltigem Meerestourismus und einem vorsorglichen Ansatz für den Abbau von Bodenschätzen am Meeresboden.

Namibia fördert seit Jahrzehnten Diamanten an der südlichen Küste und auch auf dem Meeresboden. Die Gebiete werden anschließend wieder aufwändig rehabilitiert.

Namibia hat sich schon 2019 verpflichtet, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, seine Meeres- und Küstenökosysteme zu schützen und wiederherzustellen und die – noch geringe – Meeresverschmutzung zu reduzieren. Eine nachhaltige Ozeanwirtschaft stellt die Menschen in den Mittelpunkt für eine gerechte Verteilung des Reichtums des Atlantischen Ozeans vor der Küste.

Containerschiff in Walvis Bay, Namibia
Ein großes Containerschiff legt in Walvis Bay an. Foto: NamPort

Weltweiter Auftakt begann im Dezember 2019

Namibia, Kenia und Ghana sind bisher die einzigen Afrikastaaten, die von Beginn an mitmachen, seit Gründung der Initiative zum Schutz der Weltmeere 2018 und Einrichtung des „Ocean Panels“. Im Dezember 2019 haben Namibia und die anderen dreizehn Staaten weltweit zur gleichen Zeit auf einer öffentlichen Veranstaltung den Schutz ihrer Küstengebiete gelobt.

Sie wollen als Mitglieder des sogenannten „High Level Panel for a Sustainable Ocean Economy“ (kurz: Ocean Panel) – einem Gremium für eine nachhaltige Meereswirtschaft – einen Transformationsplan umsetzen. Bis 2030 wollen sie etwa 30 Prozent der Meere unter Schutz zu stellen. Weitere Länder sollen sich anschließen.

Die am Ocean Panel beteiligten Länder bisher sind Australien, Kanada, Chile, Fidschi, Ghana, Indonesien, Jamaika, Japan, Kenia, Mexiko, Namibia, Norwegen, Palau und Portugal. Diese 14 Länder verfügen zusammen über ein Gewässer-Areal von mehr als 30 Millionen Quadratkilometern – ein Gebiet von der Größe Afrikas.

Das mittelfristige Ziel ist, bis 2025 einhundert Prozent der Meeresgebiete unter ihrer nationalen Gerichtsbarkeit nachhaltig zu bewirtschaften, geleitet von Plänen für nachhaltige Ozeane. Die Empfehlungen konzentrieren sich auf fünf kritische Bereiche: Meeresreichtum, Meeresgesundheit, Meeresgerechtigkeit, Meereswissen und Meeresfinanzierung. Namibia beteiligt sich an der Ausarbeitung dieser Ozeanpläne.

Internationale Abkommen

Namibia hat inzwischen Anhang 6 des MARPOL-Übereinkommens (Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe) ratifiziert, das eine 50-prozentige Reduzierung der Treibhausgasemissionen von Schiffen bis 2050 im Einklang mit dem Abkommen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation [IMO] vorsieht.

Namibia hat auch die Abidjan-Konvention ratifiziert, eine Konvention zur Zusammenarbeit beim Schutz, Management und der Entwicklung der Meeres- und Küstenumwelt der Atlantikküste in West-, Zentral- und Südlichem Afrika. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) ist das Sekretariat der Abidjan-Konvention. UNEP mit Sitz in Abidjan ist eine Abteilung der Vereinten Nationen, die befugt ist, Umweltfragen auf regionaler und internationaler Ebene anzugehen. Für die östlichen und nordöstlichen Küstengebiete Afrikas gibt es die Nairobi-Konvention.

Brigitte Weidlich

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