Namibias Wirtschaft auf den Punkt – Juni 2021

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Namibias Wirtschaft auf den Punkt

Während des kalten Wetters im Juni hat sich der Winter in Namibia fest etabliert. Auf dem Hosea Kutako International Airport ist diesen Monat nach zwanzigjähriger Abwesenheit wieder ein Lufthansa-Passagierflugzeug gelandet. Lufthansa hat nun den regulären Flugverkehr nach Namibia wieder aufgenommen.

Die Bank Windhoek ist nach der erfolgreichen Notierung ihrer ersten Nachhaltigkeitsanleihe im südlichen Afrika die erste lokale Geschäftsbank, die dem Nasdaq-Netzwerk für nachhaltige Anleihen in New York beigetreten ist.

Das Windhoeker Obergericht hat der Firma Namibia Marine Phosphate (NMP) vorerst verboten, Phosphat vor der Küste abzubauen, da zurzeit kein Umwelttauglichkeitszertifikat vorliegt.

Covid-19-Infektionen sind in diesem Monat in Namibia gestiegen, die Regierung hat die Zeiten für den Alkoholverkauf verkürzt und Reisen zwischen dem 15. und 30. Juni in und aus den städtischen Gebieten Windhoek, Okahandja und Rehoboth verboten, mit Ausnahme von Notfällen und Warentransporten.

Präsident Hage Geingob hat eine spezielle Arbeitsgruppe ernannt, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten, während die Wirtschaft aufgrund des Coronavirus unter Druck steht.

Namibia wird bald mehr Rindfleisch aus den nördlichen Kommunalgebieten, die nördlich des Veterinärzauns liegen, nach Westafrika exportieren, darunter Ghana und Kongo Brazzaville. Das teilte die Meat Corporation (Meatco) mit. Die Windhoeker Stadtverwaltung wird ihre Stromversorgung durch ein 25-Megawatt-Solarkraftwerk verbessern.

Die Bank of Namibia hat ihren Leitzins im Juni unverändert bei 3,75 Prozent belassen. Die Inflation lag Ende Mai bei 3,8 Prozent (April: 3,9 Prozent), so das nationale Statistikamt.

Lufthansa, Namibia
Im Juni landete nach etwa 20 Jahren wieder ein Lufthansa-Passagierflugzeug in Namibia und wurde mit Wasserstrahlern begrüßt. Foto: Allgemeine Zeitung

Präsident Geingob ernennt Arbeitsgruppe

Präsident Hage Geingob hat Ende Juni ein Expertenteam berufen, das Maßnahmen zum Schutz von Unternehmen und zur Rettung von Arbeitsplätzen untersuchen wird. Der Präsident sagte, dass der Hauptzweck der Business Rescue Task Force (BRTF) darin bestehe, Geschäfts- und Insolvenzgesetze und -richtlinien zu überprüfen und Änderungen vorzuschlagen. Präsident Geingob sagte, dass die BRTF Vertreter von Unternehmen, Banken und Regierungsbeamten konsultieren und Untersuchungen durchführen wird, um Bereiche zu identifizieren, in denen Maßnahmen erforderlich sind. Geingob sagte, dass die Notwendigkeit der Arbeitsgruppe nach dem Ausbruch von COVID-19 und seinen Auswirkungen auf die namibische Wirtschaft als „dringend“ erkannt wurde.

Die Arbeitsgruppe muss für die effiziente und effektive Rettung und Sanierung von Unternehmen in finanzieller Notlage sorgen, Arbeitsplätze erhalten und eine stärkere Unternehmenskultur im Land verankern.

„Am Ende ihres Mandats sollte die Task Force der Regierung einen Rahmen zur Verfügung stellen, der als Grundlage für politische Interventionen dienen kann, die einen sinnvollen Beitrag zur Geschäftserholung leisten können, einschließlich eines Umfelds, das nachhaltiges Unternehmertum fördert“, sagte Geingob.

Die Gruppe besteht aus elf Personen mit Erfahrung in den Bereichen Unternehmensführung, Bankwesen, Recht, Insolvenz und Unternehmertum. Den Vorsitz übernimmt Thinus Prinsloo, Managing Director der namibischen Capricorn Gruppe, einer Bank- und Investmentholding, zu der auch die Bank Windhoek gehört. Weitere Mitglieder sind Vivienne Katjiuongua, Geschäftsführerin  der Business and Intellectual Property Rights Authority (Bipa), Puye Haufiku, Inhaber eines Tourismusunternehmens, der Bankexperte Sarel Van Zyl und Leonie Dunn, die das Financial Intelligence Center der namibischen Zentralbank leitet. Das BRTF wird seine Aktivitäten über einen Zeitraum von acht Monaten vom 1. Juli bis 28. Februar 2022 durchführen.

