Nashorn-Schutz verstärkt nach Wilderei im Etosha Nationalpark

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Spitzmaulnashörner, Damaraland, Namibia
Zwei Spitzmaulnashörner in ihrem seit Jahrhunderten angestammten Gebiet im Nordwesten Namibias. Foto: SRT

Namibia hat den größten Bestand schwarzer Nashörner in freier Wildbahn und es ist eine einzigartige Erfahrung, diesen prähistorischen Tieren in den bergigen Gebieten des Nordwestens und im Etosha Nationalpark auf einer Rundfahrt zu begegnen.

Schwarze oder Spitzmaulnashörner und Weiße oder Breitmaulnashörner sind jedoch bedroht, weil ihre Hörner in asiatischen Ländern für verschiedene „traditionelle“ Medikamente gefragt sind. Internationale Syndikate treten an Einheimische heran, damit diese Nashörner töten, ihre Hörner abhacken und sie an Zwischenhändler liefern. Die Zwischenhändler schmuggeln die Hörner über internationale Routen, die in den vergangenen Jahren ebenfalls Namibia erreicht haben.

Nach einem Anstieg der gewilderten Nashörner in Südafrika kamen die Syndikate auch nach Namibia. Das Ministerium für Umwelt, Tourismus und Forstwirtschaft hat in den letzten fünf Jahren seine Bemühungen zum Schutz der Nashörner mit Unterstützung lokaler und internationaler Partner erfolgreich verstärkt.

Die Wilderei im Etosha-Nationalpark

In den letzten drei Jahren wurden im Etosha-Nationalpark in Namibia dank des intensiveren Schutzes für die gefährdeten Arten keine Nashörner mehr gewildert. Leider musste das Ministerium am 13. Juni 2022 bekannt geben, dass seine Anti-Wilderei-Einheit während einer Routinepatrouille Anfang Juni in den westlichen Teilen elf gewilderte Nashörner gefunden hatte. Die Kriminellen hatten die Hörner aller erwachsenen Tiere entfernt. (*Ende Juni wurde noch ein 12. gewildertes Nashorn im Park entdeckt.)

Zwei Tage später wurden zwei von mutmaßlichen fünf Wilderern im Park aufgespürt und verhaftet. Die anderen drei konnten flüchten. “Die Identität der anderen Verdächtigen ist uns bekannt und wir werden nichts unversucht lassen, um sie zu verhaften”, kündigte Minister Pohamba Shifeta am 20. Juni an, nachdem er vor Ort im Park über Einzelheiten informiert wurde.

“Wir haben uns neu organisiert und Änderungen in der Anti-Wilderei-Einheit vorgenommen.” Der Leiter der Einheit, der bisher in Windhoek stationiert war, ist in den Park beordert worden, um die nicht genannten Veränderungen zu überwachen. Soldaten der Namibia Defence Force (NDF) und Mitglieder des National Intelligence Service (NCIS), Namibias Geheimdienst, sind Teil der Einheit.

„Unsere Leute waren zu selbstgefällig. Wir müssen auch davon ausgehen, dass die Mitarbeiter des Parks wahrscheinlich Informationen über die Nashörner an die Wilderer übergeben haben. Wir können annehmen, dass dies ein ‚Insider Job‘ war “, sagte der Minister.

“Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas getan wurde, dass die Mitarbeiter [im Park] mit Wilderern unter einer Decke stecken”, fügte Shifeta hinzu. Er bestätigte, dass die als „K9“ bekannte Hunde-Einheit im Park noch aktiv ist.

“Dies ist ein Bereich, der zuvor ein Hotspot war, und nach der erhöhten Sicherheit haben wir bemerkt, dass die Wilderer sich woanders hin begaben, “ sagte Shifeta.

Spitzmaul-Nashorn in Namibia
Ein ausgewachsenes Spitzmaulnashorn im Damaraland im Nordwesten Namibias mit Bergen im Hintergrund. Foto: SRT

Das Blue Rhino Task-Team – eine Sondereinheit

Der Etosha-Nationalpark mit seinen 22.270 Quadratkilometern ist riesig und die Patrouillen in den verschiedenen Gebieten eine schwierige Aufgabe.

Im Juli 2018 wurde die „Operation Blue Rhino“ gegründet, um den Kampf gegen Wilderei zu unterstützen, und das Blue Rhino Task-Team (BRTT) wurde zusammengestellt. Es ist eine Zusammenarbeit zwischen der namibischen Polizei (NamPol) innerhalb des Innenministeriums, Einwanderung und Sicherheit und der Intelligenz- und Untersuchungseinheit (IIU) des Ministeriums für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus unter anderem.

