Namibias Wirtschaft auf den Punkt – April 2020

0
4330
Namibias Wirtschaft auf den Punkt

Gute und weit verbreitete Regenfälle fielen im April, sogar in einigen Gebieten im Süden Namibias. Die meisten Staudamm-Pegel stiegen, wobei die Staudämme um Windhoek jetzt zu über 80 Prozent gefüllt sind.

Aufgrund der Covid-19-Pandemie gelten in Namibia seit dem 28. März bis 4. Mai ebenfalls restriktive Maßnahmen. Wichtige Veranstaltungen wie die jährliche Bergbaukonferenz und -Messe wurden verschoben. Namibias Grenzen sind geschlossen, ausgenommen sind der Transport wesentlicher Güter und Notreisen. Flughäfen sind ebenso geschlossen wie Schulen und Hochschulen. Es gibt keine Sitzungen im Parlament. Während der Sperrfrist dürfen keine Mitarbeiter entlassen werden.

Bisher wurden nur 16 Covid-19-Fälle offiziell bestätigt, und bis zum 30. April wurden keine Todesfälle im Zusammenhang mit Corona registriert. Die Ausgangssperre wird ab 5. Mai gelockert, kleine Geschäft dürfen öffnen und Reisen innerhalb Namibias sind dann wieder erlaubt.

Die namibische Regierung hat ein Hilfspaket für die lokale Wirtschaft in Höhe von N$8,1 Mrd. (ca. 400 Mio. Euro) aufgelegt, und die Zentralbank senkte ihre Leitzinsrate zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen um 100 Basispunkte – der Leitzins steht nun bei 4,25 Prozent.

Die erste Fracht namibischen Rindfleischs kam in den USA an. Namibia ist das erste afrikanische Land, das Fleisch in die USA exportiert. Der 25-Tonnen-Container erreichte am 17. April sein Ziel in den USA.

Der bekannte Wildtier- und Naturschutzexperte Garth Owen-Smith, der fast 40 Jahre in Namibia gearbeitet hat, ist im Alter von 76 Jahren gestorben.

Laut dem jüngsten Finanzstabilitätsbericht der Bank of Namibia, der im April veröffentlicht wurde, wird Namibias Wirtschaft dieses Jahr um 6,9 Prozent schrumpfen, aber 2021 um etwa 1,8 Prozent wachsen. Die Inflationsrate für März 2020 lag nach Angaben der nationalen Statistikbehörde bei 2,4 Prozent (Februar 2,5%).

Präsident Geingob und Johannes Gawaxab
Präsident Hage Geingob (L) hat den Geschäftsmann Johannes Gawaxab (R) zum Übergangspräsidenten der Bank of Namibia ernannt. Gawaxab wird ab 1. Juni für 18 Monate im Amt sein. Sein Vorgänger Ipumbu Shiimi wurde im März zum Finanzminister ernannt. Foto: Präsidialamt Namibia

Bis Mitte 2021 keine Stromtariferhöhung

Der Elektrizitätskontrollrat hat den Antrag des staatlichen Stromversorgers abgelehnt, die Massenstromtarife ab dem 1. Juli um 3,9 Prozent zu erhöhen. NamPower beantragte eine Erhöhung des Massentarifs von N$1,65 (ca. 8,25 Euro Cent) pro Kilowattstunde (kWh) auf N$1,71 pro kWh.

Der Rat lehnte dies hauptsächlich aufgrund von Covid-19 und seiner Auswirkungen auf die namibische Wirtschaft und die Verbraucher ab. Die seit Juli 2019 geltenden Massenstromtarife bleiben somit bis zum 30. Juni 2021 unverändert.

Massives Konjunkturpaket für die Wirtschaft

Anfang April kündigte die Regierung ein wirtschaftliches Rettungspaket in Höhe von N$8,1 Mrd. (ca. 400 Mio. Euro) für die Wirtschaft an, das aus Darlehensprogrammen, einer einmaligen Einkommenszuschusszahlung für Niedrigverdiener und Erstattungen von Mehrwertsteuer (MwSt.) besteht. Der neue Finanzminister Ipumbu Shiimi sagte, für nicht landwirtschaftliche Kleinunternehmen, die aufgrund von Covid-19 erhebliche Verluste erlitten haben, wird von der Regierung ein Darlehensprogramm in Höhe von N$500 Mio. (25 Mio. Euro) zur Verfügung gestellt und garantiert. Die Entwicklungsbank von Namibia (DBN) wird diese Darlehen bereitstellen.

