Namibias Wirtschaft auf den Punkt – August 2021

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Namibias Wirtschaft auf den Punkt

Ein paar warme Tage zwischen kaltem Winterwetter im August mit starken Winden brachten schwere Buschbrände, die Tausende Hektar im Gebiet von Dordabis und Groot Aub südöstlich von Windhoek zerstörten. Auch in der Nähe des Daan-Viljoen-Parks westlich der Hauptstadt wüteten Brände.

Als neues Tochterunternehmen der Lufthansa Group verbindet Eurowings Discover ab sofort fünfmal wöchentlich Frankfurt mit Windhoek. Fly Westair, eine lokale Fluglinie, fliegt jetzt von Windhoek nach Rundu.

Deutschland und Namibia haben offiziell eine Absichtserklärung für eine Partnerschaft zum Ausbau der Produktion von grünem Wasserstoff in Namibia unterzeichnet.

Das internationale Diamantenunternehmen De Beers wird das renommierte Magazin National Geographic dabei unterstützen, den berühmten Okavango-Fluss von seinem Ursprung in Angola über Namibia bis zum Delta in Botswana zu erhalten und zu schützen.

Das Mobilfunkunternehmen MTC wird demnächst an der namibischen Börse (NSX) notiert.

Namibia hat zwischen April und August dieses Jahres über 160.000 Tonnen Salz exportiert.

Grafik namibischer Salzexporte
Die Grafik zeigt erhöhte Salzexporte. Grafik: NamPort
Salzexporte, Namibia
Seit April exportierte NamPort insgesamt 160.186 Tonnen Salz (in Säcken und lose) über Walvis Bay an verschiedene Bestimmungsorte, einschließlich Westafrika. Foto: NamPort

Die Zentralbank beließ ihre Leitzinsrate diesen Monat erneut unverändert bei 3,75 Prozent – den 12. Monat in Folge.

Namibias Inflationsrate im Juli betrug 4,0% (Juni: 4,1%)

Deutschland und Namibia kooperieren bei grünem Wasserstoffprojekt

Die namibische Regierung hat mit Deutschland ein grünes Wasserstoff-Partnerschaftsabkommen unterzeichnet. Der Generaldirektor der Nationalen Planungskommission, Obeth Kandjoze, und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek haben die Vereinbarung am 27. August in Windhoek und Berlin im Rahmen einer virtuellen Feierstunde hinter verschlossenen Türen unterzeichnet.

Bundesministerin Anja Karliczek sagte, dass beide Länder grünen Wasserstoff für ihren Energiebedarf nutzen wollen. „Ich bin stolz, dass wir das erste Land sind, das formell eine Wasserstoffpartnerschaft mit Namibia abgeschlossen hat“, sagte sie. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die Zusammenarbeit im Rahmen dieser Partnerschaft mit bis zu 40 Millionen Euro (rund N$700 Millionen). Für den Start einer grünen Wasserstoffwirtschaft habe Namibia „enormes Potential“.

Gute Windgeschwindigkeiten in Namibia machen die Erzeugung von Windstrom besonders profitabel. Solarenergie wäre eine weitere Option, da Namibia mehr als 3.500 Sonnenstunden pro Jahr hat. „Das ist fast doppelt so viel wie in Deutschland. Wir gehen daher davon aus, dass ein Kilo Wasserstoff aus Namibia etwa zwischen 1,50 und 2 Euro kosten wird. Das wäre ein weltweiter Spitzenwert, der zu einem enormen Standortvorteil für Wasserstoff aus Namibia werden könnte“, sagte sie.

Deutschland prognostiziert, dass es bis 2030 jährlich 1,7 Millionen Tonnen grünen Wasserstoffs benötigen würde – ohne seine Raffinerien.

Namibias Generaldirektor der Nationalen Planungskommission, Obeth Kandjoze, sagte seinerseits, Namibia sei besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels.

„Wir beabsichtigen, Machbarkeitsstudien und Pilotanlagen zu finanzieren, die wettbewerbsfähige Lösungen mit Spitzentechnologien eröffnen und das von unseren Wissenschaftlern identifizierte Potential für grünen Wasserstoff in Namibia nutzen“, sagte Kandjoze.

Namibia will vor 2025 grünen Wasserstoff exportieren, der aus Solar-/Windkraft und entsalztem Wasser aus dem Atlantik hergestellt wird. Der Süden Namibias ist ein potentieller Produktionsstandort. Namibia erwartet, jährlich etwa N$800 Millionen (rund 46 Mio. Euros) durch den Export von grünem Wasserstoff zu verdienen. Laut Präsident Hage Geingob, der diesen Monat die offene Ausschreibung des Projekts für lokale und internationale Investoren eingeleitet hat, sind Investitionen von bis zu N$6 Milliarden (ca. 346,2 Mio. Euros) erforderlich.

Eurowings Discover startet Flüge nach Namibia

Die neueste Ferienfluggesellschaft der Lufthansa Gruppe, Eurowings Discover, absolvierte am 11. August ihren Jungfernflug von Frankfurt nach Windhoek. Eurowings Discover betreibt fünf wöchentliche Verbindungen von Frankfurt nach Windhoek mit Rückflügen montags, mittwochs, freitags, samstags und sonntags.

