Namibias Politik auf den Punkt – August 2022

0
24641
Namibia, Polizei
Der scheidende Polizei-Chef Sebastian Ndeitunga (L) und sein Nachfolger Joseph Shikongo (R). Foto: Präsidialamt Namibia

Namibia will die Ausbildung seiner Diplomaten vertiefen und eine Akademie gründen, die der Universität von Namibia angegliedert werden soll.

Gründungspräsident Sam Nujoma (93) hat am 28. August in Luanda, Angola an dem feierlichen Staatsbegräbnis für Altpräsident José Eduardo dos Santos teilgenommen.

Ehemalige Freiheitskämpfer, die Mitglieder der regierenden Swapo-Partei sind, fordern, dass ein neuer Parteiflügel für sie gegründet werden soll.

Der Generalinspekteur der namibischen Polizei ist nach 17 Jahren Amtszeit in den Ruhestand getreten.

Bei einer wichtigen Nachwahl um einen Sitz im Regionalrat der Erongo-Region hat die oppositionelle IPC-Partei erneut gewonnen.

IPC-Partei gewinnt Nachwahl in Swakopmund

Im Wahlkreis Swakopmund hat die Independent Patriots for Change (IPC)-Partei bei einer Nachwahl ihren Sitz behalten können. Alle beteiligten Parteien führten bis zum Schluss einen sehr intensiven Wahlkampf. Die Nachwahl war notwendig geworden, nachdem die IPC ihr voriges Regionalratsmitglied Ciske Howard-Smith wegen interner Differenzen aus der Partei ausgeschlossen hatte. Die neue IPC-Kandidatin und Swakopmunder Bürgermeisterin, Louisa Kativa, gewann mit 3.625 Stimmen, der Swapo-Kandidat erhielt 3.122 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 26,5 Prozent, da nur 9.918 der 37.406 ihre Stimme abgaben.

Kommando-Wechsel bei Namibias Polizei

Nach 17 Jahren Amtszeit hat der Generalinspekteur der namibischen Polizei, Sebastian Ndeitunga (60), dem neuen Polizei-Chef Generalleutnant Joseph Shikongo das Kommando übergeben. Ndeitunga tritt in den Ruhestand.

Generalleutnant Shikongo befiehlt nun über 14.000 Männer und Frauen im Polizeidienst.

Der joviale und angesehene Ndeitunga wurde mit einem Sporttag für die Polizeibeamten zu seinem Geburtstag am 19. August, einer Parade durch die Windhoeker Innenstadt elf Tage später und einer fünfstündigen Zeremonie am 31. August verabschiedet.

Kriegsveteranen wünschen mehr Beachtung

Die Veteranen des Befreiungskrieges haben die Regierung aufgefordert, unter anderem einen Schrein in der Sambesi-Region zu errichten. Dort appellieren Veteranen an das Ministerium für Verteidigung und Veteranen-Angelegenheiten, die Veteranen der nationalen Befreiung in der Region zu ehren. Der zuständige Minister Frans Kapofi empfahl, zuerst die mögliche Gedenkstätte zu identifizieren. Die Kriegsveteranen forderten die Regierung auch auf, durch Gemeinschaftsprojekte wie landwirtschaftliche Programme und die Zuteilung von Fischereiquoten die Lebensverhältnisse der Veteranen zu verbessern.

Das Kabinett hat im August beschlossen, die sterblichen Überreste mehrerer Ikonen des Befreiungskampfes zu exhumieren und an ausgewählten Grabstätten wieder zu beerdigen. Dies geschieht im Einvernehmen mit der Regierung und den Familienangehörigen.

Manche Veteranen des Befreiungskampfes, die als Mitglieder des militärischen Flügels der Swapo-Partei gekämpft hatten und auch einer Vereinigung der Ex-Kämpfer angehören, fordern inzwischen, dass sie der Swapo als Flügel angegliedert werden. Die Swapo hat einen Frauen- und einen Jugendflügel sowie den Ältestenrat. Die ehemaligen Kämpfer der Peoples Liberation Army of Namibia (PLAN) fordern nun durch ihre Veteranenvereinigung, ebenfalls als Parteiflügel aufgenommen zu werden. Sie erhoffen sich dadurch mehr Beachtung für ihre Belange.

Herero-Gemeinschaft hält getrennte Gedenkfeiern

Verschiedene Fraktionen der Herero-Gemeinschaft hielten getrennte Gedenkfeiern am Waterberg, um der Schlacht vom 12. August 1904 gegen die koloniale Schutztruppe bei Ohamakari zu gedenken.

Nur eine kleine Gruppe Hereros fand sich am 26. August in Okahandja ein, um den jährlichen Hererotag zu begehen. Vor 99 Jahren wurden an diesem Tag die sterblichen Überreste von Chief Samuel Maharero aus Botswana überführt und in Okahandja bestattet. Maharero war mit Familie einigen Anhängern nach der Schlacht nach Botswana geflüchtet. Sein letzter Wunsch war, in Namibia bestattet zu werden.

