Namibia optimistisch bezüglich neuer grüner Wasserstoffindustrie

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Lüderitz Christuskirche
Bei Lüderitz soll eine große Industrieanlage zur Produktion von grünem Wasserstoff entstehen. Foto: R. Stoldt

Die weltweite Suche nach grünen und erneuerbaren Energiequellen intensiviert sich und grüner Wasserstoff gilt als vielversprechende Lösung. Während sich die nördlichen Länder darum bemühen, ihre Wasserstoffversorgung in der südlichen Hemisphäre zu sichern, hat sich Namibia dem Rennen angeschlossen.

Die namibische Regierung hat kürzlich ehrgeizige Pläne für den Beginn der Produktion von grünem Wasserstoff mit einer Pilotanlage für 2022 bekannt gegeben. Präsident Hage Geingob sagte, Namibia wolle das erste afrikanische Land sein, das CO2-Neutralität erreicht und über die afrikanische kontinentale Freihandelszone (AfCFTA) saubere Wasserstoffenergie an seine Nachbarn und ins Ausland exportiert.

Namibia wird auf der nächsten UN-Klimakonferenz (UNFCCC COP 26), die am 1. November in Glasgow (Schottland) beginnt, seine Ambitionen im Bereich grüne Energie präsentieren.

Viel erreicht seit April

Präsident Geingob kündigte im März dieses Jahres während der Einführung des zweiten Harambee-Entwicklungsplans des Landes an, dass die Regierung bereits hart daran arbeite, eine grüne Wasserstoffproduktionsindustrie aufzubauen. „Angesichts unserer erstklassigen erneuerbaren Energieressourcen wird Namibia eine nationale Strategie zur Entwicklung von grünem Wasserstoff und Ammoniak entwickelt. Während wir diese Strategie verfolgen, haben wir die Möglichkeit, als erstes Land in Afrika CO2-Neutralität zu erreichen und die African Continental Free Trade Area (AfCFTA) zu nutzen, um saubere Energie an unsere Nachbarn zu exportieren“, sagte er.

Grüner Wasserstoff, Lüderitz
Namibia plant seine eigene Produktion von grünem Wasserstoff. Grafik: Namibia Investment Board

Anfang August startete während einer Online-Veranstaltung im Präsidialamt eine Aufforderung zur Einreichung von Projektvorschlägen für lokale und internationale Bieter. Bei dieser Gelegenheit kündigte Deutschlands Beauftragter für grünen Wasserstoff, der online aus Berlin an der Einführung teilgenommen hatte, an, dass Namibia rund 682,3 Millionen N$ (40 Millionen Euro) von der deutschen Regierung erhalten würde, um die Forschung zum Einstieg in grünen Wasserstoff zu unterstützen.

Der Generaldirektor der Nationalen Planungskommission (NPC), Obeth Kandjoze, sagte, das Geld werde für eine Machbarkeitsstudie verwendet, um zu prüfen, ob Namibia für die Nutzung von grünem Wasserstoff geeignet sei sowie für die Gründung des Green Hydrogen Council of Namibia. Dieser ist inzwischen mit acht Mitgliedern aufgestellt. Er wird von einem 15-köpfigen Fachausschuss unterstützt. Der Wirtschaftsberater von Präsident Geingob, James Mnyupe, wurde zum Kommissar für grünen Wasserstoff in Namibia ernannt.

James Mnyupe, Namibia
James Mnyupe ist seit vergangenem Jahr Wirtschaftsberater des namibischen Präsidenten. Foto: Concordia.net

Mnyupe besuchte vor einigen Wochen während einer europäischen Forschungs- und Marketingmission für grünen Wasserstoff mehrere Länder, um potenzielle Partner und Investoren zu gewinnen und Namibia als idealen Standort für grüne Wasserstoffprojekte zu fördern.

In Antwerpen in Belgien traf Mnyupe Frans Timmermans, Vizepräsident der Europäischen Kommission, und Alexander De Croo, Premierminister von Belgien, bei der Eröffnung der weltweit ersten multimodalen Wasserstofftankstelle CMB Tech, die als Antrieb für Schiffe, Busse und Autos dienen wird.

Belgien ist daran interessiert, zu gegebener Zeit eine synthetische Treibstoff-Pilotanlage in Namibias Erongo-Region zu errichten.

Kürzlich wurde eine Gruppe internationaler Geschäftsleute auf eine Tour in den Süden Namibias geführt, weil bei Lüderitz eine riesige Industrieanlage zur Produktion von grünem Wasserstoff vorgesehen ist. Ein zweiter Standort könnte in der Erongo-Region in der Nähe der derzeitigen Entsalzungsanlage errichtet werden.

Nach Angaben des Namibia Investment Promotion and Development Board (NIPDB) zeigten neun Bieter zum Stichtag 16. September ernsthaftes Interesse.

