Namibias Wirtschaft auf den Punkt – Juni 2019

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Namibias Wirtschaft auf den Punkt

Namibias Wirtschaft auf den Punkt gebracht – Juni 2019

Im Juni herrschten im Süden und in der Landesmitte kalte Wintertemperaturen, während heißes Ostwindwetter in der Namib-Wüste und an der Küste sommerliche Gefühle aufkommen ließen. Namibia und Deutschland haben ein Abkommen über finanzielle Zusammenarbeit im Wert von über einer Milliarde Namibia-Dollar unterzeichnet, und die erste Fracht namibisches Rindfleisch traf in China ein.

Die Benzin- und Dieselpreise stiegen im Juni um 30 Cent pro Liter. Die Inflationsrate lag Ende Mai bei 4,1 Prozent (April: 4,5 Prozent), wie das staatliche Statistikamt Anfang Juni mitteilte. Scheckzahlungen sind zum 1. Juli 2019 abgeschafft worden. Die Bank von Namibia beließ die Leitzinsrate bei 6.75 Prozent.

Präsident Hage Geingob nahm am ersten afrikanischen Wildtiergipfel in Simbabwe teil. Zwei große Supermarkt-Ketten in Namibia haben im Juni Abgaben auf Plastiktüten eingeführt, um Plastikmüll einzudämmen.

Namibia erhält N$1.3 Mrd. deutsche Hilfe

Finanzminister Calle Schlettwein und der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Namibia, Christian Schlaga, haben ein Abkommen zur finanziellen Zusammenarbeit über zinsverbilligte Darlehen in Höhe von N$1.3 Mrd. (ca. 80 Mio. Euro) unterzeichnet. Drei Projekte der Wasser- und Verkehrsinfrastruktur sowie der finanziellen Eingliederung im ländlichen Raum werden über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert.

Für die Fertigstellung der zweiten Phase der neuen Straße zwischen Swakopmund und Walvis Bay werden N$320 Millionen (ca. 20 Millionen Euro) bereitgestellt.

Ein Betrag von N$640 Mio. (ca. 40 Mio. Euro) ist für die Modernisierung der Wasserinfrastruktur von Windhoek vorgesehen, was auch den Bau einer zusätzlichen nachhaltigen Wasseraufbereitungsanlage einschließt.

Etwa N$320 Mio. werden der NamPost-Finanztochter PostFin als langfristige Finanzierung zur Verfügung gestellt, um die Kreditvergabe an kleine Unternehmen und einkommensschwache Haushalte zu unterstützen. NamPost/NamFin hat 144 Filialen im ganzen Land.

“Deutschland bleibt für Namibia ein wichtiger bilateraler Partner in der Entwicklungszusammenarbeit “, sagte Minister Schlettwein bei der Unterzeichnung. “Die gezielte Aufnahme von Krediten ist keine zusätzliche Anleihe, sondern eine Finanzierung für im Staatshaushalt vorgesehene Projekte.”

Nach Angaben von Botschafter Schlaga beläuft sich der Wert der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Namibia seit 1990 auf N$15 Milliarden (rund 920 Mio. Euro). Schlaga ist Ende Juni nach Deutschland zurückgekehrt und geht in den Ruhestand.

Finanzminister Calle Schlettwein (L) und Botschafter Christian Schlaga (R) unterzeichneten ein Kreditabkommen in Windhoek. Foto: Deutsche Botschaft in Windhoek

Erster Wildtiergipfel der Afrikanischen Union

Die Afrikanische Union (AU) hat am 24. Juni in Victoria Falls, Simbabwe, ihre erste Gipfelkonferenz über wild lebende Tiere abgehalten. Mehrere afrikanische Staatsoberhäupter waren anwesend. Namibias Präsident Hage Geingob sprach sich dafür aus, dass Afrika-Staaten, die ihren Wildtierbestand gut verwalten und große Mengen an Elfenbein und Nashornhörnern haben, von der internationalen Artenschutz-Organisation CITES die Genehmigung zum kontrollierten Verkauf erhalten sollten. Der Erlös sollte für die Landbevölkerung und Naturschutzbemühungen verwendet werden. Die AU-Kommissarin für ländliche Wirtschaft, Josefa Sacko, lobte das grenzüberschreitende Naturschutzgebiet Kavango-Zambezi (KAZA) als Paradebeispiel für die kollektive Verwaltung von Wildtierressourcen. KAZA ist ein Gemeinschaftsprojekt von Namibia, Angola, Botswana, Sambia und Simbabwe.  “Wegen KAZA besuchen jetzt mehr Touristen die SADC-Region, andere afrikanische Regionen könnten diesem Beispiel folgen”, sagte Sacko.

Weitere Entwicklungen im Tourismus

Die namibische Luftfracht- und Flugzeugwartungsfirma Westair Aviation bietet seit dem 24. Juni Passagierflüge von Windhoek nach Oranjemund und Kapstadt sowie nach Johannesburg an.Die staatliche Fluggesellschaft Air Namibia hat im Juni ihre Flüge von Windhoek nach Ondangwa, Kapstadt und Johannesburg auf einmal täglich reduziert. Die Stadt Ondangwa im hohen Norden erhielt auf der jährlichen Namibia Tourism Expo in Windhoek die Auszeichnung für 2019 als sauberste Stadt im Land. Ondangwas Bürgermeister, der Geschäftsmann Paavo Amwele, bezahlt mit seinem Bürgermeistergehalt seit 2017 arbeitslose Jugendliche für die Müllbeseitigung in der Stadt. Die Initiative fand viel Resonanz und immer mehr Einwohner meldeten sich um die Bemühungen freiwillig zu unterstützen. Amwele transportiert den eingesammelten Müll mit den Lastwagen seiner eigenen Firma zur Mülldeponie der Stadt. In Namibia ist das Amt des Bürgermeisters keine Vollzeitbeschäftigung.  Die Zuschauer von Südafrikas privatem Fernsehsender “Kyknet” wählten die Küstenstadt Swakopmund im Juni zum beliebtesten Tourismusziel. Mit der Auszeichnung geht ein Marketing-Paket im Wert von einer Million Namibia-Dollar (ca. 61.300 Euro) einher, um Swakopmund über Kyknet als Tourismusziel zu präsentieren.  Eine Unterkunft der Gondwana Collection, das Kalahari Farmhouse in Stampriet, gewann beim jährlichen Kongress der Hospitality Association of Namibia (HAN) erneut den namibischen Umweltpreis „Five Flowers“ (sozusagen die Sterne für umweltfreundlichen Betrieb).

