Namibias Wirtschaft auf den Punkt – November 2018

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Namibias Wirtschaft auf den Punkt

Der November war ein heißer und trockener Monat mit geringen Regenfällen. Der internationale Hosea-Kutako-Flughafen wird für N$245 Millionen renoviert und modernisiert. Benzin und Diesel sind um je 50 Cent und 70 Cent pro Liter teurer geworden. Eine Schweizer Firma wird N$2,7 Milliarden in eine Stahlfabrik in Otavi investieren. Das Rössing Uranbergwerk in der Erongo Region wird an China verkauft. Die Regierung wird Mietkontrollen einführen. Namibia ist im neuesten `Doing Business Report` der Weltbank von Rang 106 auf Rang 107 zurückgefallenen. 190 Länder wurden begutachtet. Die Inflationsrate ist laut der Statistikbehörde im September auf 5,1 Prozent gestiegen. Im August lag sie bei 4,8 Prozent.

Neues vom Bergbausektor

Der britisch-australische Bergbaukonzern Rio Tinto wird seine Anteile von 66,62 Prozent in der Firma Rössing Uranium Limited (RUL) in Namibia an China verkaufen. Das staatliche chinesische Unternehmen China National Uranium Corporation (CNUC) hat sich mit Rio Tinto auf die Kaufsumme von N$1,5 Milliarden (etwa 98 Millionen Euros) geeinigt, teilte der Konzern am 26. November mit. Der Verkauf muss noch von der namibischen Wettbewerbskommission gutgeheißen werden. RUL baut seit 1976 Uran in der Erongo-Region ab und ist das älteste aktive Uran-Bergwerk mit offenem Tagebau weltweit. Andere Teilhaber bei RUL sind die iranische Firma Iran Foreign Investment Company (15,22%), Südafrikas Industrial Development Corporation (10,22%), die namibische Regierung (3,88%) und einzelne Teilhaber (insgesamt 4,63%).

China besitzt bereits neunzig Prozent Anteile in dem Husab Uranbergwerk direkt neben RUL, nachdem die Aktienmehrheit der australischen Firma Swakop Uranium vor einigen Jahren aufgekauft wurde. Namibias staatliche Bergbaufirma Epangelo Mining besitzt zehn Prozent. Vor kurzem hat China auch 25 Prozent in dem Uranbergwerk Langer Heinrich Uranium (LHU), ebenfalls in der Erongo-Region, gekauft. LHU gehört der australischen Firma Paladin Energy.

Graphit-Abbau vorerst eingestellt

Namibias einziges Graphit-Bergwerk hat den Betrieb wegen der fallenden Preise für den Rohstoff vorerst eingestellt. Ende November wurden 128 Angestellte entlassen. `Gecko Graphite` hatte erst 2017 mit dem Abbau bei Otjiwarongo begonnen. `Gecko Graphite` ist  eine Firmentochter von Gecko Namibia mit der Firma Imerys als Partner. 2017 wurden 2.216 Tonnen Graphit abgebaut und in die Türkei, die Slowakei und nach Deutschland exportiert. Sobald die Graphitpreise sich erholt haben, wird der Abbau fortgeführt.

N$2,7 Milliarden für Stahlfabrik bei Otavi

Die Schweizer Firma Noric Swiss GmbH hat sich bei einer lokalen Handelsbank ein Finanzierungspaket von N$2,7 Milliarden (etwa 172 Million Euros) für den Bau einer Stahlfabrik in Otavi gesichert. Die Firma ‚Otavi Rebar Manufacturing` wird Schrottmetall aufkaufen und in Otavi einschmelzen, um Betonrundstahl, auch Bewehrungsstahl genannt, für die Bauindustrie herzustellen. Geplant sind 300.000 Tonnen Bewehrungsstahl pro Jahr. Rund 350 Arbeitsplätze werden geschaffen. Die Noric Swiss GmbH hat die Firmentochter `Noric Otavi` gegründet, die Anteile in `Otavi Rebar Manufacturing` hat. Als nächster Schritt ist der Bau der Fabrikhalle auf dem von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellten 77 Hektar großen Gewerbegebiet geplant.

N$245 Millionen für Kutako-Flughafen

Die Experten der Internationalen Organisation für zivile Luftfahrt (ICAO) haben vom 18. bis 28. November alle namibischen Flughäfen und Flugplätze überprüft und keine nennenswerten Sicherheitsmängel gefunden. Allerdings wird das Gebäude des internationalen Hosea-Kutako-Flughafens zurzeit für insgesamt N$245 Millionen (etwa 15,6 Millionen Euros) renoviert und modernisiert. Die Namibia Airports Company (NAC) bringt N$95 Millionen (etwa 6 Millionen Euros) durch eigene Reserven auf. „Die restlichen N$150 Millionen (etwa 9,6 Millionen Euros) werden durch Zuschüsse der Regierung finanziert“, sagte Leake Hangala, Vorstandsvorsitzender der NAC. Unter anderem werden neueste Technologien und Software für die Sicherheit installiert sowie verbesserte Kamera-Überwachung und bessere Sicherheits-Checks für Passagiere und Gepäck installiert. Es werden auch Automaten aufgestellt, damit Passagiere sich selbst einchecken können. Bauliche Erweiterungen werden ebenso vorgenommen.

