Namibias Wirtschaft auf den Punkt – April 2019

0
1211
Namibias Wirtschaft auf den Punkt

Mit dem Ende der Regenzeit im April, war in den meisten Regionen Namibias wieder wenig Regen zu verzeichnen, außer in den östlichen und südöstlichen Gebieten, wo nach einem Sturm große Flächen mit Hagel bedeckt waren, der wie Schnee aussah und einige Stunden später schmolz. Teile der Kunene-Region erhielten in den letzten Apriltagen einige Regenfälle. Namibias Bergbaukammer wird in diesem Jahr 50 Jahre alt und feiert das goldene Jubiläum auf seiner jährlichen Bergbaukonferenz und Expo am 8. Mai, kündigte die Organisation an.

Präsident Hage Geingob nahm an der jährlichen „Horasis“-Konferenz im portugiesischen Cascais teil, auf der er erklärte, dass der Namibia-Dollar vorerst an dem südafrikanischen Rand gekoppelt bleibt. Das lokale Tourismusunternehmen Gondwana Collection Namibia gab bekannt, dass es die beliebte Palmwag Lodge und die Omarunga Lodge in der Kunene-Region erworben hat. Buchungen für diese beiden Lodges über die Gondwana-Plattform beginnen am 1. Mai. Die Inflationsrate in Namibia lag im März bei 4,5 Prozent, verglichen mit 4,4 Prozent im Februar, teilte die nationale Statistikbehörde mit. Die Bank of Namibia beließ ihre Leitzinsrate im April bei 6,75 Prozent und prognostizierte für das Land ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent und für 2020 von 1,3 Prozent.

Präsident Geingob ernennt Wirtschaftsbeirat

Einen Tag vor seinem Flug nach Portugal für die internationale Wirtschaftskonferenz „Horasis“ ernannte Präsident Hage Geingob für zwölf Monate einen „hochrangigen Ausschuss der namibischen Wirtschaft“ mit 22 Mitgliedern – hauptsächlich lokale Geschäftsleute und Finanzexperten. Präsident Geingob gab bekannt, dass mit diesem Schritt der ehemalige Wirtschaftsbeirat des Präsidenten erneuert und ein anderes Mandat erhalten habe. Die Vorstandsvorsitzende der Hospitality Association of Namibia (HAN), Gitta Paetzold, ist ebenfalls im Gremium vertreten. Vorsitzender des Panels ist Johannes Gawaxab, ehemaliger langjähriger Geschäftsführer des Finanzinstituts Old Mutual Africa. Geingob beauftragte die Mitglieder des Gremiums, auf Fakten gestützte Analysen der namibischen Wirtschaft vorzulegen und der Regierung Empfehlungen zu unterbreiten, „um die volkswirtschaftliche Leistung Namibias durch privatwirtschaftliche Investitionen zu beleben und zu beschleunigen“. Das Gremium muss Empfehlungen zu Strategien geben, „um Namibia als Tourismus- und Investitionsziel der Wahl zu positionieren“ und eine „Brand Namibia“-Strategie zu entwickeln. Später in diesem Jahr wird die Regierung einen Gipfel für Namibias Wirtschaftswachstum einberufen, gab Geingob bei der gleichen Gelegenheit bekannt. Es sei noch kein Datum für den Gipfel genannt worden.

Präsident Hage Geingob
Präsident Hage Geingob nahm im April am Horasis Wirtschaftsgipfel in Portugal teil. Foto: Präsidialamt

Am 17. April hielt Präsident Geingob in der Nationalversammlung seine jährliche Rede zur Lage der Nation. In den vergangenen zwölf Monaten seien 34 Investitionsprojekte im Wert von 2,65 Milliarden N$ (rund 165 Millionen Euro) gesichert worden, wodurch 1.601 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, sagte er. Etwa 95 Prozent aller Haushalte habe nun Zugang zu sauberem Trinkwasser, teilte Geingob mit. Das Staatsoberhaupt informierte die Parlamentsabgeordneten auch, dass die Regierung im Rahmen der staatlichen Wohnungsbauprogramme 10.584 Einfachhäuser für Niedrigverdiener bauen ließ und sich weitere 2.734 Häuser im Bau befinden.

Mehr Investitionen des Privatsektors

Die Supermarktkette „Pick n Pay“ hat im April eine weitere Niederlassung in Ondangwa im Norden Namibias eröffnet. „Pick n Pay“ ist eine Tochtergesellschaft der lokalen Ohlthaver & List Gruppe (O&L). Die namibische technische und Outdoor-Firma CYMOT hat eine neue Niederlassung in Grootfontein eröffnet, und das Bauunternehmen „Build it“ eröffnete eine Niederlassung in Omuthiya nördlich von Tsumeb.

