Namibia plant zukünftige Wasserversorgung

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Wasserversorgung Nordnamibia
Der Wasserkanal im Norden versorgt über 600.000 Menschen mit Wasser. Foto: Association of Consulting Engineers of Namibia (ACEN)

Namibia hat in den letzten Jahren eine Zunahme von Überschwemmungen und Dürren erlebt, wobei die nördlichen Gebiete 2008/09 mit den Überschwemmungen zu kämpfen hatten und die Dürre seit 2016 ein Beweis für das andere Extrem ist. Namibia gilt als das trockenste Land in Afrika südlich der Sahara mit geringen und unregelmäßigen Niederschlägen.

Namibias Geschichte der Wasserversorgung reicht über hundert Jahre zurück. Das Wasser der wenigen ständig Wasser führenden Flüsse, Kunene, Okavango, Sambesi und Oranje, wird mit den Nachbarländern geteilt.

In diesem Jahr wurde bei Keetmanshoop der größte Staudamm des Landes, der Neckartal Damm, fertiggestellt. Pläne für eine zweite Entsalzungsanlage sind im Gange. Jüngste Entdeckungen der riesigen unterirdischen Grundwasserleiter von Stampriet und Ohangwena könnten künftige Lösungen für eine ausreichende Wasserversorgung bringen, wenn die Nachfrage nach dieser kostbaren Ressource steigt.

Bei der Unabhängigkeit im März 1990 hatte Namibia etwa 1,3 Millionen Einwohner, heute sind es  ungefähr 2,4 Millionen Einwohner. Gegenwärtig gelten in der Hauptstadt Windhoek strenge Wasservorschriften. Haushalte und Unternehmen müssen 30 Prozent ihres Verbrauchs einsparen, da der Wasserstand der Staudämme sehr niedrig ist.

Schätzungen des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft zufolge belief sich der Wasserbedarf für städtische Gebiete und wirtschaftliche Aktivitäten in Namibia im Jahr 2015 auf rund 416,1 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Bis 2025 wird er auf rund 572,5 Millionen Kubikmeter ansteigen. Die kommerzielle Landwirtschaft hat den höchsten Wasserverbrauch. Angesichts des derzeit niedrigen Staudammpegels müssen die Bewässerungsaktivitäten in der Nähe von Mariental um vierzig Prozent reduziert werden, da der Hardap-Staudamm im November 2019 nur zu 11 % gefüllt war.

Ruacana Namibia
Mit grossen Pumpen wird Wasser aus dem Kanal im Norden für das Etunda-Agrarprojekt bei Ruacana gepumpt. Foto: River Awareness Kit

Pläne seit der deutschen Kolonialzeit (1884−1915)

Namibias Wasserversorgung kommt aus verschiedenen Quellen: Flüssen, natürlichen Quellen, Brunnen, Bohrlöchern, Staudämmen, Kanälen und unterirdischen Grundwasserleitern wie dem Kuiseb-Fluss.

Bereits 1906 ließ die deutsche Kolonialregierung die ersten Bohrlöcher in Namibia bohren. Küstenstädte wie Lüderitz und Swakopmund erhielten zunächst per Schiff Wasser aus Kapstadt. Damals war Walvis Bay unter britischer Herrschaft und erhielt sein Wasser aus einer Quelle in der Nähe des Dünengürtels, aus Rooibank/Scheppmannsdorf und – in besseren Regenzeiten – aus dem nahe gelegenen Kuiseb.

Entwicklungen im Hinterland waren oft mit lutherischen (rheinischen) und katholischen Missionsstationen verbunden, die entweder entlang von Flussbetten oder natürlichen Quellen wie Otjimbingwe bei Karibib, Klein Windhoek, Omaruru, Groß Barmen, Bethanien oder Warmbad begonnen wurden.

Die ersten Siedler bauten Staudämme, um in der Trockenzeit Wasser zu haben. Die deutschen Kolonialbehörden planten bereits den Bau großer Staudämme wie Neckartal im Fischfluss bei Naute, um Wasser aus dem Löwen-Rivier zu gewinnen. Der Bau dieser Staudämme begann erst in den dreißiger Jahren mit den Staudämmen Omatjenne und Avis, die 1933 unter südafrikanischer Herrschaft entstanden.

Namibia hat heute etwa 17 große Staudämme, von denen Neckartal, Hardap, Ruacana, Naute, Oanob, Von Bach, Swakop-Pforte, Otjivero und Olushandja die wichtigsten sind. Leider verdunstet ein großer Teil ihres Wassers und geht verloren. Die staatliche Namibia Water Corporation (NamWater) verwaltet diese Dämme, 16 Wasseraufbereitungsanlagen, zwei wichtige Wasserversorgungskanäle und die wichtigsten Wasserleitungen. NamWater ist der Wasserversorger des Landes.

Die Hauptstadt Windhoek recycelt seit den sechziger Jahren als erste Stadt der Welt rund dreißig Prozent ihres Trinkwassers im Werk Goreangab.