N$20 Millionen für Entwicklungsbank

Die namibische Zentralbank hat der staatlichen Entwicklungsbank einen Kredit von N$20 Millionen (etwa 1,3 Millionen Euros) gewährt. Damit will die Development Bank of Namibia (DBN) Kleinstbetrieben Kredite ermöglichen. „Kleine Betriebe, auch als SMEs (small and medium enterprises) bekannt, sind ein wichtiger Faktor in der Wirtschaft unseres Landes, sie benötigen Kredite um zu expandieren“, sagte DBN-Chef Michael Inkumbi. Die Entwicklungsbank hat auch einen sogenannten Joint-Venture-Kapitalfonds gegründet.

Frankreich unterstützt Wasserversorgung im Süden

Die französische Regierung hat mit der Stadtverwaltung von Keetmanshoop in der Karas-Region ein Abkommen zur Unterstützung der Wasserversorgung unterzeichnet. Eine französische Expertenfirma wird mittels einer Studie die Mängel an der bestehenden Infrastruktur feststellen und einen Wasserversorgungsplan für die kommenden 20 Jahre ausarbeiten. Die Kosten von N$12 Millionen (etwa 765.000 Euros) für das Projekt werden von Frankreich finanziert.

Verbot für Plastiktüten in Naturparks

Namibias Umwelt- und Tourismusministerium hat ab 22. November Plastiktüten in Naturschutzgebieten und Parks verboten. Minister Pohamba Shifeta hat am Eingang zum Daan-Viljoen-Nature-Reserve westlich von Windhoek am Stichtag die öffentliche Ankündigung gemacht. Bei Verstoß gegen das Gebot muss mit einer Geldstrafe von N$500 (etwa 32 Euros) oder einer Haftstrafe bis zu sechs Monaten oder beiden Strafen gerechnet werden. Beamte des Ministeriums werden alle Fahrzeuge an den Eingangstoren zu den Parks wie Etosha oder Namib-Naukluftpark durchsuchen. Erlaubt sind durchsichtige, verschließbare Plastiktüten, Mülltüten und (durchsichtige) Plastiktüten, die zu Forschungszwecken verwendet werden.

Umweltminister stoppt Abholzen im Nordosten

Nach einer Serie von Medienberichten über illegales Abholzen von wertvollen Edelhölzern im Nordosten Namibias, die mit Lastwagen nach Walvis Bay gebracht und von dort nach China exportiert werden, hat der Umweltminister am 26. November alle Aktivitäten einstellen lassen. Das Verbot wurde gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium angeordnet. Dessen Beamte hatten bis dahin über 160 Genehmigungen für das Abholzen ausgestellt. Umwelt- und Tourismusminister Pohamba Shifeta informierte das Parlament am 27. November offiziell von dem Verbot, das auch den Transport und Verkauf von Holz aus den Regionen Kavango-Ost und West, Ohangwena und Sambesi betrifft. „Es wurde festgestellt, dass die Holzfäller kein Umwelttauglichkeitszertifikat beantragt hatten, was wiederum eine Umweltstudie voraussetzt“, teilte der Minister mit. Dieses Versäumnis sei ungesetzlich. Alle Holzfäller und Firmen, die Holz schlagen lassen wollen, müssen nun gemäß des Umweltgesetzes das Zertifikat beantragen.

Namibias wilde Pferde sind Attraktion für Touristen

Die wilden Pferde im Süden Namibias sollen geschützt und erhalten werden, da sie viele Touristen aus dem In- und Ausland anlocken, teilte das Umwelt- und Tourismusministerium mit. Der Pressesprecher des Ministeriums Romeo Munyunda sagte Ende November, dass Hyänen den Bestand der wilden Pferde ernsthaft bedrohen. Das Ministerium plane daher, die Hyänen umzusiedeln. Die namibische Stiftung für die wilden Pferde (Namibia Wild Horses Foundation) hatte diesen Monat einen Appell an das Ministerium gerichtet, dringend etwas zu unternehmen, da vier neugeborene Fohlen von Hyänen gerissen wurden. Ende November wurden zwei weitere Fohlen geboren.

Brigitte Weidlich

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