Namibia treibt die Nutzung erneuerbarer Energien voran

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Namib Desert Lodge Solaranlage
Die Namib Desert Lodge am Fuße der versteinerten Dünen der Namib deckt 50% ihres Strombedarfs durch Solarenergie.

Eine Nacht im afrikanischen Busch unter Sternen zu verbringen und weitab der Stadt den verschiedenen Stimmen nachtaktiver Tiere zu lauschen, ist ein magisches Erlebnis. Unvergesslich, in der Stille der Natur – ohne dröhnende Dieselgeneratoren – Wildtiere an einer Wasserstelle zu beobachten, deren Pumpe solarbetrieben ist. Solarstrom macht das möglich. In den letzten Jahren haben viele Lodges in Namibia die lauten, oft qualmenden Dieselgeneratoren durch Solarkraft ersetzt und dadurch das afrikanische Buscherlebnis für Touristen vertieft.

Das heiße, trockene Klima in Namibia und mehr als 300 Tage Sonnenschein pro Jahr bieten ideale Bedingungen für Solarkraft. Bis zu 2.200 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter im Jahr werden gemessen.

Namibias Weg in Richtung erneuerbare Energien dauerte lange und begann kurz nach der Unabhängigkeit. Inzwischen sind Solar- und Windkraft offiziell Bestandteil des Energie-Mixes und es finden diesbezüglich interessante Entwicklungen statt. Seit einigen Jahren gilt die Vorschrift, dass in allen neuen Regierungsgebäuden solarbetriebene Wassererdurchlauferhitzer – hierzulande Geyser genannt – installiert werden müssen. Die größte Anlage mit Solarplatten für Geyser befindet sich auf dem Dach des (staatlichen) Windhoeker Zentralhospitals im Stadtteil Katutura.

Namibias Strombedarf bei 650 MW

Der Spitzenstrombedarf liegt derzeit bei rund 650 Megawatt (MW) täglich, die installierte Kapazität bei 557 MW. Hauptlieferant ist das Ruacana-Wasserkraftwerk am Kunene-Fluss im Nordwesten Namibias mit 332 MW. Das alte ‚Van-Eck‘-Kohlekraftwerk am nördlichen Stadtrand von Windhoek kann inzwischen nur noch 90 der ursprünglichen 120 MW Strom liefern. Zusätzlich gibt es noch zwei kleinere Diesel-Kraftwerke in Walvis Bay (Paratus und Anixas).

Das Ruacana-Kraftwerk läuft zumeist nur während der Regenzeit bei voller Kapazität, dann führt der Kunene mehr Wasser. Seit kurzem (November 2018) hat sich die Lage gebessert, nachdem der Calueque-Stausee ein paar Kilometer landeinwärts auf angolanischem Gebiet repariert wurde. Das Wasserkraftwerk erhält nun für seine vier Turbinen beständigeren Zulauf.

Namibia produziert rund 59 Prozent des eigenen Strombedarfs und importiert 41 Prozent aus Südafrika, Simbabwe und Sambia. Das staatliche Stromversorgungsunternehmen NamPower verkauft auch Strom an die beiden letztgenannten Länder. Die Regierung in Windhoek will Stromimporte verringern und die eigene Stromproduktion durch erneuerbare Energien im Land erhöhen. Diese Politik ist in Namibias nationaler Klimawandel-Strategie mit ergänzendem Aktionsplan für die Jahre 2013 bis 2020 festgeschrieben. Das Dokument wurde den Vereinten Nationen vorgelegt.

NamPower Windhoek Solardach
Der staatliche Energieversorger NamPower geht mit gutem Beispiel voran und hat das Dach seines Hauptgebäudes in Windhoek mit Solarplatten versehen. Foto: NamPower

Stromversorgung mit Solarkraft

Rund 70 MW stammen inzwischen von kleineren Solaranlagen zu je 5 MW, die unter anderem außerhalb der Orte Arandis, Omaruru, Okahandja, Otjiwarongo, Otavi, Rehoboth und Tsumeb von Privatfirmen errichtet wurden. Sie sind ans nationale Stromnetz angeschlossen und verkaufen den Strom an NamPower. Weitere Anlagen sind geplant. Bauarbeiten für das bisher größte Solarkraftwerk von 32 MW bei Mariental im Süden des Landes werden demnächst abgeschlossen.

Als Bergbau- und Energieminister Tom Alweendo Ende 2018 über den neuesten Stand der Energieversorgung informierte, sagte er, dass bis 2020 weitere 70 MW aus erneuerbaren Energiequellen hinzukommen. „Das wird aufgeteilt in 20 MW Solar- und 50 MW Windkraft“, sagte Alweendo. „Bisher haben 19 Firmen Verträge für die Stromeinspeisung von insgesamt 175,5 MW durch erneuerbare Energien unterzeichnet“, erklärte der Minister.

