Namibias Wirtschaft auf den Punkt – September 2022

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Namibias Wirtschaft auf den Punkt

Der September war ein Monat mit zwei Jahreszeiten da ein plötzlicher Kälteeinbruch zwischen wärmerem Frühlingswetter und ein paar Regentropfen verzeichnet wurde.

Die namibische Wettbewerbskommission hat die Übernahme von Namibia Breweries durch den niederländischen Biergiganten Heineken genehmigt, allerdings mit mehreren Auflagen. Es darf fünf Jahre lang keine Kürzungen geben, und einige Aktivitäten von Heineken in Südafrika müssen nach Namibia verlagert werden.

Namibia hat seine Holzkohleexporte im Jahr 2021 mit 158.864 Tonnen erhöht, die hauptsächlich für Europa, Großbritannien und in die USA bestimmt sind. In diesem Jahr könnten die Exporte die des letzten Jahres übersteigen: Bis August wurden laut Charcoal Association of Namibia (CAoN) bereits rund 81.344 Tonnen exportiert.

Namibias Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 5,6 Prozent.

Das private Luftfahrtunternehmen Fly Namibia hat eine Partnerschafts- und Code-Sharing-Vereinbarung mit einem südafrikanischen Partner abgeschlossen.

Die namibische Regierung und die Europäische Union planen eine neue Partnerschaft mit den Schwerpunkten Rohstoffe, Handel und grüner Wasserstoff.

Das bestehende Gesetz zur Gewinnung von Mineralien aus dem Jahr 1992 wird vom Bergbau- und Energieministerium einer Überprüfung unterzogen.

Die Bank of Namibia wird in Kürze Richtlinien und Vorschriften für Bitcoin und Kryptowährungen ankündigen.

Die Inflation in Namibia stieg laut der Statistikbehörde Ende August auf 7,3 Prozent (Juli: 6,8 %).

Fly Namibia kooperiert mit der südafrikanischen Airlink

Fly Namibia, eine hiesige Tochtergesellschaft des Privatunternehmens Westair Aviation, hat eine Kooperations- und Codesharing-Vereinbarung mit der südafrikanischen unabhängigen Fluggesellschaft Airlink unterzeichnet.

Dies wird auch das gemeinsame längerfristige Bestreben beider Fluggesellschaften unterstützen, den Hosea Kutako International Airport als zentralen Verbindungsknotenpunkt und als Basis zu etablieren. Inlandsflüge werden wie gewohnt fortgesetzt und weitere Ziele wie Luanda, Maun und Victoria Falls sind für Fly Namibia geplant.

Eros Airport, Windhoek, Namibia
Der Eros Flughafen liegt in einem Vorort von Windhoek. Foto: Namibia Airports Company

Fly Namibia führt derzeit Inlandsflüge vom Eros Airport in Windhoek nach Ondangwa, Rundu und Katima Mulilo sowie Regionalflüge nach Kapstadt durch, sechsmal wöchentlich vom Hosea Kutako International Airport (HKIA).

Von ihrem Drehkreuz Johannesburg aus bedient Airlink die Route nach Windhoek bis zu viermal täglich und Walvis Bay täglich. Von Kapstadt aus führt Airlink laut Geschäftsführer Rodger Foster bis zu drei Hin- und Rückflüge pro Tag nach Windhoek durch und einen täglichen Hin- und Rückflug nach Walvis Bay.

Um sein volles wirtschaftliches Potenzial auszuschöpfen, wird Namibia zunehmend auf Flugverbindungen angewiesen sein, um Menschen und Waren zwischen den Märkten zu transportieren. „Indem wir uns Airlink anschließen und Teil seines globalen Netzwerks werden, können wir ausländische und einheimische Touristen und Unternehmen noch besser bedienen“, sagte André Compion, Geschäftsführer von Fly Namibia, bei der Unterzeichnung am 28. September 2022.

Stetiges Wirtschaftswachstum seit fünf Quartalen

Namibias Wirtschaft hat in den fünf aufeinanderfolgenden Quartalen vom 2. Quartal 2021 bis Juni 2022 ein stetiges Wachstum gezeigt. Das Wachstum betrug durchschnittlich 5,5 Prozent.

Nach den neuesten Zahlen, die Ende September von der Namibia Statistics Agency (NSA) veröffentlicht wurden, zeigte das zweite Quartal von April bis Juni 2022 ein Wachstum von 5,4 Milliarden N$ (etwa 306,5 Millionen Euro) oder 5,6 Prozent auf 48,6 Milliarden N$ (etwa 2,61 Milliarden Euro), getrieben durch den Bergbausektor. Der Bergbau wuchs um 29,4 % und trug damit 2,6 % zum BIP-Wachstum bei, gefolgt vom Finanzdienstleistungssektor mit 1,1%.

„Der Aufschwung im Bergbausektor ist hauptsächlich auf den Diamantenabbau zurückzuführen, der im Berichtsquartal einen Anstieg von 53,7 % verzeichnete“, sagte der NSA-Chef Alex Shimuafeni.