Investitionen in neue Energieprojekte

Die Hafenstadt Walvis Bay erhält ein weiteres Kraftwerk zur Steigerung der Stromversorgung. Der staatliche Energieversorger NamPower hat den Bau eines 50-Megawatt-(MW) Kraftwerks mit Kosten von etwa N$1,2 Milliarden (ca. 70 Millionen Euro) ausgeschrieben. Die Fertigstellung des Projekts ist bis 2023 vorgesehen. Das Backup-Kraftwerk wird mit flüssigem Brennstoff (schweres oder leichtes Heizöl), verflüssigtem Erdgas oder komprimiertem Erdgas betrieben. Laut Ausschreibungstext wird das geplante Brennstoffkraftwerk „Anixas II“ bei einem Mangel an importiertem Strom zugeschaltet. Es wird neben der bestehenden 22,5-MW-Dieselanlage „Anixas I“ errichtet. Vor dem Bau von „Anixas I“ diente die alte Paratus-Dieselanlage als Backup, die nun ausgedient hat.

Die Gemeinde Windhoek plant, in den Markt für erneuerbare Energien einzusteigen und in den nächsten drei Jahren in 25 MW Solarstrom zu investieren. Die namibische Hauptstadt will ein unabhängiger Stromproduzent (IPP) werden. Das Projekt wird in fünf einzelne Solaranlagen von jeweils 5 MW aufgeteilt, teilte die Stadt mit. Die vorgesehenen Gesamtkosten werden auf rund 420 Millionen N$ (ca. 24,7 Millionen Euro) geschätzt. Die Standorte für diese Photovoltaik-Anlagen werden am südlichen Stadtrand der namibischen Hauptstadt in der Nähe des Vorortes Cimbebasia und der Autobahn B1 liegen.

Die Stadt forderte interessierte Bieter auf, Vorschläge für eine öffentlich-private Partnerschaft einzureichen. Sie müssen selbstfinanzierende Partner sein, damit sie nach dem Bau 25 Jahre lang die PV-Anlagen für Windhoek warten können. Danach geht das Eigentum wieder an Stadt über.

Lokalbank startet Nachhaltigkeitsanleihe

Eine lokale Bank, die sich vollständig in namibischem Besitz befindet, hat am 2. Juni erfolgreich die erste Nachhaltigkeitsanleihe des Landes begeben und notiert. Wie schon der Green Bond der Bank Windhoek im Jahr 2019 ist auch die Nachhaltigkeitsanleihe eine Premiere für kommerzielle Finanzdienstleistungsinstitute im südlichen Afrika.

Bank Windhoek
Die Hauptzentrale der Bank Windhoek in der Hauptstadt. Foto: Namibian Sun

Infolgedessen begrüßte die National Association of Securities Dealers Automated Quotations (Nasdaq) in New York die Bank Windhoek als Mitglied. Die Nasdaq teilte diese Nachricht auf ihrer offiziellen Website, auf sozialen Medien-Plattformen und auf der Hauptreklametafel (bill board) am Times Square in New York City mit. Die Bank Windhoek ist die erste namibische Handelsbank, die dem nachhaltigen Anleihennetzwerk der Nasdaq beitritt.

Über die Nachhaltigkeitsanleihe hat sich die Bank im Rahmen einer Privatplatzierung alternative Finanzierungsquellen im Wert von 227 Mio. N$ (ca. 13,3 Mio. Euro) beschafft. Diese Anleihen sind einzigartige festverzinsliche Instrumente und Anlageinstrumente für gewerbliche und institutionelle Anleger. Die Erlöse werden ausschließlich zur teilweisen oder vollständigen Finanzierung oder Refinanzierung einer Kombination aus grünen und sozialen Projekten, neuen oder bestehenden Projekten verwendet. Die Projekte werden einem Benchmarking unterzogen und an den Kernkomponenten der Green and Social Bond Prinzipien der International Capital Market Association (ICMA) ausgerichtet und folgen den Nachhaltigkeitsrichtlinien für Anleihen der ICMA.

Zu den förderfähigen Projekten gehören erneuerbare Energien, Energieeffizienz, grüne Gebäude, nachhaltige Abfallwirtschaft, ein Fokus auf nachhaltige Landwirtschaft und Tourismus sowie Investitionen in hochwertige, zugängliche und innovative Gesundheits- und Bildungseinrichtungen.

Schwaches Wirtschaftswachstum im ersten Quartal

Namibias Wirtschaft verzeichnete im ersten Quartal dieses Jahres einen Produktionsrückgang von 6,5 Prozent oder N$2,2 Milliarden (ca. 130 Millionen Euro). Nach Angaben der National Statistics Agency (NSA) verzeichnete die lokale Wirtschaft von Januar bis März einen Produktionswert von N$31,9 Milliarden (1. Quartal 2020: N$34,2 Milliarden (ca. 200 Millionen Euro).

Der Bausektor, Bergbau, Hotels und Restaurants verzeichneten aufgrund der Covid-19-Pandemie einen Rückgang. Zuwächse verzeichneten hingegen die Sektoren Kommunikation und Gesundheit. Home office, virtuelle Konferenzen und eine höhere Internet- und Datennutzung ließen die Informations- und Kommunikationsbranche im ersten Quartal um 17,6 % der realen Wertschöpfung wachsen (Q1 2020: 11,5% Wachstum).

Laut aktueller NSA-Statistik ist der namibische Gesundheitssektor im ersten Quartal um 12,8 % gewachsen (Q1 2020: 0,8 %). Grund dafür waren der erhöhte Bedarf an Gesundheitspersonal und die steigende Nachfrage nach Gesundheitsleistungen aufgrund des Corona-Virus.

Brigitte Weidlich

 

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