Eine weitere O&L-Tochtergesellschaft, Hangana Seafood in Walvis Bay, erweitert ihre Fischfabrik um eine neue Fischverarbeitungsanlage. Die Investitionskosten belaufen sich auf N$300 Millionen (rund 18,7 Millionen Euro). Die Bauarbeiten haben bereits begonnen und werden bis September 2020 abgeschlossen sein. Der O&L-Vorsitzende Sven Thieme informierte den Fischereiminister Bernard Esau diesen Monat bei einem Besuch vor Ort darüber. Dadurch wird die Verarbeitungskapazität von Hangana von 21.900 Tonnen pro Jahr auf weitere 25.000 Tonnen erhöht. „Die neue Fabrik wird auch eine Kühlkapazität von 2.500 Tonnen haben“, fügte Thieme hinzu. Thieme ist auch Mitglied des präsidialen Wirtschaftsgremiums.

Namibias einzige, zu 100 Prozent im namibischen Besitz stehende Handelsbank, die Bank Windhoek, kündigte an, Kredite für Häuser zu vergeben, die vom deutschen Unternehmen Polycare Research Technologies gebaut werden. Polycare entwickelte Backsteine aus Sand ohne Zement und Wasser mit einem speziellen Harz. Durch diese Lego-Bauweise wird die Bauzeit auf weniger als vier Wochen verkürzt. Das Unternehmen hat im Januar eine Fabrik außerhalb von Windhoek eröffnet.

Brexit könnte auch Namibia betreffen

Ein ‚No-Deal‘ Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union könnte sich in Form von Zöllen und Importquoten negativ auf Namibia auswirken, sagte der Handels- und Industrialisierungsminister Tjekero Tweya. Er hat das Parlament Ende April in einer ministeriellen Erklärung informiert, dass Verhandlungen mit der südafrikanischen Zollunion (Sacu) und London geführt werden. „Der No-Deal-Austrittsplan des Vereinigten Königreichs würde vorschreiben, dass 87 Prozent der Waren aus Namibia zollfrei wären, aber es werden Tarife für rund 469 Waren beibehalten, um bestimmte Industrien zu schützen. In Namibias Fall werden auf Rindfleisch Einfuhrzölle erhoben“, sagte Tweya. Dies bedeutet für Namibia einen jährlichen Verlust von bis zu 50 Millionen N$ (etwa 3,1 Millionen Euro). Nach Großbritannien exportierte Tafeltrauben würden nicht von Zöllen betroffen sein, sagte Tweya. Großbritannien wird die EU bis zum 31. Oktober verlassen und hofft, bis dahin einen Brexit-Deal mit Brüssel zu erzielen.

Diamantproduktion etwas niedriger

Diamantenabbau Namibia
Diamantenabbau an Namibias Küste. Foto: Debmarine Namibia

Die De Beers Diamond Group veröffentlichte ihre Produktionsergebnisse für das erste Quartal dieses Jahres. In Namibia wurden von Januar bis März 483.000 Karat produziert, neun Prozent weniger als im ersten Quartal 2018. Grund dafür war die beginnende Stilllegung der Elisabeth-Mine südlich von Lüderitzbucht. Im Jahr 2018 stieg die Diamantenproduktion von Namdeb und Debmarine, die beide im Besitz der namibischen Regierung und von De Beers sind, um zwölf Prozent.

Dürrehilfe für Farmer

Landwirtschaftliche Organisationen im Privatsektor haben bisher fast N$5 Millionen (rund 310.000 Euro) an Spenden gesammelt, um Tierfutter für von der Dürre schwer betroffene Farmer zu kaufen. Das Zufutter – Heu und Luzerne – wird den Bedürftigen zu stark subventionierten Preisen angeboten. Wildtierfarmen werden auch von schlechten Weideverhältnissen wegen Regenmangels getroffen und füttern Antilopen und Nashörnern zu. Entlang vieler Fernstraßen sind Arbeiter zu sehen, die Grasbündel schneiden und sie als Zufutter an bedürftige Farmer verkaufen.

Inzwischen hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen diesen Monat ein fünfjähriges Förderprogramm für Landwirte im Norden Namibias für N$140 Millionen (rund 8,7 Mio. EUR) unterzeichnet. In diesem Rahmen wird die Widerstandsfähigkeit der Subsistenzfarmer angesichts des Klimawandels und Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen gestärkt.

Brigitte Weidlich

Tintenpalast Windhoek
Die Nationalversammlung (Parlament) tagt im Tintenpalast im Herzen von Windhoek, dort findet zurzeit die Haushaltsdebatte statt. Foto: Nationalversammlung

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here