Namibias Wirtschaft auf den Punkt – Februar 2021

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Namibias Wirtschaft auf den Punkt

Im Februar hat es in Namibia relativ gut geregnet und die Schleusen einiger Dämme mussten zwischendurch wieder geöffnet werden. Manche Landstriche warten noch auf Regen.

Das Kabinett hat beschlossen, die staatliche Fluggesellschaft Air Namibia zu liquidieren, was zu heftiger Kritik bei Gewerkschaften und im Parlament geführt hat.

Das Umwelt- und Tourismusministerium hat eine revidierte Strategie für die Handhabung von Wildtieren vorgestellt. Sie sieht unter anderem Entschädigung für verursachte Schäden an Erntefeldern von Kleinbauern vor, die Elefanten und Flusspferde verursachen. Ebenso wird für Menschenleben sowie Schäden an Hütten und Zäunen aufgekommen.

Die Renovierungen und Anbauten am internationalen Hosea-Kutako-Flughafen sind fast abgeschlossen.

Eine mit deutscher Unterstützung durchgeführte Studie für den Bau einer zweiten Entsalzungslage an der Küste ist fast abgeschlossen. Ein Teil des Wassers soll per Rohrleitung Windhoek und die Landesmitte versorgen. Die Anlage soll rund N$8,7 Mrd. (etwa 480 Mio. Euros) kosten.

Arbeitsminister Utoni Nujoma hat eine fünfköpfige Kommission ernannt, die die Einführung eines nationalen, flächendeckenden Mindestlohns untersuchen soll. Bis zum 30. September soll ein Bericht mit Empfehlungen vorliegen.

Obwohl die Regierung noch nicht offiziell angekündigt hat, ob der umstrittene Stausee in den Baynes-Bergen am Kunene-Fluss demnächst gebaut wird, hat die Straßenbehörde Ende Februar schon den Bau einer asphaltierten Straße bis zu dem vorgesehenen Standort ausgeschrieben.

Der US-amerikanische Schauspieler Will Smith verbrachte zehn Tage in Namibia, um mit National Geographic einen Dokumentarfilm mit dem Titel „One strange rock“ zu drehen.

Will Smith in Namibia
Der US-Schauspieler Will Smith (mit Pilot) besuchte Namibia zu Dreharbeiten. Foto: Allgemeine Zeitung

Namibias Zentralbank hat den Leitzins unverändert bei 3,75 Prozent belassen. Die Inflationsrate stand Ende Januar bei 2,7 Prozent (Ende Dez: 2,4%), teilte die Statistikbehörde mit.

Covid-19-Bestimmungen bleiben in Kraft

Die Regierung hat am 24. Februar trotz sinkender Covid-19 Infektionen die nächtliche Ausgangssperre bis zum 31. März verlängert. Sie ist nun eine Stunde kürzer (22–4 Uhr) und Hotels dürfen Zimmergästen auch an Wochenenden und Feiertagen Alkohol zu Mahlzeiten kredenzen. Die ersten Covid-19-Impfstoffe werden im März erwartet. Botswana und Südafrika haben ihre Grenzen seit Februar wieder geöffnet, Autofahrer können wieder passieren, müssen aber Covid-19-Auflagen beachten.

Hosea-Kutako-Flughafen renoviert

Die Namibia Airports Company (NAC) hat die Erweiterung des internationalen Hosea-Kutako-Flughafens fast abgeschlossen. Der NAC-Geschäftsführer Bisey Uirab sagte, der Flughafen solle ein Luftverkehrsknotenpunkt für Namibia und die Region werden. Ziel ist es, mehr internationale Fluggesellschaften und internationale Reisende nach Namibia zu locken. Die derzeitige Renovierung und Erweiterung betrifft die Halle zum Einchecken, den Passkontrollen-Bereich und die Abflughalle. Eine neue Ankunftshalle mit 18 von derzeit acht Ankunftsschaltern erwartet die Reisenden. Die Gepäckausgabehalle wird ebenfalls vergrößert. Die Kosten betragen rund N$250 Millionen ( etwa 13,6 Mio. Euros). Alle Arbeiten sollen bis Ende Juni abgeschlossen sein. Das Vorfeld wird erweitert, um mehr Platz für die Sicherheit von Flugzeugen zu schaffen und Platz für mehr Maschinen.

Air Namibia Fluggesellschaft wird liquidiert

Liquidation Air Namibia
Die Fluglinie Air Namibia ist liquidiert worden. Foto: Laurent Errera

Das Kabinett hat die Auflösung der staatlichen Fluglinie Air Namibia beschlossen. Die etwa 650 Mitarbeiter erhalten für 12 weitere Monate ihr Gehalt. Finanzminister Ipumbu Shiimi und der Minister für staatliche Betriebe, Leon Jooste, bestätigten dies am 11. Februar nachmittags auf einer Pressekonferenz, nachdem am Morgen Zeitungen über die mögliche Abwicklung berichteten. Air Namibia hat rund N$3 Mrd. (etwa 164,3 Mio. Euros) an Verbindlichkeiten. „Die Regierung hat Air Namibia in den letzten Jahren mit insgesamt N$11 Mrd. (etwa 602 Mio. Euros) unterstützt, das ist nicht mehr tragbar“, erklärte Finanzminister Shiimi. Die Namibia Airports Company hat am 25. Februar im Windhoeker Obergericht den Antrag zur Liquidierung der Fluglinie gestellt, die vor über 70 Jahren als „South West African Airways“ gegründet wurde.

