Namibias Wirtschaft auf den Punkt – Juli 2019

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Namibias Wirtschaft auf den Punkt

Das Winterwetter im Juli blieb größtenteils gemäßigt, aber hier und da lagen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Die namibische Regierung erhielt Geld- und Sachspenden für die Dürrehilfe in Höhe von 104 Mio. N$ (ca. 6,5 Mio. Euro) von der Privatwirtschaft, öffentlichen Unternehmen und befreundeten Nationen wie Russland und China. Namibia strebt Investitionen in Höhe von 15 Mrd. N$ für Projekte an, wie auf einem Wirtschaftsgipfel am Monatsende bekanntgegeben wurde. Das Energieversorgungsunternehmen NamPower legte einen neuen Fünfjahresplan vor, der sich auf erneuerbare Energiequellen konzentriert. Die Lufthansa-Tochter Eurowings hat im Juli angekündigt, ab dem 29. Oktober drei wöchentliche Flüge von Frankfurt nach Windhoek einzuführen.

Die Instandsetzung der Straßen im Etosha-Nationalpark wurde durch eine private, mit Spenden finanzierte Initiative in Angriff genommen. Ein Fischereiunternehmen in Walvis Bay baut eine neue Fischverarbeitungsanlage, während in Otjiwarongo ein neues, für 50 Mio.  N$ erbautes Einkaufszentrum eröffnet wurde. Private Investoren werden für 4,3 Mrd. N$ einen neuen Vorort in Windhoek, Ongos Valley, bauen. Wirtschaftsdelegationen aus der Türkei und China besuchten Namibia auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten. Die Inflationsrate in Namibia lag im Juni bei 3,9 Prozent (Mai: 4,0%), teilte Namibias Statistik-Amt im Juli mit.

Mehr Investitionen in Namibia

Der Direktor der Firma Ongos Valley Development, Americo de Almeida, informierte Präsident Hage Geingob diesen Monat über die enormen Investitionen in einen Vorort am nordwestlichen Stadtrand von Windhoek. Der Investor teilte Präsident Geingob mit, dass in den nächsten 15 bis 20 Jahren etwa 25.000 Wohneinheiten für Niedrig- und Mittelverdiener, vier Geschäftszentren, darunter 106 Geschäftsgrundstücke und 48 institutionelle Grundstücke, entstehen würden. Ongos ist eine Partnerschaft mit der Development Bank of Namibia, der Absa Bank in Südafrika, der Nedbank, der Standard Bank und der Development Corporation in Botswana eingegangen, um die Investition von 4,3 Mrd. N$ (ca. 271,2 Mio. Euro) zu tätigen.

Erste solare Fischfabrik an der Küste

Die Tunacor-Gruppe expandiert durch den Bau einer solarbetriebenen Fabrik zur Verarbeitung von Makrelen in Walvis Bay. Die 4.000 Quadratmeter große Fabrik wird mit Sonnenkollektoren ausgestattet und ist Namibias erster Fischereibetrieb, der auf Solarenergie umgestellt wird. Bis zu 250 weitere Mitarbeiter werden für die Verarbeitung von Makrelen angestellt, wodurch insgesamt 2.500 Mitarbeiter bei Tunacor beschäftigt sein werden. Fischereiminister Bernhard Esau lobte die Investition bei der Grundsteinlegung und sprach sich für eine stärkere Verarbeitung von Fisch vor Ort aus.

NamPower investiert Milliarden in lokale Energie

NamPower Solaranlage
Das staatliche Stromversorgungsunternehmen NamPower geht mit gutem Beispiel voran und bezieht eigenen Solarstrom vom Dach seiner Zentrale in Windhoek. Foto: NamPower

Das staatliche Energieversorgungsunternehmen NamPower hat die lokal installierte Leistung von 375 Megawatt auf 606 MW Ende 2018 erhöht und wird sie bis 2022 auf 755 MW ausbauen. Bei der Vorstellung des neuen Geschäftsplans sagte Geschäftsführer Kahenge Haulofu, NamPower plane ein 20-MW-Solarkraftwerk bei Omaruru, zwei weitere Solarkraftwerke mit jeweils 20 MW in der Nähe von Gobabis und Rehoboth und ein 50-MW-Biomassekraftwerk bei Tsumeb. Darüber hinaus ist ein 40-MW-Windkraftprojekt in der Nähe von Lüderitz geplant. Diese Projekte werden über 5 Mrd. N$ kosten (ca. 315,4 Mio. Euro).