Ländliche Wasserversorgung

Das Ministerium für Land-, Wasser- und Forstwirtschaft ist für die Bewirtschaftung der Wasserressourcen, die Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung in ländlichen Gebieten zuständig. Bei Bedarf wird Wasser in Tanklastwagen zu Dörfern und Siedlungen transportiert, wenn Dürrebedingungen herrschen. Dorfwasserkomitees arbeiten eng mit dem Ministerium zusammen. Bisher haben 91 Prozent der Bevölkerung Namibias Zugang zu sauberem Trinkwasser, 25 Prozent haben jedoch noch keinen Zugang zu einer Toilette.

Einzigartiger Wasserkanal im Norden

Während große Wasserleitungen heute gereinigtes Wasser von Dämmen in die Städte transportieren, wurde in den sechziger Jahren im Norden Namibias ein einzigartiger Versorgungskanal gebaut, der bis heute in Gebrauch ist. Es gilt als die wichtigste Wasserader dort und versorgt über 600.000 Menschen mit dieser kostbaren Ressource.

Der offene Kanal besteht aus Betonplatten und beginnt am Calueque-Damm auf der angolanischen Seite des Kunene-Flusses gegenüber dem Ruacana-Wasserkraftwerk, wenige Kilometer von der gemeinsamen Grenze entfernt. Auf der namibischen Seite verläuft der Kanal hauptsächlich parallel zu den Straßen von West nach Ost bis nach Ondangwa. Etwa 600 km kleinere Kanäle und Rohrleitungen bilden die Wasseradern für diese Bevölkerung. Die Dorfbewohner auf beiden Seiten des Kanals nutzen das Wasser zum Trinken – einschließlich Vieh – und Waschen. Die jüngsten Verhandlungen von NamWater über die Abdeckung mit Betonplatten stießen auf heftigen Widerstand.

Östlicher Wasserträgerkanal

Bereits 1974 umfasste ein damals neu aufgestellter Wasser-Masterplan einen ‘Eastern National Water Carrier‘ zur Wasserversorgung vom Okavango-Fluss 750 Kilometer weit bis in die zentralen Landesteile. Der Bau begann Ende der 1970er Jahre in mehreren Phasen von Süd nach Nord. Zunächst wurde eine Rohrleitung vom Von-Bach-Damm in Okahandja über 94 Kilometer zum Omatako-Damm gebaut. Von dort wurde ein offener Wasserkanal von ungefähr 300 km Länge nach Grootfontein gebaut. Das Grundwasser der Berg-Aukas Mine wird in den Kanal gepumpt. Das Wasser erreicht den Omatako-Damm, in den letzten Jahren war dieser Damm allerdings größtenteils trocken. Der östliche Wasserträgerkanal ist jedoch eine tödliche Falle für Wildtiere und Reptilien. Im Laufe der Jahre wurde mehrfach gefordert, den Kanal mit Betonplatten abzudecken. Die Behörden behaupten, dies sei zu teuer.

Die geplante letzte Phase der Wasserversorgung, die Grootfontein mit dem Okavango-Fluss bei Rundu verbindet, wurde nie gebaut. Aufgrund der derzeitigen Dürre wird erneut eine Pipeline von Rundu nach Grootfontein in Betracht gezogen, um die zentralen Gebiete Namibias mit Wasser zu versorgen.

Grundwasser teilweise unerschlossen

Im Jahr 2012 entdeckten deutsche Experten riesige unterirdische Wasservorkommen im zentralen Norden Namibias, die bis in den Süden Angolas reichen. Das Aquifer mit dem Namen Ohangwena II enthält etwa fünf Milliarden Kubikmeter Wasser, von denen angenommen wird, dass sie 10.000 Jahre alt sind. Das Vorkommen ist etwa 300 Meter tief, aber darüber befindet sich eine brackige Wasserschicht. Bohrungen müssen mit Vorsicht erfolgen.

Das küstennahe Kuiseb-Aquifer ist bekannt, ihm wird Wasser entnommen.
Das Stampriet-Aquifer im Südosten Namibias erstreckt sich bis nach Botswana und Südafrika. Eine detaillierte Bewertung wurde erst 2013 in Zusammenarbeit der drei Länder mit der UNESCO begonnen.

Stampriet Aquifer
Untersuchungen der Wasservorkommen des Aquifers bei Stampriet haben 2013 begonnen. Grafik von: Open Streetmaps & Contributors

Entsalzung die Antwort auf Wassermangel

Namibia ist das erste Land im südlichen Afrika, in dem eine große Entsalzungsanlage gebaut wurde. Sie gehört dem französischen Uranunternehmen Areva und wurde 2010 in Betrieb genommen. Es soll die eigene Uranmine und andere Bergwerke in der Region mit Wasser versorgen. Es liegt in der Nähe von Wlotzkasbaken nördlich von Swakopmund und hat eine Kapazität von 20 Millionen Kubikmetern. Vor drei Jahren bot Areva der namibischen Regierung die Anlage zum Kauf an, die immer noch nicht entschieden hat, ob sie kauft oder nicht.

Inzwischen hat die Regierung über NamWater in diesem Jahr eine Umweltverträglichkeits-studie für eine Entsalzungsanlage in Auftrag gegeben. Deutschland finanziert die Studie über die KfW-Entwicklungsbank. Das entsalzte Wasser soll durch neue Rohrleitungen in die Landesmitte gepumpt werden.

Namibia unternimmt große Anstrengungen, um die Wasserversorgung für die Zukunft zu sichern.

Brigitte Weidlich

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