Windmotor Namibia
Farmen und ländliche Gebiete in Namibia nutzen seit Jahrzehnten die Windkraft, um Wasser zu pumpen und Bassins zu füllen. Foto: Shutterstock

Windkraft aus der Wüste bei Lüderitz

Farmern und der ländlichen Bevölkerung ist Windkraft seit Jahrzehnten bekannt. Mit den charakteristischen Windmotoren (siehe Foto) wird Wasser aus Bohrlöchern gepumpt.

Ein neues Kapitel wurde in Namibias Energiesektor geschrieben, als 2018 das erste kleine Windkraftwerk mit fünf Turbinen bei Lüderitzbucht eingeweiht wurde. Der Strom der Ombepo-Anlage fließt ins nationale Stromnetz. ‚Ombepo‘ bedeutet Wind in der Herero-Sprache. Eine französische Firma mit der Stadtverwaltung von Lüderitzbucht als Anteilhaber hat Ombepo gebaut. Die Turbinen sind 80 m hoch und die Flügel sind 43,3 m lang, die Motoren wiegen je 65,7 Tonnen.

Windturbine Lüderitzbucht
Die erste von fünf 80 m hohen Turbinen des Ombepo-Windkraftwerks wurde 9 km außerhalb von Lüderitzbucht aufgebaut. Foto: Innovent

Private Initiativen verbreiten sich

Mehr und mehr private Haushalte in Namibia stellen ihre Energieversorgung um, weil sie Stromkosten senken wollen. Sie können die erzeugte überschüssige Energie mit der monatlichen Stromrechnung verrechnen lassen oder gar an die Stadtverwaltung verkaufen.

Immer mehr Supermärkte, Einkaufszentren und Firmen haben vielerorts ihre Dächer mit Solarplatten auslegen lassen, darunter NamPower sowie das Umwelt- und Tourismusministerium. Touristen-Lodges tun das gleiche, Dieselgeneratoren sind nur noch Reserve.

So hat das für sein Nachhaltigkeitskonzept bekannte Touristikunternehmen Gondwana Collection Namibia bereits 2014 eine Solaranlage auf der Namib Desert Lodge installiert. Nach erfolgreichem Abschluss des Pilotprojekts wurden mit The Desert Grace, Kalahari Farmhouse und der Kalahari Anib Lodge weitere Gastbetriebe der Gondwana-Gruppe mit Solarplatten ausgestattet. Der Prozess dauert an. Die Solaranlagen decken etwa 50 Prozent des Energiebedarfs der jeweiligen Lodges, wobei die Solarplatten auf dem Parkplatz der Kalahari Anib Lodge eine Besonderheit aufweisen: Sie produzieren beidseitig Solarenergie.

Das erste Elektro-Fahrzeug in Namibia wurde Anfang 2018 von Conrad Roedern importiert. Roedern ist Ingenieur und inzwischen im Ruhestand, er hat vor rund 30 Jahren eine der ersten Solar-Installationsfirmen in Namibia gegründet.

Solar-Taxis für die Zukunft

Die Namibia University of Science and Technology (NUST) hat vor kurzem mit einem fachübergreifenden Forschungsprojekt begonnen: ein Solar-Taxi. Die Studenten haben mittels des „Innovation Design Lab (IDL)“ der Universität die ersten Protoypen des Namibian Solar Electric Utility Vehicle (NSEUV) entworfen und das Rohgerüst gebaut. Bald soll das Patent beantragt werden. Das Ziel: Die Solar-Taxis sollen in Namibia und Südafrika gebaut werden, unterstützt von Fachleuten aus der Europäischen Union. Der jetzige Protoyp kann vier Erwachsene mit 320 kg Gesamtgewicht befördern. Solarplatten auf dem Dach des Taxis erzeugen Strom. Lithium-Batterien, die hinten am Fahrzeug befestigt sind, ermöglichen 100 km Fahrt bei 55 km/h Höchstgeschwindigkeit, dann müssen die Batterien ausgetauscht werden.

NUST Solartaxi
Der von Studenten der Universität für Wissenschaft und Technologie entwickelte Prototyp eines Solartaxis hat auf dem Windhoeker Messegelände großes Interesse geweckt. Foto: NUST

Regionales Energiezentrum in Windhoek

Im Oktober 2018 hat ein regionales Zentrum für erneuerbare Energien und Energieeffizienz seine Türen geöffnet. Namibia ist Mitglied der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrikas (Southern African Development Community – SADC). Die Energieminister der 16 Mitgliedsstaaten hatten sich 2015 auf die Gründung des Centre for Renewable Energy and Energy Efficiency (SACREEE) geeinigt. Namibia hatte angeboten, das Zentrum in Windhoek anzusiedeln. Es soll regionale Programme und Projekte planen und durchführen. Das geschieht mit Partnern wie der International Renewable Energy Agency (IRENA), der EU und der Swedish International Cooperation and Development Agency (Sida).

Die UN Industrial Development Organisation (UNIDO) hat technische Unterstützung für die Einrichtung des Zentrums geleistet. Die österreichische Entwicklungsbehörde unterstützt das Zentrum finanziell.

Brigitte Weidlich

 

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