Neue Projekte unterstützen Tourismus

0
19226
Brücke bei Kazungula
Die neue Brücke bei Kazungula. Foto: Botswana Regierung

Namibias Sambesi-Region mit seiner subtropischen Vegetation, reichen Tierwelt und ländlichen Umgebung bietet Touristen ein unvergessliches Erlebnis. Zwei neue Entwicklungen werden dies noch verstärken – eine neue Brücke über den Sambesi-Fluss in der Nähe des Kasane-Grenzpostens, wo vier Länder eine gemeinsame Grenze haben, und ein millionenschweres Finanzierungsprojekt für Wildtiere der Region.

Darüber hinaus hat die namibische Regierung den Grenzposten Kasane gegenüber Kazungula in Botswana wieder für den Personenverkehr geöffnet, nachdem das Nachbarland diesen zuvor nach einer langen Schließung aufgrund der Covid-19-Pandemie geöffnet hatte.

Eine weitere gute Nachricht ist, dass Namibia Mitte Juni Gastgeber der Konferenz der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen sein wird, die sich der Stärkung Afrikas bei der Vermarktung des Kontinents als Tourismusdestination widmen wird.

Neue 923 m lange Brücke fördert Tourismus und Handel

Namibias Vizepräsident Nangolo Mbumba nahm am 10. Mai an der Einweihung der neuen 923 Meter langen Kazungula-Brücke teil, die Botswana am Zusammenfluss von Chobe und Sambesi mit Sambia verbindet. Bevor die Brücke gebaut wurde, transportierten nur eine Fähre und ein Ponton Reisende und Lastwagen über den großen Sambesi-Fluss.

Kazungula Brücke, Karte
Das Vier-Länder-Eck und Standort der neuen Brücke. Karte: Wikimedia

An dieser Stelle treffen sich die Grenzen von Namibia, Botswana, Simbabwe und Sambia im Vier-Länder-Eck. Touristen, die von Namibias Sambesi-Region über Kasane und Kazungula (in Botswana) zu den berühmten Victoriafällen in Simbabwe reisen, die weniger als 100 km entfernt sind, können nun Sambia bereits über die neue Brücke bei Kazungula erreichen. Diese alternative Route auf einer Teerstraße bietet Ausblicke auf die nördlichen Ufer des Sambesi und schließlich auf die Victoriafälle bei Livingstone. Bisher gelangten Touristen  nur in Livingstone über die historische Sambesi-Brücke nach Sambia.

Die westlichste Brücke von Namibia nach Sambia führt außerhalb von Katima Mulilo nach Sesheke; sie wurde 2004 fertiggestellt und ist 900 Meter lang.

Die Afrikanische Entwicklungsbank stellte ein Darlehen zur Verfügung, das etwa ein Drittel der Kosten abdeckte. Die beiden Regierungen erhielten auch finanzielle Unterstützung von Japan und dem EU-Afrika-Infrastruktur-Treuhandfonds. Die Brücke wurde von der südkoreanischen Firma Daewoo Engineering & Construction gebaut.

“Die Kazungula-Brücke ist ein Modell und ein Maßstab für die südafrikanische Region und den Kontinent”, sagte der Präsident von Botswana, Mokgweetsi Masisi, bei der Einweihungsfeier.

Aufgrund der Tatsache, dass sich die neue Brücke im grenzüberschreitenden Naturschutzgebiet Kavango-Zambezi (KAZA TFCA) befindet, wird erwartet, dass sie den Tourismus ankurbelt, da das Fähr- und Pontonsystem nicht mehr erforderlich ist. KAZA ist mit 371.394 km² das größte grenzüberschreitende Naturschutzgebiet der Welt und erstreckt sich vom Nordosten Namibias bis nach Angola, Botswana, Sambia und Simbabwe. In diesem Gebiet leben etwa fünfzig Prozent der Gesamtpopulation afrikanischer Elefanten.

Das Wildtiermanagement für KAZA wird gestärkt

Das KAZA TCFA ist eine wichtige Migrationsroute für Elefanten und andere Wildtiere. In der Gegend leben jedoch auch ländliche Gemeinschaften, die seit vielen Jahrhunderten von Landwirtschaft, Fischerei und der Jagd abhängig sind. Sie sind heute nicht immer in der Lage, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Das nicht nachhaltige Schießen von Wildtieren für Fleisch setzt Wildtiere und Schutzgebiete unter Druck, da die menschliche Bevölkerung zunimmt, ebenso die Urbanisierung und sich auch der Lebensstil ändert.