Wecke & Voigts schließt nach 129 Jahren

Eines der ersten und traditionsreichsten Unternehmen in Namibia, Wecke & Voigts, schließt Mitte des Jahres sein Geschäft in der Windhoeker Hauptstraße. Die Firma wurde vor 129 Jahren gegründet und am 3. September 1892 beim damaligen Landeshauptmann Deutsch-Südwestafrikas, Curt von François, angemeldet. Der Seniorpartner in Südafrika, Fritz Wecke, hatte mit den Gebrüdern Gustav und Albert Voigts vereinbart, zuerst in Okahandja eine Handelsniederlassung zu gründen. Wenig später wurde in Windhoek in der Kaiser-Wilhelm-Straße das Hauptgeschäft etabliert, der jetzige Standort. Seit 4 Jahren stagniert laut W & V das Geschäft und 2020 blieben wegen der Coronavirus-Pandemie die Übersee-Touristen weg. Das führte zum Beschluss des W&V Vorstands letzten November, ab Mitte 2021 zu schließen. Der Wecke & Voigts Großhandel bleibt bestehen.

Investmentbehörde wird umstrukturiert

Das ehemalige Namibia Investment Centre (NIC) im Ministerium für Industrialisierung und Handel ist umstrukturiert worden und heißt jetzt Namibia Investment Promotion & Development Board (NIPDB). Die neue Chefin, Nangula Uaandja, teilte diesen Monat mit, der NIPDB unterstehe seit dem 1. Januar direkt dem Präsidialamt. Uuandja ist Wirtschaftsprüferin und leitete lange Jahre PriceWaterhouseCoopers in Namibia. Der NIPDB will gezielt lokale und internationale Investoren anlocken, um Namibias seit vier Jahren stagnierende Wirtschaft anzukurbeln.

Dass trotz der schwierigen Wirtschaftslage investiert wird, zeigt das Vorhaben an der Küste, eine neue, große Kühl- und Gefrieranlage außerhalb von Walvis Bay zu bauen. Für rund N$400 Mio. (Etwa 21,8 Mio. Euros) soll ab März eine Anlage mit einer Kapazität von 12.500 Tonnen auf 54.000 Quadratmetern Fläche gebaut werden. Die Behörde für industrielle Entwicklung (Namibia Industrial Development Agency, Nida) hat den Auftrag gegeben. Nicht nur der für den Export vorgesehene Fisch sondern auch Datteln und Fleisch sollen für Ausfuhren dort gelagert werden.

Zweites Untersee-Kabel für Namibia

Namibia bekommt Anschluss an ein zweites Untersee-Glasfaserkabel. Die namibische Firma Paratus hat mit Telecom Namibia und Demshi Investments ein entsprrechendes Abkommen getroffen. Das Equiano-Kabel, ein Google-Projekt, und wird 14.000 km lang sein und von Portugal bis nach Südafrika reichen. Die Gesamtkosten betragen N$6 Mrd. (etwa 328,6 Mio. Euros). Für Namibia entstehen Kosten von N$260 Mio. (etwa 14,2 Mio. Euros), inklusive Landestation bei Swakopmund. Bis September soll das Kabel Swakopmund erreichen. Die Datengeschwindigkeit soll 12 Terabytes pro Sekunde betragen und das Kabel soll 20 Mal mehr Datenkapazität als das WACS-Untersee-Kabel haben.

Arandis wird Teilhaber an Grillkohle-Hersteller

Die Ortsverwaltung von Arandis hat sich mit einem Anteil von zehn Prozent in eine Holzkohleverarbeitungsanlage eingekauft. Die Anlage gehört der neuen namibischen Firma Unoo Investments CC und beschäftigt 53 Mitarbeiter. Die Firma hat sich in Arandis, 60km östlich von Swakopmund, niedergelassen. Laut des Stadtdirektors von Arandis, Stanley Norris, erlaubt das Gesetz für Stadtverwaltungen Joint Ventures. Norris betonte, dass die Ortsverwaltung sich auf die Industrialisierung ausrichte und fünf neue Branchen entstehen, die sich hauptsächlich auf das verarbeitende Gewerbe stützen. Eine Schuhfabrik, eine Gipsfabrik und eine Bekleidungsfabrik sind vorgesehen.

Stadtverwaltung von Arandis
Der kleine Ort Arandis rüstet sich für die Zukunft. Foto: Stadtverwaltung Arandis

Laut Augustos Unoovene von Unoo Investments bezieht die Firma Holzkohle in loser Schüttung von namibischen Produzenten. Diese werden zu einer Substanz verarbeitet, aus der Briketts hergestellt werden. Die Briketts werden dann verpackt und als Grillkohle über Walvis Bay nach Europa exportiert. Die Firma will nach Fertigstellung der Anlage und bei voller Produktion ab Mai bis zu 1.200 Tonnen monatlich produzieren. Die meisten Mitarbeiter sind vor Ort und das Werk wird in zwei Monaten die volle Produktion erreichen und bis zu 100 Mitarbeiter beschäftigen.

Protest gegen Ölsuche in Kavango-Ost

Die kanadische Junior-Öl-Explorationsfirma Reconaissance Africa hat auf Druck von Umweltorganisationen auch in Windhoek eine öffentliche Anhörung über ihre Ölsuche in Kavango-Ost gehalten. Einige Fragen zu den im Dezember 2020 begonnenen Probebohrungen in bis zu 4.500 m Tiefe blieben ungeklärt. Die Gruppe Fridays for Future Windhoek (FFFW) hat mit rund 40 Demonstranten Ende Februar erneut gegen Recon Africa demonstriert und gefordert, dass die Kavango-Regionen in Namibia und Botswana von der Ölförderung verschont bleiben. Auch der World Wildlife Fund (WWF) hat in einer ganzseitigen Zeitungsanzeige Recon Africa aufgefordert, eher eine umfassende, strategische Studie in Auftrag zu geben, statt einzelne kleine Umweltstudien.

Brigitte Weidlich

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