„Im Berichtszeitraum leistete das verarbeitende Gewerbe mit 12,1% den größten Beitrag zum BIP, gefolgt vom Groß- und Einzelhandel (10,2 %) sowie der Land- und Forstwirtschaft (10%)“, heißt es in dem NSA-Bericht.

Die exportierten Waren und Dienstleistungen beliefen sich auf 16,3 Milliarden N$ (925,6 Millionen Euro), aber die Importe stiegen im zweiten Quartal dieses Jahres auf 25,5 Milliarden N$ (etwa 1,45 Milliarden Euro). Das Handelsbilanzdefizit stieg somit während des 2. Quartals dieses Jahres auf etwa 9,2 Milliarden N$ (etwa 522,5 Millionen Euro).

Goldmine, Otavi, Namibia
Goldbarren werden im Otjikoto Bergwerk bei Otavi gegossen. Foto: B2Gold

EU und Namibia erörtern gemeinsame Wirtschaftsziele

Namibias Außenministerium und die in Namibia akkreditierten Botschafter der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union hielten Ende September ein eintägiges Treffen. Der „Namibia-EU politische Dialog“ befasste sich auch mit wirtschaftlicher Zusammenarbeit, Handel und Klimawandel.

Besonderes Augenmerk wurde auf die Industrialisierungsbestrebungen Namibias gelegt. Beide Seiten erörterten die Umsetzung des ökonomischen Partnerschaftsabkommens (EPA) sowie die Unterstützung der Umsetzung der afrikanischen kontinentalen Freihandelszone (AKFHZ).

Das neue EPA-Abkommen soll im Juni 2023 unterzeichnet werden und das bestehende Cotonou-Abkommen ersetzen. Ein weiterer Schwerpunkt der Beratungen war eine neue geplante Partnerschaft für nachhaltige Wertschöpfungsketten für kritische Rohstoffe, an deren Import die EU interessiert ist, und grünem Wasserstoff.

„Die EU-Mitgliedsstaaten gehören zu den wichtigsten Handelspartnern Namibias, und während sich das Land auf die Etablierung als Drehscheibe für grünen Wasserstoff zubewegt, werden der Handel und die Investitionen zwischen beiden Seiten zunehmen“, sagte Namibias Außenminister Netumbo Nandi-Ndaitwah.

Nach Abschluss wird die neue Partnerschaft ein neues Kapitel der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Namibia und der EU aufschlagen, „einschließlich des Privatsektors, der Förderung der Industrialisierung und der Aufbereitung kritischer Rohstoffe, die für die Energiewende und die Entwicklung einers grünen Wasserstoffwirtschaft in Namibia von bedeutung sind“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Weitere Details wurden nach der Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit nicht bekannt gegeben.

Neues Bergrecht in Vorbereitung

Das Ministerium für Bergbau und Energie hat diesen Monat mehrere Informationsveranstaltungen zu neuen Entwicklungen wie grünem Wasserstoff, Öl- und Gasfunden und einschlägigen Rechtsvorschriften abgehalten. Das Mineraliengesetz von 1992 wird einer umfassenden Überprüfung unterzogen, mit dem Ziel, mehr namibische Beteiligung zu gewinnen.

Bevor künftig eine Schürflizenz ausgestellt oder verlängert werden kann, müssen Antragsteller mit dem Ministerium eine Vereinbarung treffen, die eine namibische Beteiligung von fünf Prozent vorsieht.

Lizenzgebühren und Abgaben für alle Mineralien werden auf maximal zehn Prozent begrenzt.

Zukünftig müssen Bergbauunternehmen die Mineralien auch in Namibia verarbeiten („anreichern“). Dies erfordert die Rücksprache mit dem Ministerium für Industrialisierung und Handel. Jeder Bergbaulizenzinhaber muss sich verpflichten, einen Prozentsatz der Jahresproduktion in Namibia zu verarbeiten, zu schmelzen oder anderen Behandlungsprozessen zu unterziehen, aber nur, „wenn die entsprechenden Einrichtungen verfügbar sind“.

Der Entwurf des neu gefassten Mineraliengesetzes sieht die Einrichtung eines Beratungsgremiums zur Erteilung von Prospektions- und Abbaugenehmigungen vor. Der Gesetzentwurf sieht auch eine finanzielle Absicherung im Falle von Bergwerkschließungen vor. Dadurch wird sichergestellt, dass die Kosten für die Rehabilitierung von Abbauhalden von den Unternehmen und nicht vom Staat getragen werden.

Das neue Gesetz wird auch kleine Bergleute berücksichtigen, die nicht unter die alte Gesetzgebung von 1992 fallen.

Autorin dieses Beitrags ist Brigitte Weidlich.
Sie war nach ihrem Musik- und Germanistikstudium fast 20 Jahre lang als Berufsmusikerin tätig. Nebenbei machte sie Sendungen für das deutschsprachige Radio der Namibian Broadcasting Corporation (NBC). Inzwischen arbeitet Brigitte vollberuflich als freischaffende Journalistin im Print- und Rundfunksektor. Seit 2014 berichtet sie auch für Gondwana Collection. Für Fragen oder Anregungen ist sie zu erreichen unter .

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