In diesem Monat wurde in Namibia ein neues nachhaltiges Wildtiermanagementprogramm gestartet, um die Regierungen von Namibia und Botswana bei der Bekämpfung von Bedrohungen durch nicht nachhaltige Jagd auf Wildtiere und Fragmentierung von deren Lebensraum zu unterstützen. Fragmentierung (durch u.a. neue Siedlungen und Erntefelder) verhindern, dass wilde Tiere Ressourcen erreichen, die sie zum Überleben benötigen. Das Programm bekämpft Wilderei infolge von Konflikten zwischen Menschen und Wildtieren aufgrund des Antagonismus zwischen der ländlichen Bevölkerung und beispielsweise Elefanten. Das Projekt zielt auch darauf ab, die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaften zu erhöhen, die unregelmäßigen Regenfällen und häufiger Dürre aufgrund des Klimawandels ausgesetzt sind.

Elefanten, Sambesi-Region
Elefanten in der Sambesi-Region. Foto: Gondwana-Collection

Rund 3,5 Millionen Euro (ca. N$60 Mio.) wurde für das nachhaltige Wildtiermanagementprogramm im Nordosten Namibias und im Nordwesten Botswanas bis 2024 gesichert.

In Namibia wird das Projekt von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der französischen Agence Française de Développement (AFD) mit Unterstützung des örtlichen Büros des World Wildlife Fund (WWF) durchgeführt.

“Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf dem Nutzen sowohl der Tierwelt als auch der Ökosysteme in der KAZA TCFA und der Widerstandsfähigkeit der lokalen Gemeinschaften, die zumindest teilweise auf sie angewiesen sind, um Nahrung und Einkommen zu erhalten”, sagte Farayi Zimudzi, FAO-Vertreter in Namibia.

Zu den Projektstandorten gehören 12 Schutzgebiete in den Wildschutzgebieten Khaudom-Ngamiland und Kwando sowie die Kyaramacan Association im Bwabwata-Nationalpark. Auch ländliche Gemeinden im Nordwesten Botswanas werden einbezogen.

Diese Standorte werden die ökologische Konnektivität in der gesamten KAZA-Landschaft fördern. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung innovativer Mechanismen zur Reduzierung nicht nachhaltiger Jagdpraktiken, Förderung der nachhaltigen Nutzung und Bewirtschaftung von Wildfleisch, Bereitstellung technischer Hilfe und Stärkung der Kapazitäten zur Bewältigung der Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und die Stärkung der Verwaltung von Schutzgebieten werden ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Das kommt auch dem Tourismus zugute.

Dieses Programm ist bereits mit einem ähnlichen Ansatz in Sambia und Simbabwe aktiv.

Das Programm ist eine Initiative der Organisation der afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten (OACPS) und wird von der Europäischen Union (EU) finanziert. Zusätzliche Finanzierung kommt von der französischen Fazilität für globale Umwelt (FFEM). Das Projekt verfolgt neue Ansätze zum Schutz wild lebender Tiere und zum Schutz von Ökosystemen. Es verbessert gleichzeitig die Lebensgrundlage indigener Völker und ländlicher Gemeinschaften, die von diesen Ressourcen abhängig sind.

Sambesi-Region, Sonnenuntergang
Ein Sonnenuntergang verzaubert die Landschaft und den Sambesi. Foto: Gondwana-Collection

UNWTO-Konferenz in Windhoek vom 14. bis 16. Juni

Namibia wird Mitte Juni Gastgeber einer Konferenz sein, die sich mit dem Branding Afrikas als Tourismusdestination nach der Covid-19-Pandemie befasst. Die Regionaldirektorin der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) für Afrika, Elcia Grandcourt, besuchte Namibia Anfang Mai im Hinblick auf die Konferenzvorbereitungen, die vom Namibia Tourism Board (NTB) durchgeführt werden.

Laut des Ministers für Umwelt, Tourismus und Forstwirtschaft, Pohamba Shifeta, werden bis zu 150 Personen physisch an der Konferenz teilnehmen, hauptsächlich von nationalen Tourismus-Managementorganisationen und Beamten von Ministerien, die für den Tourismus in Afrika-Staaten zuständig sind. Der Generalsekretär der UNWTO sowie mehrere afrikanische Tourismusminister werden anwesend sein.

Die Konferenz bietet auch eine virtuelle Teilnahme. Darüber hinaus erhalten kleine Tourismusfirmen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten im Bereich digitales Marketing zu verbessern.

“Der Schwerpunkt wird auf nationalem und regionalem Branding liegen, um das Image Afrikas als Reiseziel zu verbessern und die digitale Vermarktung und die Fähigkeiten von kleinst- und kleinen Tourismusunternehmen, insbesondere hier in Namibia, zu verbessern”, sagte Minister Shifeta.

“Die Positionierung Afrikas als bevorzugtes Tourismusziel aufgrund seiner reichen Kulturen, spektakulären Landschaften und Wildtiere sowie anderer Attraktionen wird das Hauptaugenmerk sein”, fügte er hinzu.

Brigitte Weidlich

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here