Namibias Politik auf den Punkt – Februar 2019

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Bibel und Peitsche von Hendrik Witbooi (1830-1905)
Die persönliche Bibel von Hendrik Witbooi und seine Peitsche. Foto: Linden-Museum, Stuttgart

Präsident Hage Geingob hat in seiner Eigenschaft als derzeitiger Vorsitzender der Southern African Development Community (SADC) den Hauptsitz der Staatengemeinschaft in Gaborone in Botswana besucht. Geingob hat sich auch zur Lage in Simbabwe geäußert und gemahnt, dass keine Einmischung von außen erfolgen sollte, das Land könne seine eigenen Probleme lösen. Proteste in Simbabwe seien durch „fremde Kräfte“ unterstützt worden, so Geingob. Er führte außerdem ein Gespräch mit seinem botsuanischen Amtskollegen Masisi. Namibia und Botsuana wollen demnächst visumsfreie Einreisen für ihre Staatsbürger vereinbaren.

Der neu gewählte Präsident der Demokratischen Republik Kongo Felix Tshisekedi reiste Ende Februar zu einem Arbeitsbesuch nach Namibia. Er teilte Geingob als SADC-Vorsitzenden mit, dass er bald einen Ministerpräsidenten der noch zu bildenden Koalitionsregierung ernennen wolle. Ebenso plane, er „Frieden und Stabilität“ im Land wieder herzustellen. Tshisekedi kündigte an, alle politischen Gefangen freilassen zu wollen. Geingob lobte Tshisekedi für seine Pläne.

Eine hochrangige Regierungsdelegation aus Baden-Württemberg unter Wissenschaftsministerin Theresia Bauer reiste Ende Februar nach Namibia für die Rückgabe der Bibel und der Peitsche des legendären Nama-Stammesführers Hendrik Witbooi.

Namibias Regierung hat eine 15-köpfige Untersuchungskommission ernannt, die binnen zwölf Monaten Vorschläge für Ansprüche auf vorväterliches Land seitens der durch Kolonialisierung und Apartheid betroffenen Bevölkerungsgruppen untersuchen soll. (Lesen Sie hierzu mehr bei Namibias Wirtschaft auf den Punkt).

Die Organisation von Einwohnern ohne Grundbesitz (Landless Peoples Movement, LPM) hat erfolgreich beantragt, als politische Partei registriert zu werden. Die Wahlkommission hat dem Antrag stattgegeben. Ende des Jahres finden in Namibia Parlaments- und Präsidentenwahlen statt.

Parlamente von Berlin und Windhoek tauschen sich aus

Der namibische Parlamentspräsident Peter Katjavivi reiste mit mehreren Abgeordneten offiziell nach Berlin um sich mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und Bundestagsabgeordneten auszutauschen. Katjavivi betonte erneut, dass die Gründung einer bilateralen parlamentarischen Freundschaftsgruppe den Kontakt beider Parlamente vertiefen würde. „Der Bundestag hat in zwei verabschiedeten Resolutionen das besondere Verhältnis zwischen Deutschland und Namibia bestätigt, was mit der gemeinsamen Vergangenheit beider Länder zusammenhängt“, sagte Katjavivi in Berlin. „Wir hoffen, dass die derzeitigen Genozidverhandlungen, die koloniale Gräueltaten zwischen 1904 und 1908 betrifft, bald abgeschlossen werden. Beide Parlamente vereinbarten Kooperationsprogramme, unter anderem soll die Arbeit der parlamentarischen Ausschüsse in Namibia unterstützt werden.

Kurz vor der Berlinreise der namibischen Parlamentarier besuchte MdB Ottmar von Holtz (Grüne) Namibia um sich in Gesprächen mit den Nachfahren der Opfer im Rahmen der Genozidverhandlungen und der Landreform zu informieren. Er unterhielt sich auch mit kommerziellen Farmern.

Am 23. Februar reisten Mitglieder des Bundestags-Haushaltsausschusses für eine Woche nach Namibia. MdB Christian Haase (CDU/CSU) leitete die Delegation. Die Berichterstatterreise zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) informierte sich über nachhaltige Waldbewirtschaftung und klimafreundliche Erzeugung und Verarbeitung nachwachsender Ressourcen. Das BMEL koordiniert die internationale Waldpolitik der Bundesregierung und fördert internationale und bilaterale Projekte, um der fortschreitenden Entwaldung entgegenzuwirken und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung voranzubringen. Anschließend reiste die Delegation nach Südafrika.