Riesige Investitionen schaffen viele neue Arbeitsplätze

Kandjoze sagte, die vorläufigen Schätzungen dieses potenziellen Projekts für Namibias jährliche Produktion von grünem Ammoniak lägen bei über 2,5 Millionen Tonnen. „Damit wird es mehr als 6 Milliarden US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen anziehen und gleichzeitig einen Jahresumsatz von über 800 Millionen US-Dollar erzielen.“ In den nächsten Jahren könnten Tausende neuer Arbeitsplätze geschaffen werden.

Obwohl im Tsau-Khaeb-Nationalpark (vormals Sperrgebiet Park) gelegen, plant die Regierung, nach und nach vier Industriegebiete südlich von Lüderitz mit Solar- und Windparks zu grünen Wasserstoff- und Ammoniakproduktionsstätten zu entwickeln. Parallel dazu ist südlich von Lüderitzbucht ein brandneuer Tiefwasserhafen geplant. Das Umweltmanagementgesetz von 2007 erlaubt bestimmte wirtschaftliche Entwicklungen in Parks, wenn auch unter speziellen Bedingungen.

Die Regierung erwägt auch die Errichtung einer Anlage zur Herstellung von Windflügeln für Windkraftanlagen sowie eines Grünstahlwerks und einer Produktionslinie für Ammoniakdünger.

Lüderitzbucht, Hafen
Mit der Realisierung des Wasserstoffprojektes wird der Hafen von Lüderitz einen Aufschwung erleben. Foto: R. Stoldt

Die Feinheiten von grünem Wasserstoff und Ammoniak

Ammoniak ist ein Gas, das häufig zur Herstellung von landwirtschaftlichen Düngemitteln verwendet wird. Bei der grünen Ammoniakproduktion handelt es sich um ein Verfahren zur Herstellung von Ammoniak, das zu 100 Prozent erneuerbar und kohlenstofffrei ist. Ammoniak besteht aus einem Stickstoffatom, das an drei Wasserstoffatome gebunden ist. Es wird unter Verwendung von Wasserstoff aus der Wasserelektrolyse und Stickstoff aus der Luft hergestellt.

Dies erfordert Energie. Namibia mit seinen weiten Flächen, viel Sonnenlicht und guten Windverhältnissen bei Lüderitzbucht plant, große Solar- und Windkraftwerke für die Ammoniak- und Wasserstoff-produktion zu errichten.

Der bei der Ammoniakspaltung erzeugte Wasserstoff kann in einer Brennstoffzelle verwendet werden. Ammoniak in flüssiger Form ist ein Wasserstoffträger, der eine kostengünstige Speicherung und Verteilung großer Mengen erneuerbarer Energie – des grünen Wasserstoffs – über weite Distanzen ermöglicht. Folglich wäre die Umwandlung von Wasserstoff in Ammoniak für den weltweiten Transport mit geringeren Kosten verbunden als der Transport als Wasserstoff.

Grüner Wasserstoff entsteht auch durch die Nutzung erneuerbarer Energien anstelle von fossilen Brennstoffen mittels Elektrolyse. Wasserstoffenergie ist sehr vielseitig, da sie gasförmig oder flüssig genutzt in Strom oder Kraftstoff umgewandelt werden kann und es gibt viele Möglichkeiten, sie zu erzeugen. Grüner Wasserstoff kann in großen Mengen über lange Zeit gespeichert werden.

Weltweit werden bereits jährlich rund 70 Millionen Tonnen grüner Wasserstoff für den Einsatz in der Ölraffination, Ammoniakproduktion, Stahlherstellung, Chemie- und Düngemittelproduktion, Lebensmittelverarbeitung und Metallurgie produziert. Wenn es in einen Träger wie Ammoniak umgewandelt wird, ist es ein kohlenstofffreier Kraftstoff, der wie oben erwähnt leicht transportiert werden kann.

Deutschland wird Namibias Wasserstoffpartner

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat Ende August mit Namibia eine Absichtserklärung zur zukünftigen Versorgung mit grünem Wasserstoff unterzeichnet. Zur Kooperation Namibias und Deutschlands auf dem Gebiet der grünen Wasserstofftechnologie sagte die Bundesforschungsministerin: „Der weltweite Wettlauf um die besten Wasserstofftechnologien und die besten Standorte für die Wasserstoffproduktion hat bereits begonnen. Wir glauben, dass Namibia ausgezeichnete Chancen hat, in diesem Wettbewerb erfolgreich zu sein. Diese Chance wollen wir gemeinsam nutzen. Ich bin stolz, dass Deutschland als erstes Land offiziell eine Wasserstoffpartnerschaft mit Namibia eingegangen ist.

Die namibische Regierung erarbeitet derzeit einen politischen Rahmen für diesen neuen Industriesektor und eine Strategie für grünen Wasserstoff, die Anfang nächsten Jahres abgeschlossen werden sollen.

Brigitte Weidlich

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