Von der Regierung werden Darlehen in Höhe von N$200 Mio. (ca. 10 Mio. Euro) für Landwirte mit Cashflow-Problemen und kleine bis mittlere landwirtschaftliche Firmen mit erheblichen Einnahmeverlusten garantiert. Diese Darlehen werden von der AgriBank bereitgestellt. Rund N$562 Mio. (ca. 28,1 Mio. Euro) sind als Noteinkommenszuschuss für Personen bereitgestellt, die unterhalb der Steuerschwelle verdienen. Ab N$50.000 (ca. 2.500 Euro) pro Jahr müssen Steuern gezahlt werden.

Es wird erwartet, dass über 300.000 Personen davon profitieren und die einmalige Notzuschusszahlung von N$750 (ca. 37,50 Euro) erhalten werden.

Weitere Darlehen in Höhe von N$470 Mio. (23,5 Mio. Euro) werden Steuerzahlern im nicht bergbaulichen Sektor zur Verfügung gestellt, die Kredite bis zu einem Zwölftel ihrer Steuerzahlungen des vorigen Steuerjahrs zu einem Zinssatz von einem Prozent unterhalb des Leitzinssatzes aufnehmen können.

Die Regierung garantiert diese Kredite, die innerhalb eines Jahres zurückgezahlt werden müssen. Kreditanträge müssen bei Geschäftsbanken gestellt werden.

Das Finanzministerium schuldet Unternehmen und Selbständigen Mehrwertsteuer-Rückerstattungen in Höhe von insgesamt N$3 Mrd. (etwa150 Millionen Euro). Diese Zahlungen werden nun beschleunigt. Weitere N$800 Mio. (ca. 40 Mio. Euro) unbezahlter Rechnungen für Waren und Dienstleistungen, die die Regierung Unternehmen schuldet, werden laut Shiimi bald bezahlt.

Die Regierung hat dem Gesundheitsministerium N$1,1 Mrd. N $ (ca. 55 Mio. Euro) zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie zur Verfügung gestellt.

Covid-19 Klinik
Wegen der Covid-19-Pandemie gelten an öffentlichen Plätzen restriktive Maßnahmen. Die kleine staatliche ambulante Versorgungsstation in der Windhoeker Innenstadt hat sich angepasst. Foto: Gesundheitsministerium

Virtuelle Treffen, Kurse und Auktionen

Während private und einige öffentliche Schulen sowie Universitäten in Namibia sich schnell an neue Technologien wie E-Learning und das Versenden von Lernmaterialien über soziale Medien an Schulkinder und Studenten anpassten, wechselten mehrere Regierungs-Institutionen zu E-Konferenzen und virtuellen Pressekonferenzen, einschließlich Live-Streams.

Die Universität von Namibia (UNAM) gab bekannt, dass es am Ende des ersten Semesters im Juni aufgrund der Corona-Krise keine Prüfungen für Studenten geben wird. Die Noten werden vergeben, indem der Durchschnitt der Noten für Aufgaben per E-Learning berechnet wird.

Eine weitere Neuheit ist, dass die internationale Pelz- und Fellauktion im April in Kopenhagen, Dänemark, abgesagt und auf Online-Auktion umgestellt wurde. Die berühmten Swakara-Felle aus Namibia wurden daher nicht sechs Wochen im Voraus nach Dänemark verschifft, sondern am 22. April online versteigert. Die Swakara-Felle werden später im Jahr nach dem Ende der Covid-19-Pandemie direkt aus Namibia an die Käufer geliefert.

In der letzten Aprilwoche wurden einige Sperrmaßnahmen für Buchhandlungen aufgehoben, die auch Schulbücher und Lernmaterialien verkaufen. Einige Textilgeschäfte durften öffnen mit der Auflage, nur Winterkleidung zu verkaufen.

Einige informelle Märkte in Ondangwa, Oshakati, Ongwediva, Katima Mulilo und Windhoek durften Ende April öffnen, aber nur von 9 bis 17 Uhr. Kochen ist nicht erlaubt, soziale Distanz von einem Meter muss eingehalten werden. Händler müssen ein Handelszertifikat haben und Masken und Schürzen tragen.