Neben Gesprächen mit Parlamentariern und Vertretern der Land- und Forstwirtschaftsministerien traf sich die Delegation mit Mitgliedern der Namibian Charcoal Association (Grillkohle-Produzenten) und der Community Forest Group in Ncumcara im Nordosten Namibias. Die Abgeordneten besuchten auch die von deutschen Organisationen geförderten Gemeindewälder und Projekte zur Verarbeitung von Busch-Biomasse und zur Holzkohle-Erzeugung.

Trauer um zwei Persönlichkeiten

Namibia musste von dem Topnaar-Stammesführer Seth Madawa Kootjie Abschied nehmen, der Anfang Februar im Alter von 65 Jahren verstarb. Chief Kooitjie war der 39. Stammesführer der Topnaar (lesen Sie unseren Artikel über die Topnaar), die seit mehreren Jahrhunderten am Kuiseb-Fluss ansässig sind und zur Nama-Sprachgruppe gehören. Kooitjie war Vorsitzender der Vereinigung Nama-sprechender Stammesführer und war eine der treibenden Kräfte beim Bemühen, die kolonialen Gräueltaten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, was schließlich zu den Genozidverhandlungen auf Regierungsebene führte. Kooitjies Sarg wurde der Tradition gemäß mit einem von vier Eseln gezogenen Eselkarren zum Grab gebracht. Er wurde neben seinem Vater und Vorgänger am Kuiseb beerdigt.

Hanno Rumpf
Namibias ehemaliger Botschafter in Berlin, Hanno Rumpf. Foto: Außenministerium Namibia

Auch der deutschsprachige ehemalige Diplomat Hanno Rumpf verstarb im Februar, er wurde 60 Jahre alt. Rumpf war vor Namibias Unabhängigkeit 1984 als junger Mann ins Exil gegangen, um der zweijährigen Wehrpflicht der südafrikanischen Apartheids-Regierung zu entgehen. Er wurde Mitglied der SWAPO-Partei. Gleich nach Namibias Unabhängigkeit wurde er Staatssekretär im Umwelt- und Tourismusministerium, ab 1995 im Handelsministerium und von 1999 bis 2003 in gleicher Funktion in der Planungskommission. Im selben Jahr wurde er zum Botschafter ernannt und nach Berlin entsandt. Einige Jahre später war er Namibias Botschafter bei der EU in Brüssel und den Benelux-Staaten. 2015 trat er aus eigenem Wunsch in den Ruhestand, den er in Swakopmund verbrachte. Präsident Geingob würdigte Rumpfs Verdienste in einem Kondolenzschreiben. Bei der öffentlichen Trauerfeier in der Windhoeker Christuskirche sagte Außenministerin Netumbo Nandi-Ndaitwah, Rumpf sei ein sehr guter Diplomat gewesen.

Stuttgart gibt Bibel von Hendrik Witbooi zurück

Baden-Württemberg hat die während eines Überfalls der deutschen Schutztruppe am 12. April 1893 entwendete Bibel des Nama-Stammesführers Hendrik Witbooi zurückgegeben. Witbooi und sein Gefolge wurden frühmorgens in ihrer Siedlung Hornkranz knapp 120 km südwestlich von Windhoek von der kolonialen Schutztruppe überfallen. Unter dem Beutegut war Witboois Exemplar des 1866 in Berlin gedruckten Neuen Testaments in der Nama-Sprache. Ein Beamter der deutschen Kolonialverwaltung hatte es später dem Linden-Museum in Stuttgart überlassen, ebenso Witboois Peitsche. Namibias Regierung hat seit 2013 die Rückgabe der Bibel gefordert.

Ankunft der Bibel
Nach der Ankunft am Flughafen bei Windhoek hält Namibia Bildungsministerin Katrina Hanse-Himarwa in traditioneller Nama-Tracht die Witbooi-Bibel, während der jetzige Chief Witbooi seine Hände darauflegt. Foto: Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer überbrachte am 28. Februar bei einem Staatsakt in Gibeon, 360 km südwestlich von Windhoek, Präsident Hage Geingob die Bibel und die Peitsche. Im Rahmen einer „Namibia-Initiative“ sollen verschiedene Kooperationsprojekte mit Namibias Museen, Archiven und Hochschulen zur Kolonialgeschichte anlaufen, so Ministerin Bauer. Das Bundesland will dafür N$20 Millionen (etwa 1,25 Millionen Euro) bereitstellen.

Brigitte Weidlich

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