Namibisches Unternehmen investiert N$560 Mio. in den Einzelhandel

Präsident Hage Geingob war Ehrengast bei der Eröffnung der vierten Ausbauphase des Wernhil-Einkaufszentrums im Herzen von Windhoek. Das namibische Unternehmen Ohlthaver & List hat N$560 Millionen in das Zentrum investiert, das jetzt 55.500 Quadratmeter Einkaufsfläche, ein kleines medizinisches Zentrum und 1.800 Parkplätze bietet. “Unser Unternehmen hat Wernhil gebaut, 1990 war es das erste Einkaufszentrum des Landes”, sagte Sven Thieme, Vorstandsvorsitzender von O & L. Die Firma wurde 1919 gegründet und feiert dieses Jahr ihr hundertjähriges Bestehen. Präsident Geingob lobte die Investition in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. “Andere sollten diesem guten Beispiel folgen – ein einheimisches Unternehmen, das in unsere Wirtschaft investiert”, sagte Geingob.

Da Namibias Wirtschaft im ersten Quartal 2019 laut Statistikamt um zwei Prozent geschrumpft ist, war die erste Lieferung von namibischem Rindfleisch nach Shijiazhaung in der chinesischen Provinz Hebei ein willkommenes Ereignis. Der namibische Botschafter in China, Elia Kaiyamo, war bei der Ankunft der ersten 21 Tonnen zugegen, um den Meilenstein im Namen der namibischen Regierung und der Meat Corporation of Namibia (Meatco) zu würdigen. Namibia ist das erste afrikanische Land, das Fleisch nach China exportiert. Es gelten strenge Gesundheitsanforderungen. Im Geschäftsjahr 2018/19 hat Meatco aufgrund der Dürre nur 62.896 Rinder geschlachtet, verglichen mit 91.558 Rindern im Zeitraum 2016/17.

Die ersten 21 Tonnen Rindfleisch aus Namibia trafen in China in Anwesenheit von Namibias Botschafter Elia Kaiyamo (L) ein. Foto: Namibische Botschaft in Peking

Größte Solaranlage eingeweiht

Das Energieversorgungsunternehmen NamPower hat Namibias größtes Solarkraftwerk eingeweiht. Die Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 37 MW liegt fünf Kilometer nördlich von Mariental, besteht aus 140.000 kristallinen Siliziumplatten und erstreckt sich über eine Fläche von einhundert Hektar. Die Investitionskosten betrugen N$750 Millionen (ca. 46 Mio. Euro). Das Solarkraftwerk ist eine öffentlich-private Initiative zwischen NamPower und dem spanischen Unternehmen Alten Energy Consortium. Alten besitzt 51 Prozent, NamPower 19 Prozent und einheimische Aktionäre aus den Reihen ehemals benachteiligter Namibier haben 30 Prozent inne.

Namibias bisher größte Solaranlage von 37 MW wurde im Juni 2019 bei Mariental eingeweiht. Foto: Conrad Roedern

61.000 neue Häuser für Erongo-Region

Die Regionalverwaltung der Erongo-Region plant, in den nächsten fünf Jahren 61.000 Häuser für Menschen mit niedrigem bis mittlerem Einkommen in wichtigen Städten – wie Swakopmund, Walvis Bay, Karibib, Usakos, aber auch Okombahe – zu bauen. Nach Angaben des staatlichen Wohnungsbauunternehmens National Housing Enterprise (NHE) besteht in Namibia ein Rückstand von 94.000 Häusern. NHE beabsichtigt, zu gegebener Zeit 840 Häuser für N$380 Millionen (ca. 23.3 Millionen Euro) zu bauen.
In Bethanien im Süden hat Jörg Gaugler eine private Initiative gestartet, in deren Rahmen kleine Häuser für ältere und bedürftige Bewohner errichtet werden. Die ersten beiden Häuser wurden im Juni als Spende an zwei Rentnerinnen übergeben. Die Kosten pro Haus betrugen rund N$32.000 (etwa 1 965 Euro), sagte Gaugler.

Wirtschaftsgipfel am 31. Juli

Das Ministerium für Informations- und Kommunikationstechnologie (MICT) hat angekündigt, dass am 31. Juli und 1. August in Windhoek ein Gipfeltreffen zur Stimulierung der namibischen Wirtschaft stattfinden wird. “Das hochrangige Wirtschaftsgremium, das kürzlich von Präsident Geingob ernannt wurde, organisiert den Gipfel”, sagte der stellvertretende MICT-Minister Engel Nawatiseb. Dabei sollen Investitionsprojekte im Wert von N$15 Milliarden (etwa 920 Mio. Euro) vorgestellt werden. Rund 600 einheimische und internationale Delegierte werden eingeladen. Die Kosten des Gipfels werden vom Privatsektor getragen.

Brigitte Weidlich

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