Großzügige Spenden gegen Covid-19

Mehrere namibische Unternehmen haben seit März großzügig in bar und in Form von Sachleistungen an den staatlichen Covid-19-Notfallfonds gespendet. Die Europäische Union hat Namibia N$172 Millionen (ca. 8,6 Millionen Euro) gegen COvid-19 und die US-Regierung N$100 Mio. (ca. 5 Millionen Euro) gespendet.

Swakopmunder Elefant nach Khomas umgezogen

Inmitten der Covid-19-Sperrung und der stark betroffenen Tourismusbranche wurde in diesem Monat eine erfolgreiche „Operation Elefant“ abgeschlossen. Der Elefantenbulle, der am 24. Dezember 2019 plötzlich am östlichen Stadtrand von Swakopmund aufgetaucht war und zum Omaruru River getrieben wurde, ist im Februar zurückgekehrt und ließ sich im Swakop Rivier in der Nähe des Golfplatzes nieder. Nun wurde er betäubt und in ein neues Zuhause transportiert. Der Elefant liebte die Küste so sehr, dass er fast jede Nacht das Swakop Rivier hinunter bis zur Autobrücke lief, wo er sich am Schilf gütlich tat und angeblich in den Teichen in Strandnähe gebadet hatte.

Leider kamen durch die Neugier dieses Elefanten einige Zäune und die Infrastruktur einiger Kleinsiedlungen entlang des Swakop-Flusses außerhalb der Stadt zu Schaden.

Die N$ 550.000 ((ca. 27.500 Euro) teure Umsiedlung des Elefanten wurde von niemand anderem als der Familie der US-amerikanischen Schauspielerin Angelina Jolie bezahlt. Ihr erstes leibliches Kind mit dem Schauspieler Brad Pitt, Shiloh, wurde 2006 in Swakopmund geboren. Die berühmte Familie verbringt häufig Zeit im N/a’an ku sê -Schutzgebiet außerhalb von Windhoek. Das „Shiloh Wildlife Sanctuary“ wurde vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit der N/a’an ku sê Stiftung gegründet. Es zahlte für den Umzug des Elefanten, der von Shiloh Jolie-Pitt den jetzt den Namen Apollo erhielt.

Elefant Swakopmund
Ein Elefantenbulle, der vor etwa 2 Monaten am Stadtrand von Swakopmund auftauchte, wurde in ein privates Hegegebiet östlich von Windhoek umgesiedelt. Foto: Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus (MEFT)

Hommage an den Naturschützer Garth Owen-Smith

Der Naturschutzexperte Garth Owen-Smith, einer der Pioniere des kommunalen Naturschutzsystems in Namibia, ist am 11. April im Alter von 76 Jahren nach einem langen Kampf gegen Krebs gestorben.

Kommunaler Naturschutz verbindet den Schutz namibischer Wildtiere mit einer nachhaltigen ländlichen Entwicklung und ist seitdem ein Modell für den Schutz wild lebender Tiere in ganz Afrika geworden. Der in Südafrika geborene Owen-Smith arbeitete in Simbabwe im Naturschutz und kam in den 1980er Jahren nach Namibia, um auf diesem Gebiet in der heutigen Region Kunene, früher Damaraland und Kaokoland genannt, zu arbeiten.

Er war eine Schlüsselfigur bei der Eindämmung der Wilderei in diesen Gebieten, insbesondere bei Elefanten und schwarzen Nashörnern. Nach der Unabhängigkeit Namibias 1990 war er Mitbegründer der Organisation Integrated Rural Development and Nature Conservation (IRDNC). Sie wurde eine führende NGO für Naturschutz, die auch in den Regionen Kavango und Sambesi tätig ist.

Neben mehreren internationalen Auszeichnungen für seine Naturschutzarbeit erhielt Owen-Smith 2015 den ‚Prince William Lifetime Conservation Award‘ vom Tusk Trust in London. Prinz William, Herzog von Cambridge, besuchte 2018 die Kunene-Region, um mehr über Gemeindeschutzmaßnahmen und Maßnahmen gegen Wilderei zu erfahren.

Brigitte Weidlich

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here