Operation Blue Rhino wurde im Juli 2018 aktiv, um Wildtierverbrechen und insbesondere Wilderei in Namibia einzudämmen. Eine Vereinbarung wurde getroffen, um die Aktivitäten bis Juni 2025 fortzusetzen. Die Finanzierung stammt aus dem Rooikat Trust. Das Ministerium, NamPol und Rooikat stellen die Patrouillenfahrzeuge. Der Rooikat Trust wurde 2017 als lokale NGO gegründet, um die schnelle, flexible und gezielte Verbreitung von Geldmitteln durch internationale Instanzen zu ermöglichen, darunter die Wildcat Foundation und das Bureau of International Narcotics and Law Enforcement Affairs in den USA.

Rooikat bietet direkte, weitreichende Unterstützung für Strafverfolgungsbehörden und Logistik. Dies ermöglicht schnelle Reaktionen auf Wilderei-Vorfälle im Kampf gegen Verbrechen an wilden Tieren in Namibia.

Spendenmittel ermöglichen den Ankauf technischer Geräte und von Ausrüstung, darunter Schuhwerk, Campingausrüstung, Betriebskosten vor Ort, logistische Unterstützung, Schulung und Mentoring. Die Finanzierung ermöglicht auch forensische Ermittlungen, Analysen, Fallvorbereitung für die Gerichte, die Unterstützung der Staatsanwaltschaft sowie die Unterstützung der Zoll- und Verbrauchsteuerabteilung der Namibia Revenue Agency. Ferner wird die Finanzierung für Sachverständige und Rechtsberatung gesichert.

Erfolge seit 2017

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in Namibia 21 Nashörner gewildert, letztes Jahr 43 Schwarze und Weiße Nashörner, 40 im Jahr 2020 und 56 im Jahr 2019.

Seit dem Beginn der spezialisierten Anti-Wilderei-Aktivitäten im Jahr 2017 wurden in Namibia rund 987 Verdächtige wegen gewilderter Nashörner und Elefanten festgenommen. Laut Polizeikommissar Barry de Klerk, der die Abteilung für geschützte Ressourcen (Protected Ressources) und das Blue Rhino Task Team leitet, wurden 519 der 987 verhafteten Personen im Zusammenhang mit Nashorn-Wilderei, hauptsächlich Namibier und fünf Asiaten, festgenommen.

243 der 519 verhafteten Personen sind gegen Kaution zurzeit frei und 132 warten auf ihr Gerichtsverfahren, während 30 Personen für schuldig befunden und verurteilt wurden. 29 wurden freigelassen.

Gerichte und Richter erhalten auch eine Ausbildung über die Schwere der Wildtierverbrechen in Namibia. Sie erhielten eine spezielle Broschüre mit Informationen über gefährdete Arten in Namibias und welche Gesetze relevant sind.

Namibia hat die Geldstrafen für die Wilderei auf 25 Mio. N$ (rund 1.48 Millionen Euro) – gegenüber 200.000 N$ (etwa 11.870 Euro) – erhöht. Gefängnisstrafen wurden von 20 Jahren auf 25 Jahre erhöht.

Globale Dimensionen

Wildtierkriminalität ist ein globales Problem, bei dem kriminelle Netzwerke über internationale Grenzen und Kontinente hinweg tätig sind. Namibia hat bemerkenswerte Fortschritte bei der Bekämpfung von Wildtierkriminalität erzielt. Die Anzahl der gewilderten geschützten Tierarten hat abgenommen, und die Anzahl erfolgreicher Verhaftungen hat sich erheblich erhöht.

Der Kampf gegen die Wilderei ist sehr kostspielig. Die Erfolge sind auf die hervorragende Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Strafverfolgungsbehörden, dem Justizsystem und der Unterstützung der Gemeinschaft mit Hilfe der internationalen Gebergemeinschaft zurückzuführen.

Autorin dieses Beitrags ist Brigitte Weidlich.
Sie war nach ihrem Musik- und Germanistikstudium fast 20 Jahre lang als Berufsmusikerin tätig. Nebenbei machte sie Sendungen für das deutschsprachige Radio der Namibian Broadcasting Corporation (NBC). Inzwischen arbeitet Brigitte vollberuflich als freischaffende Journalistin im Print- und Rundfunksektor. Seit 2014 berichtet sie auch für Gondwana Collection. Für Fragen oder Anregungen ist sie zu erreichen unter .

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