Ebenfalls in diesem Monat hat der neue Herero-Stammesführer Mutjinde Katjiua einen Fünf-Punkteplan vorgestellt, den er während seiner Amtszeit umsetzen möchte. Zunächst soll eine verantwortungsvolle, transparente und rechenschaftspflichtige Führung der Stammesbehörde aufgebaut werden. Bildung und Fortbildung der Ovaherero-Gemeinschaft sowie die Entwicklung von Kapazitäten in der Viehwirtschaft und Vermarktung ihrer Nutztiere soll gefördert werden.

Der Völkermord von 1904 bis 1908 und Forderungen nach wiederherstellender Gerechtigkeit seien die vierte Säule, erläuterte Katjiua.

Die Gemeinschaften verteilen sich über Namibia, Botswana, Südafrika, Angola, die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, das Vereinigte Königreich, Deutschland und anderswo. Die fünfte Säule unter seiner Führung soll „gesellschaftliches Engagement“ und Beziehungen zu pflegen. Das bedeute, Frieden zu schließen und sich mit Feinden oder jenen zu versöhnen, mit denen es in der Vergangenheit Differenzen gegeben habe.

Anti-Apartheidsaktivistin Jane Katjavivi verstorben

Die britisch-namibische Anti-Apartheidsaktivistin Jane Katjavivi ist Anfang August im Alter von 70 Jahren verstorben. Sie war die Ehefrau von Namibias Parlamentspräsidenten Peter Katjavivi. Sie lernten einander in den 1970er Jahren in London kennen, als ihr späterer Mann das für Großbritannien und Westeuropa zuständige Exil-Büro der Swapo-Partei leitete. Sie heirateten 1981 in Oxford, als Katjavivi an der Universität Oxford studierte, und kehrten 1989 nach Namibia zurück.

Jane Katjavivi
Jane Katjavivi (Archivbild). Foto: Parlament der Republik Namibia

Jane Katjavivi hatte dann in Windhoek eine Buchhandlung eröffnet und war auch als Autorin tätig. Sie förderte verschiedene junge namibische Autoren und war später die erste Geschäftsführerin des Verlags Unam Press von der Universität von Namibia. Bis vor wenigen Jahren leitete sie die wohltätige Stiftung einer namibischen Handelsbank, die auch Literatur, Kunst und Kultur fördert.

Goethe-Institut und Berlin unterstützen Archiv in Swakopmund

Das Goethe-Institut und das Auswärtige Amt unterstützen die Wissenschaftliche Gesellschaft Swakopmund im Rahmen des International Relief Fund (IRF).

Die Gesellschaft hat ein sechsmonatiges Projekt erfolgreich abgeschlossen, das mit 29.650 Euro (etwa 500.000 N$) gefördert wurde. Dieses Projekt umfasste drei Bereiche: das Swakopmunder Museum als alternatives „Klassenzimmer“, Digitalisierung historischer Zeitungen und die Übertragung des Sam-Cohen-Bücherei-Katalogs in ein Online-System.

Die deutsche Botschaft in Windhoek teilte mit, dass der IRF eine Initiative des Goethe-Instituts, des Auswärtigen Amts und weiterer Akteure zur Linderung der akuten Krise in Kunst und Kultur während der Covid-19-Pandemie sei.

Wie so viele kulturelle Vereinigungen weltweit erlitt die Wissenschaftliche Gesellschaft Swakopmund einen harten Schlag durch die Covid-19-Pandemie, was bis heute zu geringeren Einnahmen durch geringere Besucherzahlen im Swakopmunder Museum sowie der Sam-Cohen-Bibliothek und deren Archiv führte.

Durch den IRF seien Gehälter mitfinanziert worden und somit wichtige Mitarbeiter erhalten geblieben, die Zusammenarbeit des Museums mit lokalen Schulen wurde gestärkt. Historische Zeitungen wurden digitalisiert und ein Teil dieser Kopien ist nun durch Suchfunktion mit Schlüsselwörtern als PDF-Dateien abrufbar. Insgesamt wurden 15.330 historische Zeitungsausgaben gespeichert, während etwa 20.000 noch ausstehen.

Durch die Online-Freigabe eines Teils des Bibliotheks- und Archivkatalogs wurde zudem die Erhöhung der nationalen und internationalen Reichweite und damit der Einkommensbasis der Sam-Cohen-Bibliothek erreicht.

Autorin dieses Beitrags ist Brigitte Weidlich.
Sie war nach ihrem Musik- und Germanistikstudium fast 20 Jahre lang als Berufsmusikerin tätig. Nebenbei machte sie Sendungen für das deutschsprachige Radio der Namibian Broadcasting Corporation (NBC). Inzwischen arbeitet Brigitte vollberuflich als freischaffende Journalistin im Print- und Rundfunksektor. Seit 2014 berichtet sie auch für Gondwana Collection. Für Fragen oder Anregungen ist sie zu erreichen unter .

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here