Namibias Wirtschaft auf den Punkt – Oktober 2019

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Namibias Wirtschaft auf den Punkt

Die ersten messbaren Regenfälle in der neuen Regenzeit fielen in der ersten Oktoberhälfte mit mehreren Gewittern im Nordosten gegen Ende des Monats Oktober. Präsident Hage Geingob nahm mit anderen Staatsoberhäuptern am ersten Russland-Afrika-Gipfel teil. Für Namibia wurden keine bekannten konkreten Deals abgeschlossen. Russland will die wirtschaftliche Zusammenarbeit und den Handel mit Afrika, einschließlich der militärischen Ausrüstung, verstärken.

Finanzminister Calle Schlettwein legte in der Nationalversammlung eine Überprüfung des Staatshaushalts vor. Die Ratingagentur Fitch gab ihre neuesten Ratings für Namibia bekannt. Mehrere Investitionen in erneuerbare Energien, Wohnen, Spargelproduktion und den Lebensmittelsektor wurden angekündigt.

Die Bank of Namibia behielt ihren Leitzinssatz wie erwartet bei 6,50 Prozent. Die Inflationsrate ging im September auf 3,3 Prozent zurück (August: 3,7 Prozent), teilte die Statistikbehörde Mitte Oktober mit.

Air Namibia fliegt ab November wieder drei Mal wöchentlich mit einem Airbus A319 von Windhoek nach Luanda.

Bürger aus 47 ausgewählten Ländern können nun auch bei der Einreise nach Namibia am Walvis Bay International Airport ein elektronisches Visum beantragen. Dieser Service wurde bereits im September am Hosea Kutako International Airport eingeführt.

Russland-Afrika Gipfel
Präsident Hage Geingob (r.) und seine Delegation hatten ein bilaterales Treffen mit den russischen Präsidenten Wladimir Putin (l.) während des Russland-Afrika Gipfels in Sotschi Ende Oktober. Foto : Präsidialamt Namibia.

Große Investitionen in Namibia

Der namibische Vizepräsident Nangolo Mbumba weihte in Oshifo im Norden Namibias eine Spargelverarbeitungsfabrik für mehrere Millionen Namibia Dollar ein. Das spanische Unternehmen „Industrias Alimentarias de Navarra“ hat vor zwei Jahren begonnen, grünen Spargel in der Nähe des Bewässerungsprojekts Etunda anzubauen, das Wasser aus dem Kunene-Fluss in der Nähe von Ruacana bezieht. Die Firma erweiterte die Investitionen mit dem Bau der Spargelfabrik.

“Die Spargel-Agro-Verarbeitungsanlage wird als Katalysator für nachhaltiges Wirtschaftswachstum und gemeinsamen Wohlstand dienen”, sagte Mbumba. In der neuen Fabrik, in der Dosen-Spargel hergestellt wird, sind 300 Festangestellte beschäftigt, von denen 80 Prozent Frauen sind. Weitere 200 Saisonarbeiter sind während der Spargelernte beschäftigt. Der Spargel wird hauptsächlich für den Export nach Spanien, Italien und Frankreich hergestellt.

In Windhoek hat die Firma Namib Mills eine neue Backfabrik am Hauptsitz etwas außerhalb von Windhoek bei Brakwater fertiggestellt. Die Investitionskosten beliefen sich auf N$134 Millionen (etwa 8,2 Millionen Euro), und 120 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. Die neue Bäckerei backt größere Brotlaibe von 600 Gramm und 700 Gramm. Pro Stunde werden in der neuen Fabrik 4.500 Brote gebacken. Namib Mills zufolge kaufen Namibier jährlich etwa 90 Millionen Brote. Namib Mills strebt an, mit 25 Millionen Broten pro Jahr einen Anteil an diesem Markt zu erlangen.

Weitere Energie-Projekte geplant

Ein Bergbauunternehmen in der Region Erongo plant die Errichtung einer eigenen 12-Megawatt-Solaranlage in der Nähe des Bergbaustandorts. Dem Unternehmen „Swakop Uranium“ zufolge wurde bei der Elektrizitätskontrollbehörde (Electricity Control Board) ein Lizenzantrag für die Stromerzeugung durch Solarenergie eingereicht. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung hat nun begonnen.

Vizepräsident Nangolo Mbumba hat diesen Monat ein Solarkraftwerk in der Nähe von Trekkopje in der Region Erongo eingeweiht. Es produziert fünf MW und kostet N$120 Millionen (etwa 7,3 Mio. Euro). Die Solaranlage kann auf eine Leistung von 27 MW erweitert werden und befindet sich in der Nähe der Uranmine der Firma Orano (ehemals Areva). Sertum Energy Namibia hat die Solaranlage gebaut und besitzt sie. Sertum hat sich für dieses Projekt mit einem jungen namibischen Geschäftsmann, Elton Katangolo, und dem in Italien gelisteten Unternehmen Enertronica SpA zusammengetan. Die Orano-Uranmine ist zeitweilig stillgelegt worden.