Ab Mitte 2022 wird die Ferienfluggesellschaft die täglichen Flüge mit drei Weiterflügen nach Victoria Falls in Simbabwe ausweiten. Kapitän Wolfgang Raebiger, der auch Geschäftsführer der neuen Airline ist, führte den Erstflug nach Windhoek durch. Das Flugzeug wurde von einer Delegation namibischer Amtsträger und dem deutschen Botschafter Herbert Beck begrüßt.

„Mit der Feier der Einführung von Eurowings Discover, die zum ersten Mal auf namibischem Boden landet, schreiben wir heute nicht nur Geschichte, sondern bieten unseren namibischen Kunden auch die Möglichkeit, zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen mit ihren Familien und Freunden im Ausland in Kontakt zu treten“, sagte Raebiger. Reisende können zwischenzwei Klassen wählen und Geschäftsleuten wird ein anspruchsvolles Business-Class-Produkt geboten.

Weitere Nachrichten aus der Luftfahrt sind, dass das lokale Unternehmen FlyWestair am 24. August seine namibischen Strecken nach Rundu in der Region Kavango-Ost erweitert hat. Zwei Flüge pro Woche – dienstags und donnerstags – starten vom Flughafen Eros in Windhoek nach Rundu.

Lokaler Mobilfunkriese geht an die Börse

Namibias erstes und größtes Mobilfunkunternehmen (MTC), das sich derzeit vollständig im Besitz der Regierung befindet, hat von der Namibia Stock Exchange (NSX) grünes Licht für seinen Antrag auf Zulassung zur Notierung erhalten. MTC wird 49 Prozent der Anteile an einfache Bürger verkaufen und 51 Prozent behalten. Dies wird die größte Notierung eines lokalen Unternehmens in der Geschichte der namibischen Börse sein. Am 20. September wird der Unternehmensprospekt mit Angaben unter anderem zu dem Aktienpreis veröffentlicht.

Interessierte lokale Käufer können ab dem nächsten Monat bis Anfang November Gebote abgeben. Die offizielle Notierung ist für Ende November geplant. MTC ist auch das erste staatliche Unternehmen, das am NSX gelistet wird.

Lokale Milchproduktion geht zurück

Die Namibia Agricultural Union (NAU) hat gewarnt, dass der Milchsektor Namibias vom Zusammenbruch bedroht ist. Die Milchproduktion im Land sei in den letzten zwei Jahren drastisch zurückgegangen – von 21 Millionen Liter im Jahr 2019 auf 17 Millionen Liter im letzten Jahr. Die diesjährige Produktion könnte um weitere 5 Millionen Liter auf 12 Millionen Liter pro Jahr sinken. Bis Ende 2018 produzierte Namibia mit 24 Millionen Litern noch doppelt so viel.

Superfarm Mariental, Namibia
Eine Milchkuh und ein Hundeführer der Mariental Superfarm. Foto: Namibia Molkereien

Nachdem Ende Juli zwei Milchviehhalter ihre Produktion eingestellt haben, sind nur noch sieben Erzeuger in Betrieb, darunter die Superfarm vor den Toren Marientals. Niedrige Milchpreise, die von Abnehmern gezahlt werden, billige importierte Milch und Milchprodukte sowie gestiegene Futterkosten sind einige der Hindernisse, mit denen der Sektor konfrontiert ist. Ein Gesetzesentwurf zum Schutz der lokalen Milchindustrie ist noch in der Mache.

De Beers unterstützt Schutz des berühmten Okavango-Flusses

Das Diamantenunternehmen De Beers und National Geographic gaben am 25. August den Start von Okavango Eternal bekannt, einer fünfjährigen Partnerschaft zum Schutz der Quellgewässer des Okavango bis zum Delta und der Lebensgrundlagen dort lebender Menschen. Das auf fünf Jahre angelegte Projekt werde dazu beitragen, bedrohte Tierarten zu schützen, die Wasser- und Ernährungssicherheit für mehr als eine Million Menschen zu gewährleisten und eine Existenzgrundlage für 10.000 Menschen zu schaffen, erklärten die beiden Unternehmen.

Der Schwerpunkt wird auf dem Schutz der Natur und der Unterstützung von Gemeinschaften in Botswana, Namibia und Angola liegen. Dazu gehört der langfristige Schutz von Wildtierkorridoren für die Bewegung und Verbreitung gefährdeter Arten, die Unterstützung kritischer Naturschutzforschung durch Finanzierung von Expeditionen zur Sammlung neuer Daten, die Installation von Überwachungstechnologien und der Aufbau von Kapazitäten lokaler Forscher durch Zuschüsse und Schulungen.

Die Wasser- und Ernährungssicherheit für mehr als eine Million Menschen entlang des gesamten Okavango-Flusses wird unterstützt, gleichzeitig werden Lebensgrundlagen für 10.000 Menschen geschaffen und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber klimabedingten Auswirkungen verbessert.

Brigitte Weidlich

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