NamPower Schwertransport
NamPowers 175 Tonnen schwerer Transformator des Gerus-Umspannwerks bei Otjiwarongo wurde im Juli zurück nach Namibia transportiert. Der Trafo war im September 2018 zu Eskom in Johannesburg zur Reparatur geschickt worden. Der Rücktransport hat hunderte Schaulustige angelockt, als er vorsichtig die Straßen von Gobabis, Windhoek und Okahandja passierte. Foto: Brigitte Weidlich

Neuentwicklung für Grootfontein

Der Bahnhof von Grootfontein wird zu einem Logistikzentrum für Sambia und die Demokratische Republik Kongo (DRC). Dies gab der Chef des staatlichen Unternehmens TransNamib auf einem von der Walvis Bay Corridor Group (WBCG) organisierten Logistikforum in Grootfontein bekannt. „Dies hat viele Vorteile, da es die Entfernung von Lubumbashi in der Demokratischen Republik Kongo und Lusaka in Sambia erheblich verkürzt. Dort werden Mengen von Kupferprodukten auf Lastwagen verladen, die es für den Export nach Walvis Bay transportieren. Die Transportstrecke beträgt ungefähr 2.500 Kilometer“, sagte Johnny Smith. Die Namibia Ports Authority (NamPort), Treibstofftransporter und Kurierdienste stimmten einstimmig der Entscheidung zu, Waren aus Namibia oder der Demokratischen Republik Kongo und Sambia in Grootfontein zu verladen und von dort aus an verschiedene Bestimmungsorte zu verteilen. Mit der Einführung des Grootfontein-Drehkreuzes legen diese Lkw nun eine Strecke von nur rund 1.400 Kilometern zurück. Laut Smith kann ein Güterzug aus dem Hafen von Walvis Bay auf einer Fahrt Treibstoffgüter und Waren von 30 Lastwagen transportieren. „TransNamib ist bereit, vier Züge pro Woche für dieses Geschäftsmodell bereitzustellen“, fügte er hinzu.

Wirtschaftswachstumsgipfel beginnt

Nach einer internationalen Investitionskonferenz im November 2016 veranstaltet Namibia in diesem Jahr eine weitere internationale Konferenz, die am 31. Juli begann. Das zweitägige Gipfeltreffen wird voraussichtlich einige Investitionsprojekte im Wert von 15 Mrd. N$ (ca. 1 Mio. Euro) bringen. Über 700 Delegierte nehmen am Gipfel teil.

Bei der offiziellen Eröffnung des Gipfels unterstrich Präsident Hage Geingob die historische Bedeutung des Ereignisses.

„Dies ist kein gewöhnlicher Wirtschaftsgipfel, sondern eine Verpflichtung, das wirtschaftliche Schicksal unseres Landes zu bestimmen “, betonte das Staatsoberhaupt. „Der Privatsektor als Motor für wirtschaftliches Wachstum sollte sich daher unserer gemeinsamen Agenda für integratives Wachstum und gemeinsamen Wohlstand anschließen.“

Wirtschaftsgipfel 2019 Windhoek
Präsident Hage Geingob hat am 31. Juli den zweitägigen Wirtschaftsgipfel in Windhoek eröffnet. Foto: Brigitte Weidlich

Geingob sagte, dass die Unsicherheit der Politik ein Anliegen für die Investoren sei. Der National Equitable Economic Empowerment Framework (NEEEF) wurde in eine Gesetzesvorlage umgearbeitet, die „innerhalb von sechs Monaten“ im Parlament eingereicht werden soll.

„Während des zweitägigen Gipfeltreffens werden zehn thematische Sitzungen stattfinden, die sich auf die wichtigsten Prioritätsbereiche und Wirtschaftssektoren konzentrieren“, sagte Johannes Gawaxab, Vorsitzender des hochrangigen Wirtschaftsgremiums. „Dazu gehören die Landwirtschaft, das verarbeitende Gewerbe und der Tourismus. Wir widmen eine Sitzung der Arbeitsplatzbeschaffung und erwarten in den nächsten zwei Tagen eine Reihe neuer Investitionsankündigungen. Wir sind überzeugt, dass wir in diesen Sitzungen weitere Investitionsmöglichkeiten aufdecken werden“, sagte er. Der Gipfel endet am 01. August.

Präsident Geingob eröffnet Ausstellung in Botswana

Präsident Hage Geingob war am 27. Juli als Ehrengast in Botswana, um die 45. Landwirtschafts- und Handelsmesse in Ghanzi, rund 500 km von Windhoek entfernt, zu eröffnen. Geingob wies auf wichtige Bereiche hin, in denen Namibia eng mit Ländern in der Region zusammenarbeitet. Botswana, Namibia und Swasiland teilen sich eine Quote für den Export von Rindfleisch nach Norwegen. „Botswana hat über seine Botswana Meat Commission (MeatCo) Namibias Lagerplatz in ihrem weltweit akkreditierten Kühlhaus in Kapstadt zugelassen und damit ein Tor für Namibias Zugang zum EU-Rindfleischmarkt geschaffen.“ Ghanzi dient auch als Tor nach Namibia, insbesondere für die vielen Touristen aus Botswana, die nach Swakopmund und Walvis Bay reisen.

Ghanzi sei auch ein Tor zum Okavango-Delta, während beide Länder im Rahmen von Initiativen wie dem Kalahari Transfrontier Park und dem Kavango-Sambesi-Schutzgebiet (KAZA) zusammenarbeiten. Beide Länder kooperieren in Sachen Wildtierschutz, fügte Geingob hinzu. Botswanas Präsident Mokgweetsi Masisi schenkte Geingob auf der Messe einen jungen Stier.

Brigitte Weidlich

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