In einer weiteren Entwicklung an der zentralen Küste erwarb ein privates Unternehmen von der Swakopmunder Stadtverwaltung fünfzehn Hektar Land für ein Wohnprojekt. Etwa N$300 Millionen sollen investiert werden (rund. 18,4 Mio. Euros). Das Unternehmen „Elize Investments“ kaufte den an das Mondesa-Wohngebiet angrenzenden Grund und Boden, um 226 Häuser für Niedrigverdiener zu errichten. Zusätzlich sollen rund 350 Reihenhäuser gebaut werden.

Eurowings-Direktflug nach Namibia
Die Lufthansa-Tochter Eurowings bietet Direktflüge von Frankfurt nach Windhoek an. Der erste Flieger landete am 31. Oktober auf dem Hosea Kutako Internationalen Flughafen. Es gibt drei Flüge pro Woche. Foto: Deutsche Botschaft Windhoek

Finanzminister legt Nachtragshaushalt vor

Finanzminister Calle Schlettwein teilte der Nationalversammlung während seines Nachtragshaushalts mit, dass N$1,18 Milliarden (etwa 72 Mio. Euro) aus den im März bereitgestellten Haushaltsmitteln zur Verteilung auf einige Ministerien freigegeben wurden, die mehr Geld benötigten. “Das ursprüngliche Budget von N$66,5 Milliarden (rund 400,5 Millionen Euro) wird sich nicht erhöhen, die Einsparungen stammen hauptsächlich aus noch nicht realisierten Projekten”, erklärte Minister Schlettwein. Die namibische Wahlkommission erhielt über N$50 Millionen (ungefähr 3 Millionen Euro) zur Vorbereitung der geplanten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 27. November. Der nationale Sender NBC wird einen ähnlichen Betrag erhalten.

Nachrichten aus dem Finanzsektor

Lokale Aktienfondsmanager Eos Capital hat einen Namibia Infrastructure Development and Investment Fund (NIDIF) aufgelegt. Das Unternehmen plant, N$500 Millionen (etwa 30,6 Millionen Euro) als Kapital für Infrastrukturprojekte im Land aufzubringen. Zielbranchen sind Energie, Logistik, Wasser, Informations- und Kommunikationstechnologie, Verkehr, Bildung und Erziehung.

In einer weiteren interessanten Meldung hat die Standard Bank Namibia angekündigt, am 15. November an der örtlichen Börse notieren zu wollen. Im Oktober kann die breite Öffentlichkeit Aktien kaufen, jedoch in Bündeln zu 250 Aktien für N$2.250 (etwa 138 Euro). Die Bank plant, am Namibia Stock Exchange (NSX) über N$720 Millionen (rund 44,2 Millionen Euro) durch Börsennotierung zu beschaffen. Die Standard Bank Gruppe hält derzeit 90 Prozent in Standard Bank Namibia Holdings, die restlichen 10 Prozent der Aktien gehören Mitarbeitern. Nach der Börsennotierung wird der Konzern noch 74,9 Prozent der Aktien besitzen.

Namibia verbessert Wettbewerbsfähigkeit

Namibia klettert auf der Rangliste des globalen Wettbewerbsberichts stetig nach oben. Laut dem World Economic Forum (WEF) verbesserte sich Namibia auf der neuesten Liste von Rang 100 unter 141 Ländern um sechs Stufen auf Rang 94. Das WEF veröffentlichte den Bericht Mitte Oktober. Namibias verbessertes Ranking ist auf Verbesserungen des Finanzsystems, der Geschäftsdynamik und der Information, der Kommunikation und der Einführung neuer Technologien zurückzuführen.

Neue Fitch-Wertung für Namibia

Zwei Jahre nach ihrem vorherigen Rating hat die internationale Ratingagentur Fitch die Bonität Namibias erneut von „BB+“ auf „BB“ herabgestuft, jedoch mit stabilem Ausblick. Laut Fitch spiegelte die Herabstufung die Wirtschaft Namibias wider, die unter Rezessionsdruck steht. Das makroökonomische Umfeld habe sich verschlechtert. Trotz eines stabilen Ausblicks für das Rating trübten das Risiko zunehmender externer Schocks durch die vorherrschende Dürre und eine hohe Arbeitslosenquote die Wachstumsaussichten.

Die Agentur sagte auch, dass die jüngsten politischen Initiativen, die darauf abzielen, Investitionen anzukurbeln, einschließlich eines im August abgehaltenen Investitionsgipfels, angesichts anhaltender struktureller Engpässe nur verhaltene Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit haben würden.

Brigitte Weidlich

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